Milchmarkt

Angebot schafft Nachfrage

Milch trinken
Wolfgang Piller Portrait 2019
Wolfgang Piller
am Donnerstag, 25.07.2019 - 10:37

Ein alter Streit in der Ökonomie: Folgt das Angebot einer Nachfrage oder erzeugt ein Angebot erst die Nachfrage?

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Keine Angst, wir müssen das Expertenrätsel an dieser Stelle nicht lösen, zumal der Blick in die Märke zeigt: Es kann wohl einmal so und einmal so sein. Im Milchmarkt gibt es nach meiner Meinung interessante Beispiele für beides.

Fall 1: Nach und nach hat sich bei vielen Käufern das Bedürfnis entwickelt, mit ihrem Einkauf nicht nur eigene Bedürfnisse zu befriedigen, sondern mit dem Einkauf mehr zu bewirken: Der Umwelt gutes tun, die Erzeuger einer Region unterstützen, bestimmte Produktionsbedingungen belohnen oder bestrafen. Beispiele gibt es gerade im Milchmarkt jede Menge: gentechnikfreie Milch, Heumilch, regionale Milch („Bergbauernmilch“), Biomilch.

Fall 2: Es gibt auch das Gegenteil, wo erst ein bestimmtes Angebot die Nachfrage danach erzeugt. Das passiert etwa dort, wo es ein Produzent schafft, eine Marke zu etablieren. Kein Käufer fragte nach „Berchtesgadener Milch“, bevor es sie gab. Dann gibt es sicherlich auch Fälle, wo sich kaum klären lässt, ob zuerst der Wunsch der Verbraucher vorhanden war oder das Angebot des Erzeugers. Ich glaube, dass die gentechnikfreie Milch so ein Beispiel ist.

Die Antwort auf die Eingangsfrage ist im Nachhinein ziemlich unerheblich. Viel wichtiger ist für die Milcherzeuger, dass ihre Abnehmer und Verarbeiter die richtige Strategie verfolgen und mit ihren Produkten den Geschmack der Verbraucher treffen. Das scheint den bayerischen Molkereien gut zu gelingen. Eines dürfte ihnen dabei sicher helfen: Hier im Süden gibt es eine Käuferschaft, die anspruchsvoll ist und zugleich kaufkräftig. Dass die heimischen Erzeugnisse zudem ein gutes und aufgrund der Tradition auch ein bekanntes Image aufweisen, stört auch nicht gerade. Also (mit einem Augenzwinkern): „A gmahde Wiesn“ für Bayerns Milch.