Ernte 2019

Braugerste - haarscharf an Rohstoffkrise vorbei

Braugerste
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Wolfgang Piller
am Donnerstag, 18.07.2019 - 13:42

Dass es knapp würde, war zu vermuten, lediglich wie knapp, das war die offene Frage.

Schon die Ernte 2017 hatte keine Vorräte übrig gelassen, dann kam das verheerende Trockenjahr 2018. Es hatte insbesondere die Sommergerste getroffen. Denn während bei anderen Getreidearten der Pool aus der ganzen Welt gefüllt wird, gilt das für den Bierrohstoff keineswegs. Hier geht es um West- und Nordeuropa, z. T. um Osteuropa und um begrenzte Mengen aus Übersee, z. B. aus Argentinien. Und gerade Skandinavien war 2018 als Lieferant fast komplett ausgefallen. Auch Osteuropa hatte 2017 und 2018 enttäuscht in Sachen Braugerste.

Diese Situation war am Markt zu spüren. Es gab eine Prämie auf den Futtergerstenpreis, die einen gezielten Braugerstenanbau durchaus rechtfertigte. Schon im Herbst 2018 gab es auch Marktinteresse an Braugerste aus der Ernte 2019, also an Braugerste, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesät war. Das setzte sich in Vorvertragspreisen fort, die für viele Anbauer interessant waren. Es wurden sicherlich mehr Verträge abgeschlossen als in den Vorjahren. Daran zeigt sich übrigens auch, dass Landwirte für Braugerste zu interessieren sind, wenn sie rechtzeitig entsprechende Offerten erhalten.

Im Nachhinein muss man allerdings auch sagen: Die Marktpartner der Erzeuger haben es offenbar geschickt verstanden, das tatsächliche Ausmaß der Knappheit zu verbergen. Denn nach dem ersten Preisanstieg infolge der schwachen Ernte tat sich nur mehr wenig. Zu wenig. Und auch Folgendes gilt: Die Braugerstenprämie war ja alleine der verknappten Rohstoffsituation geschuldet – und keineswegs den Anbaurisiken für das Qualitätsprodukt. Diese gibt es in jedem Jahr von Neuem und sie liegen seit Jahren allein auf Seiten der Erzeuger. Die Situation in der Wertschöpfungskette hat sich nicht verändert.