Tierseuche

Afrikanische Schweinepest: Kaniber befürchtet Marktstörungen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 10.09.2020 - 15:47

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest kann zum Exportstopp nach Asien führen. Das hätte schlimme Folgen für bayerische Schweinebauern.

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Deutschland gilt durch den ASP-Fall bei einem Wildschwein in Brandenburg ab sofort nicht mehr als ASP-Frei. Auf die Betriebe in Bayern hat das laut Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber unmittelbar keine Auswirkungen für das Verbringen ihrer Schweine in andere Betriebe oder zur Schlachtung. Von tierseuchenrechtlichen Maßnahmen ist Bayern derzeit nicht betroffen.

Massive Marktstörungen kann die Ministerin aber nicht auszuschließen, da wichtige Märkte beispielsweise in Asien wegbrechen könnten. Das erwartet auch die Fleischwirtschaft. „Hier ist der Bund in der Pflicht, sich bei der EU für entsprechende Marktentlastungsmaßnahmen einzusetzen“, sagte Kaniber.
 

An Statusuntersuchung teilnehmen

Bayerische Landwirtschaftsministerin

Kaniber appelliert wie Umweltminister Glauber an alle bayerischen Schweinehalter, die Hygiene-Sicherheitsmaßnahmen auf ihren Betrieben nochmals zu überprüfen und weiterhin strikt einzuhalten. Eine Übertragung in die Hausschweinebestände müsse unbedingt verhindert werden, sagte Kaniber.

Ferner rät sie den Betrieben dringend zu einer Teilnahme an der Status-Untersuchung zur ASP, um gegebenenfalls ihre ASP-Freiheit nachweisen zu können. Um den Betrieben den Einstieg in das Verfahren zu erleichtern, wurden dafür bereits im Vorfeld 200.000 Euro zur Verfügung gestellt.
 

71 Prozent mehr Wildschweine erlegt

Bayern sei aber für einen ASP-Ausbruch gut gerüstet. Entsprechende Präventionsmaßnahmen wurden frühzeitig eingeleitet durch das für die Tierseuchenbekämpfung zuständige bayerische Umweltministerium und durch das Landwirtschaftsministerium.

„Mit einer Rekordstrecke von über 112.000 erlegten Wildschweinen im Jagdjahr 2019/2020 wurden so viele Wildschweine wie nie zuvor erlegt“, sagte Kaniber. Das sei eine Steigerung von 71 Prozent gegenüber der Strecke des Vorjahrs mit 65.457.

Aber nicht nur die Jägerschaft und die Landwirte tragen Kaniber zufolge Verantwortung bei der Seuchenprävention. Auch jeder Reisende könne dazu beitragen. Über Nahrungsmittel kann die Seuche über hunderte Kilometer mitreisen. „Um ein Einschleppen der Tierseuche zu vermeiden, sollte man auf das Mitbringen von Fleisch, Fleischerzeugnissen verzichten“, sagte Kaniber.

Fleischwirtschaft erwartet Exportstopp

Schwere Marktstörungen erwartet auch die Fleischwirtschaft. Das infizierte Wildschwein hat laut Verband der Fleischwirtschaft (VDF) direkte Auswirkungen auf den Export in Drittländer. Es ist davon auszugehen, dass kurzfristig die Drittlandslieferungen aus Deutschland in Märkte wie China, Japan und Korea vollständig zum Erliegen kommen.

Insbesondere Produkte, die hierzulande so gut wie nicht nachgefragt werden, sind von einem Exportstopp betroffen. Dazu zählen wie Pfoten, Ohren, Schwänzchen und Knochen. Diese Teilstücke werden in vielen Absatzmärkten als Delikatessen angesehen und ihre Vermarktung trägt zu einer nachhaltigen Nutzung und Wertschöpfung in der Fleischproduktion bei.

Durch den Exportstopp können diese meist nicht mehr als Lebensmittel vermarktet werden. Infolge dessen ist mit einer starken Beeinflussung der Absatzströme des Schweinefleischmarktes zu rechnen.

Der VDF sieht es daher als unabdingbar an, dass Bund und Länder neben einer effizienten Seuchenbekämpfung schnellstmöglich Vereinbarungen mit Drittländern zur Wiederaufnahme des Handels mit Schweinefleisch treffen, damit aus den übrigen Regionen in Deutschland weiterhin Schweinefleisch exportiert werden kann.