Forstflächen

Waldschutz: Frost, Blattläuse und Borkenkäfer

Frost_Esche
Stefan Huber, Ludwig Straßer, Karin Bork, LWF
am Donnerstag, 18.06.2020 - 12:02

Aktuelle Waldschutzsituation: Spätfrost und Blattlausbefall führen zu auffälligen, aber unproblematischen Schadbildern – anders beim Buchdrucker. Hier ist mit massivem Stehendbefall bei der Anlage der zweiten Generation zu rechnen.

Frost_Fichte

Wie erwartet, ist der Fichtenborkenkäfer heuer schnell gestartet. Es gab aber auch weitere auffällige, waldschutzrelevante Phänomene. So gab es Anfang Mai in weiten Teilen Bayerns in mehreren Nächten Frost. Frostschäden im Frühjahr treffen vor allem die neugebildeten Blätter und Nadeln der Maitriebe. Laubhölzer zeichnen in der Regel mit schwarzen Blättern, bei Nadelbäumen fallen die hängenden, vergilbten Triebe auf. Heuer kam es sogar bei der frostunempfindlichen Fichte durch den frühen Austrieb zu Frostschäden.

Schäden an wenigen Blättern oder Ästen führen meist nur zu leichten Vitalitätseinbußen. Der Baum kompensiert den Blattverlust durch Neuaustrieb. Bei schweren Frösten kann es aber zum Ausfall ganzer Kulturen kommen. Besonders auffällige Schäden entstehen auf Kahlflächen und in Senken oder Tallagen, da sich dort die Kaltluft sammelt. Wirksamen Schutz gegen Frostschäden bieten das frühzeitige Einleiten der Verjüngung unter Schirm, der Erhalt des Altbaumschirmes über Naturverjüngungen oder Pflanzungen, eine baumartenangepasste Standortswahl sowie die Begünstigung von Vorwaldbaumarten (Birke, Weide, Erle) über frostempfindlichen Baumarten.

Vermehrte Meldungen über Blattlausbefall

Vermehrt erreichten die LWF auch Meldungen über Blattlausbefall. Quer durch alle Laubbaumarten wurden verschiedene Lausarten beobachtet. Augenscheinlich wird ein Befall, wenn die Blätter nach dem Saugen der Läuse vergilben und sich einrollen. Manchmal rufen die Läuse auch Gallenbildung oder eine Wuchsanomalie hervor. Die Blattläuse selbst sind grün, schwarz oder wollig weiß gefärbt und an den Blättern gut erkennbar.

In der Regel stellt ein Läusebefall keine größeren Probleme für einen Baum dar. Das massenhafte Auftreten ist meist rasch vorbei und die Population bricht anschließend vielfach bis unter die Nachweisgrenze zusammen. Direkte Maßnahmen gegen die Blattläuse sind nicht notwendig. Dennoch sollten die Befallsflächen regelmäßig kontrolliert werden, um selten auftretende Folgeschäden (Pilz- oder Käferbefall) frühzeitig zu erkennen.

Buchdrucker der 1. Generation mehrheitlich noch im Puppenstadium

Die Buchdrucker der 1. Generation befinden sich derzeit mehrheitlich noch im Puppenstadium. Die Puppen benötigen für Ihre Entwicklung je nach Temperatur 3 Tage (bei 25°C) bis 1,5 Wochen (bei 15°C). Nach der Umwandlung zum Jungkäfer erfolgt der Reifungsfraß im Brutbild, der temperaturabhängig 2 bis 2,5 Wochen dauert. In den wärmeren Regionen Bayerns sind bereits vermehrt die honigbraunen, hellen Jungkäfer zu finden. Dies deckt sich auch mit den teilweise angestiegenen Jungkäferfängen in den Monitoringfallen. Sie werden die nächste sonnig-warme Witterung zum Schwärmflug nutzen. In den kommenden zwei Wochen erwarten wir den Hauptschwärmflug zur Anlage der zweiten Generation. In diesem Jahr entwickelt sich die erste Buchdruckergeneration geringfügig schneller als 2019 und etwas verzögerter als 2018.

Der Regen der vergangenen Tage erschwerte die Bohrmehlsuche. Hinweise auf befallene, aber derzeit noch grün bekronte Fichten können vermehrte Harztropfen am Stamm geben. Auch wenn sich die Bodenwasserspeicher etwas auffüllen konnten, ist aufgrund des hohen Populationsdrucks der Fichtenborkenkäfer mit massivem Stehendbefall bei der Anlage der 2. Generation zu rechnen.