Klimawandel

Waldumbau - drei Asse gegen den Klimawandel

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Anja Körner, Projektmanagerin IZW, AELF Roth
am Freitag, 30.11.2018 - 14:51

Das AELF Roth stellt drei Projekte vor, die den Waldumbau fördern sollen.

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Gegen den Klimawandel haben wir drei Asse im Ärmel“, erklärt Dr. Christian Kölling, Bereichsleiter Forsten vom AELF Roth. Welche Asse das sind? Projekte, die im Rahmen der „Initiative Zukunftswald Bayern“ (IZW) entstanden sind. Diese Projekte sollen das Interesse der Waldbesitzer wecken, in ihren Wäldern Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel durchzuführen.

Waldumbau zum Anfassen

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Das erste Projekt setzt darauf, den Waldbesitzern den Waldumbau anhand einfacher Praxisbeispiele begreiflich zu machen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei mehrere Praxisflächen, anhand derer unterschiedliche waldbauliche Strategien erklärt werden. Begleitend dazu gibt es den Katalog „Waldumbau zum Anfassen – Beispielbestände mit Zielbestockung“ und verschiedene Schautafeln vor Ort. Schritt für Schritt soll so erklärt werden, wie mit verschiedensten Baumarten qualitativ hochwertiges Holz erzeugt wird – auch im Klimawandel.
Dazu wird das Vorgehen vom Jugendstadium bis zur Erntereife anhand 15 verschiedener Praxisbeispiele erklärt. Weiterhin werden Fakten wie Baumhöhe, -alter oder Begründungsart dargelegt. Auch verschiedene Baumarten wie Rotbuche, Trauben- und Stieleiche sowie Edellaubhölzer und Douglasie werden näher betrachtet. Der Katalog „Waldumbau zum Anfassen – Beispielbestände mit Zielbestockung“ wird im Frühjahr 2019 am AELF Roth erscheinen und auch im Internet veröffentlicht werden.
Um ein optimales Ergebnis für den eigenen Wald zu bekommen, ist eine kostenlose Beratung vom zuständigen Revierförster auch in Zusammenhang mit diesen „Beispielflächen“ möglich. Einzelne, für den eigenen Wald infrage kommende Waldbilder können dann mit dem Revierleiter besucht und besprochen werden. So kann der Zukunftswald angeschaut und angefasst werden. Die Beratung wird so vereinfacht und schwierige Themen können auch vom Laien in kurzer Zeit „begriffen“ werden.

Waldumbau ist machbar, Nachbar!

Das zweite Projekt – „Waldumbau ist machbar, Nachbar!“ – soll die Eigenverantwortung der Waldbesitzer stärken. Dazu gibt die Forstverwaltung mit Informationsveranstaltungen und Beratungsgesprächen in sogenannten umbaudringlichen Gebieten einen Anstoß zum Waldumbau.
Als umbaudringlich gelten Wälder, die mit zu wenigen und nicht zukunftsweisenden Baumarten bestockt sind. Dies sind meist reine Fichten- und Kiefernwälder in niedrigen Höhenlagen, die schon jetzt mit Schädlingen und Sturmwürfen zu kämpfen haben. Diese Waldgebiete sollen zu zukunftsstabilen und standortgerechten Beständen umgebaut werden, indem geeignete Baum-arten eingebracht werden.
Bevor gepflanzt werden kann, muss der Wald in den meisten Fällen aber erst durchlichtet werden. So können die jungen Bäume, vom einfallenden Licht „gedüngt“, schnell in die Höhe wachsen. Wenige ältere Bäume werden also geerntet, damit viele junge, zukunftsträchtige Bäume gedeihen können.
„Gemeinsam geht es leichter“, das gilt auch beim Waldumbau. Um einen möglichst großflächigen und kosteneffektiven Erfolg im Privat- und Kommunalwald zu erzielen, werden teure Zäune zum Schutz der Jungpflanzen vor Wildverbiss überflüssig gemacht: Wenn viele Waldbesitzer eines kompakten Waldgebiets gleichzeitig Tausende Pflanzen ausbringen, konzentriert sich der Schalenwildverbiss nicht mehr nur auf ein paar wenige Pflänzchen und wird so vernachlässigbar.
Auch für den Jäger und das von ihm bejagte Wild hat der Verzicht auf Zäune positive Nebeneffekte: Die Wildtiere können sich ohne Hindernisse im Wald bewegen und die bejagbare Fläche wird größer. Das Konzept der Nachbarschaftsprojekte hat sich im Rother Amtsbereich schon seit einigen Jahren etabliert. So wurden bereits rund 200 ha in 5 Gebieten umgebaut, weitere 5 sind momentan in Bearbeitung:

Baumartensteckbriefe für die Waldbesitzer

Das dritte Projekt dient der direkten Beratungshilfe: Für die Waldbesitzer im Rother Amtsbezirk wurden 17 Baumartensteckbriefe erarbeitet. In diesen Prospekten werden sowohl gängige als auch eher unbekannte, sehr zukunftsträchtige Baumarten (Elsbeere, Edelkastanie, Schwarzkiefer, Douglasie) vorgestellt. Neben allgemeinen Merkmalen, wie Blätter, Rindenform und Wuchs, werden vertiefende Informationen zu den Themen Herkunft, Anbau, Risiken und Nutzung gegeben. So kann der Waldbesitzer mehr über die Vor- und Nachteile der Baumarten erfahren, die zukünftig seinen Wald bereichern werden.

Die Steckbriefe werden jedem Waldbesitzer nach der kostenlosen Beratung vom Förster mitgegeben. Interessierte können auch auf der Internetseite des AELF Roth in den Prospekten schmökern.

Jede Baumart hat spezielle Anforderungen an den Boden, das Klima und das waldbauliche Vorgehen. Insofern empfiehlt es sich, den zuständigen Revierförster der Forstverwaltung vor Einbringung um Rat zu fragen. Diesen findet man im Waldbesitzerportal unter www.waldbesitzer-portal.bayern.de.