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Getreideernte Bayern

BBV-Erntefahrt: Unterdurchschnittliche Ernte 2022

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 07.07.2022 - 14:36

Die guten Getreidebestände in Südbayern können geringere Getreideerträge in Nordbayern nicht ausgleichen.

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Der Bayerische Bauernverband (BBV) rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte in Bayern von voraussichtlich 7,34 Mio. t, einschließlich Körnermais und CCM. Sie ist damit etwas höher als im Vorjahr geschätzt, bleibt aber deutlich hinter den Ernteergebnissen von 2019 und 2020 zurück. Die relativ guten Bestände auf den Feldern in Südbayern gleichen die trockenheitsbedingt geringeren Getreideerträge in Nordbayern nicht aus, nennt der BBV als Begründung.

Bayerns Landwirtinnen und Landwirte erzeugen trotz der schwierigen Lage nach wie vor etwas mehr Getreide als in Bayern verbraucht wird. "Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich also keine Sorgen machen – Rohstoffe für Brezn und Weißbier sind nicht in Gefahr". beruhigt BBV-Vizepräsident Günther Felßner.

Angespannte Situation am Weltmarkt

Die Situation auf dem Weltmarkt hingegen bleibt laut Bauernverband angespannt. Zum einen sind die Aussichten auf die Ernte in ganz Europa schlecht. Zum anderen ist die Transportlogistik aus wichtigen Erzeugerländern wie der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskriegs nach wie vor nicht sicher.

Felßner appelliert an Brüssel, jetzt im Juli Entscheidungen für ein Aussetzen der geplanten Pflichtbrache und ein Aussetzen der Fruchtfolgeregelung zu treffen. Die Betriebe planten jetzt ihren Anbau für die Ernte 2023. "Sie brauchen jetzt Klarheit! Wir Landwirte wollen unserer moralischen Verantwortung nachkommen und wollen helfen", so der Vizepräsident.

Große Flexibilität in der Fruchtfolge haben die Landwirte von sich aus bereits im Frühjahr bei der Aussaat bewiesen: Statt auf Mais setzten viele Landwirte auf Kulturen, die mit weniger Dünger auskommen, wie Soja und Braugerste. Sorge bereiten dem Bayerischen Bauernverband die enormen Preisanstiege in der gesamten Lieferkette. Schwierig wird es, wenn sich einer mehr einsteckt als der andere. DEr BBV-Viezpräsident appellierte an den Lebensmitteleinzelhandel, fair gegenüber Bäuerinnen und Bauern zu agieren.

10.000 ha mehr Sojabohnen

Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber gab auch einen Überblick über die Anbauflächen der einzelnen Ackerkulturen. So sei die Getreideanbaufläche im Vergleich zum Vorjahr mit etwa einer Millionen Hektar gleichgeblieben. Darauf wurde auf etwa 444.000 Hektar Winterweizen angebaut, die wichtigste Brotgetreideart.

Kaniber freut es, dass auch in diesem Jahr wieder deutlich mehr Eiweißpflanzen angebaut wurden. Vor allem von der Sojabohne habenBayerns Landwirtinnen und Landwirte 10.000 Hektar mehr angebaut. So ist die Fläche auf nun 30.300 Hektar gewachsen. "Das stärkt unsere erfolgreiche Bayerische Eiweißinitiative noch einmal deutlich. Unsere Bäuerinnen und Bauern machen sich damit un-abhängiger von Soja-Importen aus Übersee“, so die Ministerin.

500.000 ha extensiv bewirtschaftet

So hob Kaniber noch eine positive Entwicklung hervor: Fast die Hälfte der Wiesen und Weiden in Bayern – etwa 500.000 Hektar – werde mittlerweile extensiv bewirtschaftet: Das bedeutet, dass Landwirte keine mineralischen Dünger oder Pflanzenschutzmittel einsetzen. Zudem passen sie Schnittzeitpunkt und -häufigkeit an, um die Artenvielfalt auf den Flächen zu erhalten und zu erhöhen.