Waldbau

Zunächst einmal den Wald erhalten

Borkenkäfer
Hans Ludwig Körner, Bayerischer Waldbesitzerverband
am Mittwoch, 29.05.2019 - 09:16

Der Grundsatz der bayerischen Forstpolitik „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“ hat sich bewährt.

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Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Aus Angst, Vorsicht oder auch Schutz werden in Hinblick auf ein kommendes Gesetz, das im Titel Versöhnungsgesetz führt, im ganzen Land Obstbäume gefällt. Die Betroffenen befürchten, dass man ihnen vorschreibt, wie sie ihre Obstbäume beziehungsweise Streuobstwiesen zu pflegen und zu erhalten haben. Dabei sind diese Streuobstwiesen doch sichtbarster Ausdruck von Kulturlandschaft, von durch Menschen geschaffene Lebensräume, von Selbstbestimmung des Eigentums durch den Eigentümer und damit von Freiheit.

Gesetzliche Auflagen sind hier mehr als fehl am Platz. Der Staat sollte an dieser Stelle sehr sorgsam agieren, um nicht das Vertrauen der Menschen zu verspielen, die Tag für Tag im ländlichen Raum mit der Natur arbeiten. Das Versöhnungsgesetz muss der Brückenschlag zu den Eigentümern werden.

Der Grundsatz der bayerischen Forstpolitik „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“ hat sich bewährt. Das gilt es weiter zu verfolgen und mit den Waldbesitzern gemeinsam umzusetzen.

Wir als Waldbesitzer beobachten diese Situation sehr aufmerksam. Wer es mit dem Artenschutz ernst meint, der muss zunächst den Wald erhalten. Die Waldbesitzer können das und haben es in einer Vielzahl von Studien – vor allem durch ihre tägliche Arbeit draußen in den Wäldern – bewiesen.

Aktuell haben wir genug Sorgen durch die Belastungen von Borkenkäfern, Schnee- und Windbruch sowie einem zusammengebrochenen Holzmarkt. Schnelle und unkonventionelle Hilfen sind angesagt. Der Wald der Waldbesitzer ist systemrelevant. Bei ähnlichen Institutionen haben wir eine solche unbürokratische und effektive Hilfe vor nicht allzu langer Zeit beobachten können. Das muss auch beim Wald möglich sein.