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Agrarmärkte

Bauern sind nicht die Preistreiber

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Mittwoch, 06.04.2022 - 14:12

BBV-Kreisobmann Georg Sachsenhauser wehrt sich gegen die Darstellung des Lebensmitteleinzelhandels, dass die Preisforderungen der Bauern die Lebensmittel verteuern würden. Im Gegenteil: Die steigenden Kosten werden nur zu einem Bruchteil weitergegeben.

Fleischpreis

Wegen teuerer Dünge- und Futtermittelpreise: Aldi erhöht erneut die Preise. So stand es auch auf der Homepage des Wochenblattes.

Solche Aussagen bringen Georg Sachsenhauser, den BBV-Kreisobmann im Landkreis Landshut auf die Palme: „Die sollen endlich aufhören, der Landwirtschaft den schwarzen Peter zuzuschieben.“ Das sehe jetzt schon wieder so aus, als würden sich die Bauern die Taschen vollstopfen, was eben absolut nicht stimme.

Preise für Erzeuger und Verbraucher klaffen auseinander

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Und er belegt seine Aussagen mit einer einfachen Rechnung: 2020 lag der Erzeugerpreis für Schlachtschweine bei 2,03 € je Kilogramm Schlachtgewicht. Heute liegt er bei 1,95 €. Der Preis im Laden ist im gleichen Zeitraum um 50 Ct je Kilogramm gestiegen. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass der Schlachtschweinepreis bedingt durch Corona und die Afrikanische Schweinepest lange Zeit bei 1,20 € je kg Schlachtgewicht lag.

Natürlich stellt auch Sachsenhauser nicht in Abrede, dass die Energiepreise für die Betriebe gestiegen sind und dass auch das Futter für Betriebe, die zukaufen müssen, teurer geworden ist. „Wir bräuchten 2,35 €/kg Schlachtgewicht, um kostendeckend wirtschaften zu können“, so Sachsenhauser. Wenn man weitermache wie bisher, dann fürchtet er, dass sich der Strukturwandel in der Schweinehaltung weiter beschleunige.

Putenhalter unter Kostendruck

Auch die Forderungen der Politik in Richtung Tierwohl haben laut Sachsenhauser ihre Kehrseite. Die größere Fläche bei Offenställen kostet nach seiner Ansicht Energie und die Emissionen würden steigen. Die Einstreu erhöhe den Arbeitsbedarf enorm und auch das Risiko in der Stallhygiene steige. „Je mehr Vorschriften wir bekommen und je weniger wir frei wirtschaften können, umso schlechter wird es“, ist Sachsenhauser überzeugt.

Nur ein Euro mehr im Monat für Brot

Aber zurück zum Lebensmitteleinzelhandel und deren Begründung für die Preisanhebungen. Ähnlich wie beim Fleisch ist die Situation beim Brot. „Der Anteil der Mehlkosten an einer Semmel lag 2020 bei 0,7 Cent. Selbst wenn ich den doppelten Mehlpreis annehme, dann sind es heute 1,40 Cent“, rechnet Sachsenhauser vor. Selbst wenn jemand jeden Tag 5 Semmeln essen würde, dann würden die Mehrkosten fürs Mehl im Monat nur etwas mehr als einen Euro ausmachen.

Bestätigt werden Sachsenhausers Sichtweisen auch von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Nach deren Angaben hat sich der Preis für Gas die letzten zwei Jahre vervierfacht, die Stromkosten sind um zwei Drittel gestiegen, die Rohstoffe dagegen sind nur um ein Drittel teurer geworden.