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Getreidemarkt

China ist wie ein Getreide-Staubsauger

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Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Montag, 15.03.2021 - 05:16

BBV-Bauerninfo@home: So ist aktuell die Lage an den weltweiten Märkten.

Der BBV gab vor kurzem in seiner Bauerninfo@home einen Überblick über die heimischen und weltweiten Getreidemärkte. Wie Marktreferent Anton Huber erklärte, sind die weltweiten Endbestände beim Weizen seit zwei Jahren auf nahezu konstantem Niveau. 40 % des jährlichen Verbrauchs liegen auf Lager. „Das sind Zahlen, die uns präsentiert werden, wenn es um Preisverhandlungen geht“, stellte der Marktexperte klar.
Schaut man genauer hin, stellt sich die Lage schon anders dar. 54 % der weltweiten Lagerbestände entfallen inzwischen auf China. „China muss man sich vorstellen wie einen großen Staubsauger“, meinte Huber. Und was China kauft und lagert, ist weg vom Markt. In Europa sinken die Endbestände seit drei Jahren. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die hohen Exportquoten und in diesem Jahr die relativ schwache Ernte. Einbrüche gab es zum Beispiel in Frankreich und England.

Weizen: Kunden der EU

Die großen Weizenkunden der EU liegen vor allem in Nordafrika. Da Frankreich zuletzt massiv nach China exportiert, konnte Deutschland die entstehende Lücke in Nordafrika mit einem deutlichen Exportplus schließen. Für Huber durchaus ein Vorteil: „Unsere Kunden liegen nicht nur vor der Haustür, sie werden auch mehr.“ Vergleichsweise viel deutscher Weizen landete 2020 in England. Aus Respekt vor dem Brexit wurden dort die Importe vorgezogen. Auch in den Iran ergeben sich immer wieder gute Exportmöglichkeiten, wenn die USA mit dem Iran im Streit liegen.
Wie Huber erklärte, ist europäischen Ware am Weltmarkt konkurrenzfähig. Aufgrund des starken Euro fehlen im Vergleich zum Vorjahr rein währungsbedingt aber fast 30 €/t. An der Pariser Börse Matif sind die Kurse von Dezember bis Ende Februar gestiegen. „Jede Meldung führt zu einer Reaktion und starken Ausschlägen.“ Für Huber ein Indiz dafür, dass sich viele Spekulanten an den Warenterminbörsen bewegen.

Mais: Vorräte schrumpfen

Die globalen Endbestände beim Mais sinken seit vier Jahren. Ohne China liegen nur noch 8 % im Lager. Der Staubsaugereffekt Chinas ist beim Mais noch stärker als beim Weizen. Das Reich der Mitte hält rund 68 % der weltweiten Lagerbestände. Die Maisproduktion stagniert in China seit 2015. Da China die Schweinebestände wieder deutlich nach oben gefahren hat, wird der Verbrauch steigen und die Importe werden zunehmen. „Die Spreizung wird hochgehen“, erklärte der Marktexperte.
Das zeigt sich auch an den steigenden Maiskursen in den vergangenen Monaten. „Da ist richtig Schwung drin“, meinte Huber. Wie sich die Getreidemärkte in den nächsten Monaten entwickeln, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Das Wetterphänomen La Nina hat in Nordamerika in der zweiten Februarhälfte zu einer Kältewelle geführt. Inwieweit die Winterungen Schaden genommen haben, steht noch nicht genau fest. Auf der anderen Seite wird Argentinien wohl keine hohe Ausfuhrsteuer erheben, so dass dort mit hohen Exportzahlen gerechnet werden kann.