Bioanbau

Bayerns Ökolandbau wächst verhaltener

Bayern
Agra-Europe
am Montag, 17.02.2020 - 14:35

Im Jahr 2019 weniger Umstellungen als in den Jahren zuvor. BBV sieht Gemeinschaftsverpflegung als Absatzmarkt.

München - Auch im vergangenen Jahr hat der ökologische Landbau in Bayern weiter zugelegt. Wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Vorfeld der Biofach in Nürnberg mitteilte, sind 2019 bayernweit
gut 650 Betriebe neu in den Ökolandbau eingestiegen; gegenüber dem vorangegangenen Jahr ist das ein Zuwachs von 6,5 %. Damit arbeiteten im Freistaat rund 10 600 Betriebe nach ökologischen Kriterien.

Mit der Anzahl der Biobetriebe ist im vergangenen Jahr auch die von ihnen bewirtschaftete Fläche größer geworden; sie wurde von den Biolandwirten um rund 15 000 ha beziehungsweise 4,2 % auf gut 366 000 ha ausgedehnt. Der Anteil des Ökoareals an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern beträgt inzwischen mehr als 11 %.
Laut Kaniber war die Umstellung auf den Ökolandbau allerdings verhaltener als in den Jahren zuvor. Den Grund dafür sieht die Ministerin in Absatzproblemen, mit denen insbesondere Neueinsteiger im Biosektor konfrontiert seien.

Hier sieht die Ressortchefin ihre Entscheidung bestätigt, mit dem Landesprogramm „BioRegio 2030“ jetzt vor allem den Schwerpunkt auf den Ausbau des Marktes für heimische Ökoprodukte zu setzen. Ziel sei es, dass in zehn Jahren 30 % der landwirtschaftlichen Fläche im Freistaat ökologisch bewirtschaftet würden. Um den Absatz heimischer Ökoerzeugnisse zu verstärken, soll unter anderem das erfolgreiche bayerische Biosiegel noch stärker am Markt positioniert und der Einsatz von regionalen und ökologischen Produkten in den staatlichen Kantinen auf 50 % gesteigert werden.

„Mehr Bio in Bayern ist ein Gemeinschaftswerk. Wir Bäuerinnen und Bauern stehen bereit, wenn Verarbeiter, Verbraucher, Handel und Politik mitziehen“, erklärte Biobäuerin Katrin Zoglauer, die dem BBV-Ökoausschuss
angehört. Ansatzpunkte, um den Absatz von Bioprodukten aus Bayern zu steigern, sieht der BBV unter anderem in der Gemeinschaftsverpflegung.

Die agrarpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag, Gisela Sengl, kritisierte indes, dass die fünfgliedrige Fruchtfolge im Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) für konventionelle Betriebe ausgeglichen werde, Biobetriebe aber leer ausgingen. Um den Marktanteil von Ökoprodukten von 30 % zu erreichen, müsse die Landesregierung selbst als Abnehmerin aktiv werden. Auch Sengl brachte den Bereich der Gemeinschaftsverpflegung ins Spiel. Es bringe nichts, wenn die staatlichen Kantinen künftig 50 % Bio- „oder“ regionale Lebensmittel anböten. Nur Bio „und“ regional sichere die heimische Landwirtschaft und
die Artenvielfalt.