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Vegane Produkte

Der Absturz von Oatly und Beyond Meat - Vegane Ersatzprodukte am Ende?

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Olaf Zinke
am Montag, 26.09.2022 - 10:49

Für die einstigen Superstars der veganen Nahrungsmittel sieht es im Moment schlecht aus. Zumindest wenn man die Zukunft der Unternehmen am Börsenwert bemisst. Seit Monaten geht es für den Hafermilchproduzenten Qatly und für den Kunstfleischhersteller Beyond Meat mit den Kursen steil nach unten.

Oatly verlor seit dem vorigen Herbst 80 % seines Börsenwerts. Beyond Meat stürzte um 85 % nach unten. Offenbar glauben Investoren angesichts der gewaltigen globalen Energiekrise und den daraus entstehenden Folgen für das Verbraucherverhalten, nicht mehr an das noch vor Jahren beschworene riesige Marktpotential.

Oatly und Beyond Meat haben das gleiche Problem wie andere Unternehmen die pflanzliche Ersatzprodukt herstellen. Man konkurriert mit einem konventionellen Produkt und verspricht einen überdurchschnittlich wachsenden Markt und weit überlegene Margen. Bisher waren die Hersteller von pflanzlichen Ersatzprodukten allerdings kein besonders profitables Geschäft, sagen Analysten - sondern eher eine Investition in die Zukunft. Danach sieht es im Moment aber überhaupt nicht mehr aus. Im Vergleich zu den konventionellen Produkten sind die pflanzlichen Ersatzprodukte noch immer teuer, und dieser Preisunterschied scheint gerade jetzt zum Problem zu werden. Die Inflation ist auf Rekordniveau und in vielen Haushalten ist das Geld knapp.

Die weiter steigende Inflation belastet die Kaufkraft der Verbraucher, indem sie die Reallohnzuwächse schrumpfen lässt. Das zwingt die Verbraucher dazu - insbesondere solche mit niedrigem und mittlerem Einkommen -, ihre Ausgaben deutlich zu reduzieren. Und jede weitere geldpolitische Straffung durch die Zentralbanken reduziert die Ausgaben der Verbraucher weiter, sagt die Unternehmensberatung Deloitte in einer Analyse.

Oatly kann seine Versprechen nicht einlösen

Die Aktien der Oatly Group fielen zuletzt unter 3,0 US-Dollar und haben damit seit dem vorigen Herbst rund 80 % an Wert verloren. Das größte Problem von Oatly war früher, dass es nicht mit der Nachfrage nach seinem Milchersatz Schritt halten konnte. Das Unternehmen legte ehrgeizige Expansionspläne vor, als es letztes Jahr an die Börse ging, und erhöhte später diese Ausgabenziele.

Nun, wo die Inflation massiven Druck auf die Verbraucher ausübt, beginnt Oatly, diese Auswirkungen zu spüren. Das Unternehmen senkte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr und reduzierte auch seine Investitionspläne drastisch. Doch auch der letzte Ausblick von Oatly geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in Europa nicht weiter verschlechtern wird und dass sich die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine nicht ändern. Doch danach sieht es wirklich nicht aus.

Oatly erzielte im zweiten Quartal rund 46 % seines Umsatzes in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten an europäischen Märkten vertreten, aber in neueren Märkten hat seine Marke noch nicht viel Gewicht, sagen Analysten. Es gibt zu viele direkte Konkurrenten sowie eine Reihe anderer milchfreier Alternativen. Es ist auch eine Kategorie, die sich gut für Eigenmarken eignet.Das Unternehmen geht zwei Wetten ein, sagen die Analysten von Motley Fool: Erstens, dass der Markt für Hafermilch auf lange Sicht weiter wachsen wird; und zweitens, dass es irgendwie in der Lage sein wird, alle seine Konkurrenten zu übertreffen. Viele Analysten sind bei beiden Wetten sehr skeptisch.

Beyond Meat hat viele Probleme - und McDonald winkt ab

Die Aktien von Beyond Meat fielen zuletzt unter 16 US-Dollar, und haben damit seit dem vorigen Herbst rund 85 % an Wert verloren, was die Aktie auf den niedrigsten Stand seit ihrem Börsengang Mitte 2019 brachte. Beyond Meat senkte seinen Umsatzausblick für das Gesamtjahr und sagte, dass die Käufer billigere tierische Proteine inmitten der höchsten Inflation seit vier Jahrzehnten bevorzugen. In einem Telefonat mit Analysten räumte Unternehmens-Chef Ethan Brown ein, dass sich das Kaufverhalten der Verbraucher von pflanzlichem Fleisch, das mit einem beträchtlichen Aufschlag verkauft wird, verändert habe.

Das aktuelle inflationäre Umfeld ist jedoch nicht der einzige Faktor für den Niedergang. Das Unternehmen steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen, um am Markt zu bleiben. Die größte ist der Kampf, neue Produkte auf den Markt zu bringen, die über seine Flaggschiff-Burger und Würstchen hinausgehen. So gibt es klare Anzeichen dafür, dass amerikanische Verbraucher nicht im großen Stil von pflanzlichen Fleischoptionen angezogen werden, ein schwerer Schlag für die Prognose des Unternehmens.

So entschied sich McDonald‘s zuletzt, nicht mit einer breiteren Einführung von Beyond Meat-Produkten fortzufahren, nachdem es seinen US-Test eines Burgers aus pflanzlichem Fleisch mit einer negativen Einschätzung abgeschlossen hatte. Die Verkäufe für den McDonald‘s-Test waren Analysten-Einschätzung „enttäuschend“.