Malz

Braugerste: Wenig bayerische Ware für Brauereien

Auszeichnung
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Freitag, 29.11.2019 - 09:33

Die auf dem bayerischen Braugerstentag vorgestellten Zahlen der diesjährigen Ernte sind ernüchternd.

Bayerische Braugerste ist heuer Mangelware. Bei der Sommergerste gingen nicht nur die Erträge zurück, auch die braufähige Ware fiel in diesem Jahr äußerst gering aus. Das wurde auf dem 21. Bayerischen Braugerstentag im Augustiner Keller vergangene Woche in München deutlich.

Mit 101.000 ha blieb die Anbaufläche im Freistaat im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Spitzenreiter in den Regionen ist nach wie vor Oberfranken mit rund 30.000 ha. Rund 26 % der deutschen Produktion stammt aus Bayern.

Wie Dr. Markus Herz von der LfL verdeutlichte, beginnt die Aussaat tendenziell immer früher (von einst Anfang April bis hin zu Mitte März). Dazu würden die Wachstumsphasen immer länger. An sich keine schlechten Voraussetzungen, doch der Klimawandel hat deutlich negative Einflüsse auf die Gerste. Hitze und Trockenheit haben heuer vor allem in Ostbayern zugeschlagen.

Ausländische Ernten drücken Inlandspreis

Mit 310.000 bis 330.000 t Qualitätsbraugerste ist die Ernte deutlich unter das Vorjahresniveau gesunken. Der Anteil braufähiger Ware liegt laut Herz unter 45 % – ein extrem niedriger Wert. Auf die Preise hat dies für die Erzeuger leider keinen positiven Einfluss. Die Braugerste bringt derzeit rund 180 €/t. Im Vorjahr lag der Preis bei rund 220 €/t. Der Grund dafür sind die relativ guten Ernten in anderen Ländern. Nachgefragt bei den Besuchern des Braugerstentags bekommt man die Antwort: „Die anderen haben viel gedroschen.“

Der LfL-Experte Herz stellte ein schönes Rechenbeispiel an. Mit der besten Braugerstensorte konnte man heuer mit 1 ha 3400 Träger Bier produzieren. Das sind stattliche 34.000 Liter, die einen Umsatz von gut 51.000 € erlösen (Anmerkung der Redaktion). Stellt man die Erlöse für die Braugerstenbauern von überschlagenen 1.200 bis 1.300 €/ha gegenüber, wird wieder einmal deutlich, dass der Kostenpunkt Rohstoff doch sehr gering ist.

Wie schwierig die Witterungsbedingungen waren, beschrieb Hermann Greif vom BBV. „Ein Riesenproblem“ hatte man in den höheren Lagen in Oberfranken. Hitze und fehlender Niederschlag sorgten „für schlechteste Sortierungen wie seit langer, langer Zeit nicht mehr“. Weniger Probleme hatte man – auch aufgrund der Trockenheit – mit dem Schädlingsbefall. Greif griff auch die „teils extremen Forderungen der Gesellschaft“ auf, die in einem „Bauern-Bashing“ ufern und Druck auf die Politik machen. Zur Braugerste meinte er, dass sie für viele Betriebe gut passe, in Kulap-Programme integrierbar, und auch in Wasserschutzgebieten eine Alternative sei.

Ohne chemischen Pflanzenschutz

Die Wirkstoffe des chemischen Pflanzenschutzes werden immer weniger. Das bekommen auch die Braugerstenanbauer immer mehr zu spüren. „Wir sind gerade dabei, unsere Wirkstoffvielfalt immer weiter einzuschränken“, erklärte Prof. Enno Bahrs von der Uni Hohenheim in München.

Bahrs rechnet nicht nur mit steigenden Produktionskosten: „Wir bauen uns gerade eine Resistenzfalle auf.“ Der gesellschaftliche Druck, der sich im politischen, manche würden sagen Aktionismus zeigt, und Verbote hervorbringt, ist laut Bahrs „kein deutsches Novum“, sondern ein mittel- und westeuropäisches Phänomen, das einen Spaltkeil zwischen Bio und konventioneller Landwirtschaft treibt.

Doch wie kommt man aus diesem Schlamassel wieder heraus? An der Uni Hohenheim forscht man gerade an einem speziellen Weg: der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, aber mit Einsatz von Mineraldüngern. Ein Mittelweg zwischen konventionell und Bio. Beim Braugerstentag ließ Bahrs die Besucher abstimmen, ob dieser Weg Vermarktungschancen mit höheren Preisen habe. Mehr als die Hälfte glaubten das. Ob und wann dieser „dritte Weg“ umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. In Hohenheim wird dafür schon kräftig geforscht. „Wir arbeiten mit Technologien, die noch gar nicht am Markt sind“, so Bahrs. Dazu gehörten auch neue Methodiken bei der Aussaat: „Gleichmäßige Bestände haben eine viel bessere Durchlüftung.“

Bahrs gab aber auch zu bedenken, dass die Erträge und Qualitäten auf dem „dritten Weg“ stimmen müssen, und „eine angemessene Vermarktung“ möglich sein muss.

Allgemein zur Pflanzenschutzdebatte meinte der Uni-Professor: „Wenn wir die Erträgen runterfahren, müssen sie woanders hochgefahren werden.“ Und dies hätte sicher stärkere ökologische Folgen als bei uns in Mitteleuropa. Oder laut Bahrs anders ausgedrückt: „Der Naturwissenschaftler in mir sagt, das ist nicht logisch, was wir machen. Der Ökonom in mir sagt, wenn Menschen etwas wollen, dann soll man sie bedienen.“