Schweinefleisch

Chinesischer Schweinemarkt befindet sich am Wendepunkt

aiz
am Donnerstag, 28.10.2021 - 11:39

Nach dem kräftigen Anstieg im Jahr 2021 dürfte die Produktion in China im kommenden Jahr wieder rückläufig sein.

Schweinemarkt

In China ist die Erzeugung von Schweinefleisch in den ersten drei Quartalen 2021 gegenüber der schwachen Vorjahresperiode kräftig gestiegen, doch zeichnet sich langsam ein Ende des Wachstums ab. Wie der Sprecher des Nationalen Statistikbüros in Peking, Fu Linghui, laut "Agra-Europe" berichtete, nahm die Produktion gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 um 38% auf 39,17 Mio. t zu. Die nicht kostendeckenden Preise dürften allerdings im kommenden Jahr wieder zu einer rückläufigen Produktion führen, woraus ein höherer Importbedarf resultieren könnte.

Neben dem Wiederaufbau der Bestände nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) haben in den vergangenen Monaten die stark gesunkenen Erzeugerpreise in China zu einem verstärkten Herdenabbau geführt und so das Angebot an Schlachttieren erhöht. Dem Pekinger Statistikbüro zufolge gab es Ende September 437,64 Mio. Schweine in der Volksrepublik, um 18,2% mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich mit Ende Juni 2021 wurde allerdings erstmals wieder ein leichter Bestandsrückgang verzeichnet, und zwar um 0,3%. Gleiches gilt für die Sauen, deren Zahl gegenüber Juni um 2,3% rückläufig war.

Preise trotz Anstieg noch nicht kostendeckend

Die Abstockung der Sauenherde ist laut Experten auf den Zusammenbruch des Ferkelpreises zurückzuführen. Dieser lag zuletzt bei umgerechnet 41,10 Euro für ein Tier mit 20 kg - vor einem Jahr wurden noch Rekordpreise von mehr als 260 Euro je Ferkel erzielt. Die Erzeugerpreise für Mastschweine brachen vom Jahresbeginn bis Anfang Oktober um gut 70% ein, doch scheint hier der Tiefpunkt überwunden zu sein, denn in den vergangenen zwei Wochen ist der Preis wieder um rund ein Drittel gestiegen.

Das aktuelle Preisniveau ist jedoch laut Analysten aufgrund der hohen Futterkosten bei Weitem nicht kostendeckend. Marktbeobachter gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten in China die Nachfrage für das deutlich günstiger gewordene Schweinefleisch mit Blick auf das Neujahrsfest saisonal zunehmen wird. Damit könnten auch die Schlachtschweinepreise weiter anziehen.

Amerikanische Ministerium rechnet mit sinkender Produktion in China

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die nicht kostendeckenden Preise wieder zu einem Rückgang der chinesischen Schweineproduktion führen werden. So prognostizierte das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) vor Kurzem, dass nach einem Anstieg der Schweinefleischerzeugung in diesem Jahr um 27% auf 46,0 Mio. t die Produktion 2022 um 5% sinken werde. Etwas weniger stark soll mit einem Minus von 4% der Verbrauch abnehmen. Dies könnte in der Folge zu einem höheren Importbedarf der Volksrepublik führen: Die US-Analysten rechnen mit einem Einfuhrplus von knapp 6% auf 4,75 Mio. t.

Die USDA-Experten gehen laut "agrarzeitung.de" davon aus, dass die Marktentwicklung in China auch im kommenden Jahr einen großen Einfluss auf den globalen Schweinemarkt haben wird. So soll sich die weltweite Schweinefleischerzeugung in den vom USDA betrachteten Ländern laut aktueller Prognose insgesamt auf 104,2 Mio. t belaufen und damit um 1,8% unter dem voraussichtlichen Niveau von 2021 bleiben. Neben China werden moderate Produktionsrückgänge auch in den USA mit 0,3% erwartet.

Wachstum schwächt sich auch in der EU ab

In der EU kamen nach Angaben von Eurostat im ersten Halbjahr 2021 in den meldepflichtigen Schlachtbetrieben in Summe 124,17 Mio. Schweine an die Haken, um 3,6% mehr als im Vergleichszeitraum 2020. In den meisten Mitgliedstaaten gelangten die Tiere zudem mit höheren Gewichten in die Schlachthäuser, damit nahm die Schweinefleischerzeugung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,2% auf 11,80 Mio. t zu.

Während die EU in diesem Jahr mehr Schweinefleisch produziert als im Vorjahr, haben die Fleischexporte in den vergangenen Monaten an Schwung verloren. Im ersten Halbjahr 2021 hatten die Ausfuhren von EU-Schweinefleischprodukten in Drittländer noch um 17% auf 2,96 Mio. t zugelegt (die Zahlen gelten für die EU ohne Großbritannien). Die Lieferungen in die Volksrepublik konnten um 6% auf rund 1,69 Mio. t erhöht werden. Bereits im Jahr 2020 hatten die EU-Exporte nach China um 45% zugenommen.

Die jüngsten Exportzahlen der Kommission dokumentieren bereits die geänderte Marktsituation. Demnach wurden im Zeitraum Jänner bis August 2021 die Lieferungen von EU-Schweinefleischprodukten gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur mehr um 8,8% auf 3,73 Mio. t erhöht. Bei den Exporten nach China ergab sich ein Rückgang um 5,6% auf 2,02 Mio. t. Das Schwächeln des chinesischen Marktes konnte durch höhere Lieferungen in andere Drittländer (Philippinen, Vietnam, USA, Australien usw.) kompensiert werden. China blieb aber mit einem Anteil von 54% noch der größte Abnehmer der Union.

Die EU-Kommission geht in ihrer jüngsten Prognose davon aus, dass die EU-Schweinefleischerzeugung 2022 nur noch um 0,6% auf 23,80 Mio. t zunehmen wird. Bei einem leicht rückläufigen Verbrauch erwarten die Brüsseler Analysten einen Anstieg der Schweinefleischexporte um 7% auf 5,60 Mio. t.