Forstkonzepte

Wertholz – Qualität zahlt sich aus

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Kai Sühlfleisch, Bayerische Waldbauernschule
am Donnerstag, 29.10.2020 - 15:29

Große Preisschwankungen treffen vor allem „Massensortimente“ wie Fichten- und Kiefernfixlängen. Wertholz wird dagegen auch in schwierigen Zeiten nicht verramscht. Doch was ist eigentlich Wertholz und wie kommt es an seine Käufer?

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Als Wertholz bezeichnet man im allgemeinen Holz von besonders schönem Wuchs. Die Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR) beschreibt es wie folgt: „Stammholz von ausgezeichneter Qualität. Es ist fehlerfrei oder weist nur unbedeutende Qualitätsmerkmale auf, die seine Verwendung kaum beeinträchtigen.“

Die häufigste Verwendung von Wertholz stellt das Furnier dar. Hierbei handelt es sich um 0,3 bis 6 mm dünne „Blätter“ aus Holz, die durch Sägen, Messerschnitt oder Schälen vom Stamm erzeugt werden. Zur Verwendung kommen diese Furniere dann entweder als Deckfurnier für eine edle Holzoptik, als Unter- oder Blindfurnier unter dem Deckfurnier zur Erhöhung der Formstabilität und zur Verhinderung von Rissen in der Oberfläche – oder als Absperrfurnier, welches die Mittellage eines Werkstoffs umgibt.

Eine weitere Verwendung für Wertholz ist das Sägeholz, welches beispielsweise zur Herstellung von Vollholzmöbeln verwendet wird. Fehlerfreie Eichen werden zusätzlich zum Bau von Weinfässern verwendet. Bei Fichte und Tanne spielt auch das sogenannte Stammwerkholz eine Rolle. Dieses kommt als Tonholz im Musikinstrumentenbau zum Einsatz.

Wertholzstämme müssen sehr gute Eigenschaften mitbringen. Neben Geradschaftigkeit und Astfreiheit ist die Dimension des Stammes ein wichtiges Merkmal – sie sollte über den üblichen Zieldurchmessern liegen. Kernhölzer wie Eiche, Lärche und Douglasie sollten über einen hohen Kernholzanteil verfügen und einen schmalen Splint besitzen. Auch der Jahrringaufbau spielt eine Rolle. Dieser muss vor allem gleichmäßig – sowohl in seiner Breite als auch in seiner Verteilung – sein.

Der Weg zum Meistgebotstermin

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Hat man einen wertvollen Stamm im eigenen Wald stehen und möchte ihn verkaufen, geschieht dies am besten über die Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) oder Waldbesitzervereinigungen (WBV). Die Forstzusammenschlüsse wissen, wo die nächstgelegenen Meistgebotstermine stattfinden. Unter Meistgebotsterminen versteht man Verkaufsveranstaltungen bei denen der Stamm an den Meistbietenden veräußert wird. Dies kann in Form einer Versteigerung (Auktion) oder über schriftliche Gebotsabgabe erfolgen. Der Verkauf über ein schriftliches Gebot wird als Submission bezeichnet und ist die am häufigsten angewendete Verkaufsform für Wertholz.

Und wie genau läuft eine Submission ab? Das soll am Beispiel einer mittelfränkischen FBG erklärt werden: Die FBG kündigt den Termin der Veranstaltung und den letztmöglichen Meldetermin der Hölzer in einem Rundschreiben an. Dieser Meldetermin liegt oft sechs bis acht Wochen vor dem Verkaufstermin.

Gemeldete Stämme müssen vor der Aufnahme durch den Förster (FBG) vom Waldbesitzer gefällt, entastet und gerückt werden. Dies soll verhindern, dass aufgenommene Stämme beim späteren Abfuhrtermin immer noch im Wald liegen. Der Stamm sollte bis zur Aufnahme noch möglichst lang gelassen werden, da die tatsächliche Wertholzlänge bei der Holzaufnahme festgelegt wird. Bei den Fäll- und Rückearbeiten muss unbedingt sorgfältig gearbeitet werden, um Beschädigungen zu vermeiden. Ungeübte Waldbesitzer sollten dies von forstlichen Unternehmern durchführen lassen.
Bei der anschließenden Holzaufnahme bekommt der Stamm eine Nummer, es wird entschieden wie lang er ausgehalten wird und der Mittendurchmesser wird ermittelt. Diese ersten Daten dienen lediglich als Planungsgrundlage für die Holzabfuhr. Zusätzlich wird der Stamm für den Fuhrmann deutlich markiert. Nach dem Transport zum Versteigerungs- oder Submissionsplatz werden die Stämme vor Ort sauber geschnitten (vorn und hinten) und werden endgültig vermessen und angeschrieben.

Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt?

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Danach erfolgt die Aufnahme der Daten in das sogenannte Submissionsverzeichnis. Hier bekommt jeder Stamm eine Platznummer, zudem werden verschiedene Daten festgehalten – im Einzelnen sind das: Baumart, Länge, Mittendurchmesser sowie das daraus resultierende Volumen. Außerdem werden der Waldbesitzer und die verkaufende FBG/WBV vermerkt (da sich häufig mehrere forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse und Gemeinden zusammenschließen und eine Submission durchführen). Im Anschluss wird das Submissionsverzeichnis veröffentlicht und an den Käuferkreis versandt.

Die Käufer haben anschließend drei Wochen Zeit, ein Gebot abzugeben. Am Abend der Gebotseröffnung wird dem Besitzer des Stammes das Ergebnis mitgeteilt – er hat bis zum nächsten Tag Zeit um zuzuschlagen oder abzulehnen. Nach erfolgtem Zuschlag stellt die FBG die Rechnung an den Käufer aus und versendet nach Zahlungseingang den Abfuhrschein. Dieser erhöhte Aufwand bedingt natürlich höhere Breitstellungkosten als es bei „normalem“ Holz üblich ist.

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Holz von sehr guter Qualität ist im sogenannten „frei Hand Verkauf“ (Holz sucht Käufer) häufig nicht so gewinnbringend zu veräußern wie auf speziellen Verkaufsterminen, die sich an spezielle Kunden richten. Diese haben dann den Vorteil, auch größere Mengen an einem Ort erwerben zu können. So erzielte beispielsweise die Eiche bei der unterfränkischen Submission in Sailershausen im Dezember 2019 einen durchschnittlichen Preis von knapp unter 600 €/fm. Die teuerste der 1911 angebotenen Eichen brachte ihrem Besitzer 2184 €/fm. Auch lassen sich Raritäten und Kleinstmengen so veräußern.

An der Waldbauernschule ist Wertholz ein Thema im Grundkurs Waldwirtschaft und in den Waldbaulehrgängen. Ein spezieller Wertastungslehrgang vermittelt auch das handwerkliche Können, um schon in jungen Waldbeständen auf eine Erzeugung von Wertholz hinzuwirken.

Kurse an der Bayerischen Waldbauernschule

Last Minute: Die Bayerische Waldbauernschule hat noch freie Plätze in den folgenden Kursen:

  • Grundkurs Waldwirtschaft 30.11. – 18.12.2020
  • Grundkurs Baustein 2: Waldverjüngung und Holzvermarktung 7.12. – 11.12.2020
  • Grundkurs Baustein 3: Ergänzung 14.12. – 18.12.2020
  • Waldbestände pflegen und durchforsten – Grundmodul 21.-23.12.20
  • Motorsägenkurs Modul A nach Vorgaben der DGUV I 214-059 22.12. – 23.12.2020
  • Was muss Wertholz mitbringen?

    Bei der Auswahl von Wertholz sind strenge Maßstäbe anzulegen:

    • Mindestlänge: 4 m (Nadelholz) bzw. 3 m (Laubholz), Raritäten (Obstgehölze etc.) auch kürzer
    • Mittendurchmesser ohne Rinde: Über 50 cm, bei Eiche ab 40 cm und bei Raritäten ab 25 cm
    • Astfrei oder nur wenige, kleine Astsiegel (überwallte Äste)
    • Maximal geringe, einfache Krümmung (bis 1 cm/lfm bei Nadelholz, bis 2 cm/lfm bei Laubholz)
    • Allenfalls wenig Drehwuchs (bis 2 cm/lfm)
    • Zentrischer Kern
    • Gleichmäßiger Jahrringaufbau
    • Ohne Fäule oder Verfärbungen
    • Ohne Risse
    • Ohne Ringschäle

    Wo finden Meistgebotstermine statt?

    Meistgebotstermine gibt es in nahezu allen bayerischen Regierungsbezirken. Beispielhaft sollen folgende genannt sein:

    • Unterfranken: Sailershausen, Iphofen (Laubholz), Ebern (Nadelholz).
    • Oberfranken: Litzendorf (Nadelholz), Pretzfeld (Laubholz), Fichtelberg (Nadelholz), Himmelkron (Nadelholz).
    • Niederbayern: Bayerischer Wald.