Lebenmitteleinzelhandel

Butterpreis: Demonstration der Marktmacht

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Hans-Jürgen Seufferlein, VMB
am Freitag, 15.01.2021 - 10:11

Der Lebensmitteleinzelhandel drückt den Butterpreis. Mit der Marktlage kann dies nicht begründet werden. Die Delle zu Jahresbeginn ist ausgeblieben, am Weltmarkt werden höhere Preise für Butter bezahlt.

Die zahlreichen Aktionen von Milchbauern Ende des Jahres vor Auslieferungslagern des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) waren vergebens: Ungeachtet der in bilateralen Gesprächen zwischen Erzeugern und Vertretern des Handels gemachten Zusagen, hat der LEH für die neue Kontraktperiode die Einkaufspreise für Deutsche Markenbutter, Eigenmarke des Handels, massiv um 56 ct/kg nach unten gedrückt.
Bei der Notierung an der Kemptener Butter- und Käsebörse wurden die Preise für abgepackte Butter im so genannten Preiseinstiegssegment der Eigenmarke vergangene Woche bei 3,24 bis 3,34 €/kg veröffentlicht. Für die Monate November/Dezember lag das Preisniveau noch bei rund 3,80 €/kg netto. Die Laufzeit des neuen Kontraktes hat Gültigkeit bis Ende Februar.
Es ist „nur“ der Butterkontrakt für die Eigenmarke, der bei kurzer Laufzeit von maximal bis zu drei Monaten relativ schnell wieder revidiert werden kann. Aber Butter ist ein Leitprodukt für die Verwertung von Fett, auch bei anderen Produkten wie Käse und Konsummilch. Und Butter ist ein beliebter Lockvogel im Bereich der Molkereiprodukte (Mopro): Auch diese Woche wurden bundesweit wieder Eigenmarken für 1 € oder Molkereimarken für 1,25 € pro 250 g angeboten.

Schlag ins Gesicht

Es war aber vor allem ein weiterer Schlag ins Gesicht der Milchbauern angesichts der sowieso schon extrem angespannten wirtschaftlichen Situation auf den Betrieben. Kurz vor den Feiertagen machte das Gerücht über das Vorhaben von Aldi die Runde, die neuen Butterkontrakte ab Januar 2021 etwa 50 ct niedriger anzusetzen als das bisherige Niveau.
Die Reaktion von zu Recht empörten Milchbauern ließ nicht lange auf sich warten: Zustellen von Zufahrten zu Zentrallagern, Proteste vor den Verkaufsläden bis zur grenzwertigen Platzierung eines Misthaufens vor einer norddeutschen Aldi-Filiale: Es wurden fast alle Grenzen des Protestes ausgereizt. Und die Landwirte wurden von Verantwortlichen des LEH zu scheinbar konstruktiven Gesprächen gebeten, es wurde vermeintlich eingelenkt. Mit diesen perspektivischen Zusicherungen im Gepäck wurden die Aktionen abgebrochen. Ein Auftritt in der ARD-Tagesschau zur besten Sendezeit am 29. Dezember schien die Aktionen von Erfolg zu krönen. Es bestand die berechtigte Hoffnung, dass beim Butterkontrakt zumindest eine nur moderate und marktgerechtere Preisanpassung kommen würde.

Keine schlechte Marktlage

Denn auch die Situation am Milchmarkt liefert nur wenige Argumente für das drastische Vorgehen des Handels: Dass der LEH selbst vom Lockdown durch erhöhten privaten Verbrauch besonders profitiert, ist hinlänglich bekannt. Aber auch die Gesamtsicht des Milchmarktes, trotz der bekannten Einschränkungen im Absatz, lässt durchaus das Prädikat „relativ robust“ zu.
Die um die Jahreswende übliche Konsum- und Absatzdelle ist aufgrund der bekannten Einschränkungen ausgeblieben. Die nationale Anlieferung liegt derzeit etwa 1 % unter Vorjahr, die Preise am Spotmarkt als kurzfristige Indikatoren waren für die Jahreszeit erstaunlich stabil. Ganz besonders gilt dies für die Fettseite, wo für die Fetteinheit etwa 3,8 ct notiert waren und aktuell der Trend sogar Richtung 4 ct tendiert. Nur der Markt für Blockbutter, an dessen Niveau sich der LEH jetzt bei der Preisfestsetzung für abgepackte Butter orientiert hat, hat seit längerem zu wenige Impulse.
Die steigenden Ölpreise stärken die Kaufkraft potenzieller Importländer. Nicht abschätzbar sind sicherlich die Folgen der jüngsten Vereinbarungen zum Brexit; auch der im Vergleich zum Dollar starke Euro ist für den Export nicht hilfreich. Und wie zur Bestätigung dieser Markteinschätzung hat sich bei der ersten Auktion des Jahres beim Global Dairy Trade in Neuseeland beim Durchschnittpreis über alle Produkte erneut ein Plus ergeben: Diesmal von 3,9 %, bei Butter sogar von 7,2 %.
Die Milchbauern werden jetzt wohl diesen Abschluss akzeptieren müssen, können aber heute bereits berechtigt darauf hoffen, dass es beim kommenden Kontrakt bereits wieder in die andere Richtung geht – falls Markt und nicht pure Macht eine Rolle spielen.
Aber auch die Verbraucher werden vom Handel geschröpft, denn im Regal wurden die Butterpreise nur moderat angepasst. Dass sich sowohl nach dem Kontraktabschluss der berechtigte Zorn der Milchbauern vor allem gegen Branchenprimus Aldi richtet, verwundert etwas. Aldi hat in Stellungnahmen verlautbaren lassen, dass die maximale Preisrücknahme von 56 ct/kg nicht für ihre Firmengruppe zutreffen würde. Das Oligopol des LEH besteht bekanntlich aus vier maßgebenden Akteuren. Und der Vollständigkeit halber darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass eine Genossenschaft im Norden (übrigens nicht das oft gescholtene DMK) und eine private Molkerei im Osten ebenfalls ihre Mitverantwortung am Ergebnis haben.

Preiskampf im Regal

Beim prüfenden Blick ins Kühlregal, wie sich wohl der Endverbraucherpreis (EVP) nach diesem sehr negativen Kontraktabschluss entwickeln würde, konnten bis Redaktionsschluss weitere Macht- und Ränkespiele beobachtet werden. Denn beim EVP schien sich anfangs gar nichts zu ändern. Bereits in der zweiten Januarwoche hatten Aldi und einzelne Wettbewerber den EVP nach der Mehrwertsteuerreduzierung wieder angepasst: Die Butter hatte wieder ihren „alten“ Preis von 1,39 €/250 g. Lidl und Edeka verkauften den Ziegel allerdings weiter für 1,35 €, Rewe sogar nur für 1,34 €. Begründet wurde dies damit, man gehe beim reduzierten Mehrwertsteuersatz freiwillig und auf eigene Kosten in die Verlängerung.
Da eine erste Preisanpassung in den Regalen erfolgte, nämlich bei den Mischfetten, von 1,39 auf 1,29 €/250 g, war davon auszugehen, dass der EVP für Butter in den kommenden Monaten auf diesem Niveau verbleiben würde. Weit gefehlt: Am Montag dieser Woche hatten auch Rewe und Edeka ihre Butterpreise wieder nach oben (!) angepasst, verlangten ebenfalls wie Aldi, Norma und Co. 1,39 €/250 g.
Lidl verkaufte seine Butter aber weiterhin für nur 1,35 €/250 g. Und dann kam am Montagnachmittag, die Retourkutsche von Aldi: Reduzierung des EVP auf 1,34 €. Norma zog am Dienstag nach – und die anderen, wohl auch Lidl, werden folgen, somit den Butterpreis zwar um 20 ct/kg absenken: Eine fette Gewinnmarge bleibt immer noch.
Ernüchterndes Fazit: Dass die Marktkräfte in der Wertschöpfungskette Milch höchst ungleichmäßig verteilt sind, ist nichts Neues. Der politische Wille, dies zugunsten der 2 % Landwirte zu verbessern, war bisher mit halbherzig noch milde umschrieben. Der LEH zeigte sich zwar gesprächsbereit, aber es waren bisher mehr Lippenbekenntnisse als Verbindlichkeit: Kräht der Ha(h)n- del auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder bleibt wie es ist! In der Wertschöpfungskette Milch wird sich ohne politische Hilfe nichts zugunsten der Landwirte ändern!