Lebensmitteleinzelhandel

BBV schockiert über Aldi-Ankündigung

Aldi
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 28.06.2021 - 09:35

Aldi plant eine schrittweise Umstellung im Fleischangebot. Bis 2025 soll die Haltungsform 1 aus den Regalen verschwinden. Die Erzeugerhonorierung ist bislang ungeklärt.

Die Umstellung soll für die Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute erfolgen. Ausgenommen sind internationale Spezialitäten und Tiefkühlartikel. Damit, so erklärt das Unternehmen, will Aldi als erster großer Lebensmittelhändler Frischfleisch aus Außenklima- und Bio-Haltung (Haltungsformen 3 & 4) für alle seine Kunden zu einer Selbstverständlichkeit machen.

Der konkrete Plan sieht vor:

  • Schon in diesem Jahr sollen 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen.
  • Bis 2025 soll ein vollständiger Verzicht auf Haltungsform 1 erfolgen.
  • Bis 2026 sollen 33 Prozent aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen.
  • Bis 2030 stellt ALDI bei diesen Tierarten vollständig auf Frischfleisch der Haltungsformen 3 und 4 um.

Die Vorgaben für die Haltungsform 3 und 4 beziehen sich auf den Umsatz (Durchschnitt AIdi Nord und Aldi Süd) in Deutschland.

Honorierung vollkommen offen

Heidl-Landesversammlung2020

„Ich bin schockiert, wenn Aldi als Erfinder des Discounts, in die Offensive geht und maximale Steigerung bei den Tierwohlstandards verkündet und ab 2030 im Prinzip nur noch Außenklimahaltung möglich sein soll. Und das, obwohl wir zum Beispiel mit Aldi im Moment bei der Entwicklung von Konzepten bei der Steigerung des Tierwohls um jeden Zehntel Cent streiten müssen", sagte BBV-Präsident Walter Heidl zu der Ankündigung. Es brauche Verlässlichkeit und ein Konzept, das auch die Frage nach der Honorierung für die Landwirte beantworte. In der Aldi-Ankündigung sei davon überhaupt nichts zu lesen. Genauso wenig wie von der Umsetzbarkeit und den Problemen im Baurecht oder beim Emissionsschutz. Gerade für Außenklimaställe gebe es hier massive Hindernisse. "Wenn Aldi dann auch noch vom ‚bestmöglichen Preis‘ spricht, habe ich den Eindruck: Da geht es nur um die eigene Gewinnspanne", so Heidl.

Kommt Fleisch bald aus Südamerika?

"Das ist das, was uns Bauern, was uns Tierhalter ärgert. Ständig werden die Anforderungen nach oben geschraubt und die Antwort, wie das bezahlt werden soll, bleibt offen. Das ist zu wenig", kritisiert Heidl. Es brauche klare Konzepte. Es brauche Verlässlichkeit. Und vor allem: Es brauche ein tragfähiges Konzept für die Weiterentwicklung der Tierhaltung. Dazu seien die Bauern bereit, aber die Konzepte müssten stimmen.

"Und wenn mit Aldi jemand vorausprescht, der als Erfinder der Discount-Philosophie gilt und bei der Erarbeitung von tragfähigen Konzepten häufig auf der Bremse steht, dann habe ich dafür keinerlei Verständnis", sagt der Bauernverbandspräsident.

Die Einschränkung von Aldi, dass internationale Ware von dem Bestreben ausgeklammert sein soll, stellt für Heidl die Glaubwürdigkeit des Unternehmens in Frage: "Bekommen wir unser Rindfleisch dann zukünftig aus Südamerika und das war's? Dagegen wehre ich mich als Bauer und Tierhalter!“