Waldbau

Waldschäden - Fahrplan für die Wiederbestockung

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Nikolaus RitzingerBayerische Waldbauernschule
am Donnerstag, 27.02.2020 - 11:40

Von der Schadfläche zum klimastabilen Wald ist es ein weiter Weg – in sieben Schritten finden Waldbauern ihren Fahrplan zum Ziel.

Trockenschäden, Schädlingsbefall, Stürme, Schneedruck und Waldbrände haben in den Jahren 2018/19 in der Bundesrepublik Deutschland zu einen Schadholzanfall von geschätzt 105 Millionen Festmetern geführt. Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Landwirtschaft sind derzeit rund 180 000 ha Waldfläche unbestockt. In Bayern beläuft sich der Schadholzanfall im vergangenen Jahr auf circa 10 Mio. fm die Schadensfläche beträgt circa 10 000 ha. Der Orkan Sabine hat nun am 10. und 11. Februar für weiteres Sturmholz gesorgt.
Für viele Waldbesitzer stellt sich die Frage: Wie gehe ich vor, um eine Schadfläche wieder in Bestockung zu bringen? Was muss ich tun? Was kann ich selber machen und wofür brauche ich Fremdhilfe? Welche Baumarten haben überhaupt noch eine Zukunft in Bayern?
Auch wenn die Lage in den Wäldern durch immer wieder auftretende Schäden für die betroffenen Waldbesitzer demotivierend sein kann, gilt es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Kalamitäten hat es schon immer gegeben: Große Schneedruckereignisse in den 1980er Jahren mit nachfolgenden Käferschäden, Kahlflächen durch die Stürme Vivian und Wiebke im Jahr 1990 oder durch den Orkan Kyrill im Jahr 2007. Heute wachsen auf zahlreichen dieser Flächen dank dem Engagement und Einsatz der Waldbesitzer und Forstleute standortgerechte Mischbestände.

Schritte zum Ziel

Wer noch am Anfang des Weges steht, dem helfen die folgenden sieben Punkte, ans Ziel zu kommen:

  1. Vorbestockung beurteilen: Zuerst geht der Blick zurück. Ist bzw. war die bisherige Bestockung standortgerecht? Hat beispielsweise die Fichte unter den jetzigen Bedingungen bereits unter Trockenstress gelitten oder war sie rotfaul? Ist schon deshalb ein Baumartenwechsel notwendig?
  2. Standort einwerten: Welche Bodenart liegt vor? Wie sieht es mit dem Wasserhaushalt des Bodens aus? Lage und Ausrichtung des Standorts? Welche Baumarten eignen sich dort heute und wahrscheinlich in Zukunft? Hier helfen beispielsweise die Forstleute an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) weiter. Sie sind auch die Ansprechpartner, um eine finanzielle Förderung für die Wiederbewaldung und Pflegemaßnahmen zu beantragen.
  3. Vorhandene Verjüngung bewerten: Ist auf der Fläche bereits eine standortgerechte Verjüngung vorhanden (Naturverjüngung, Buchen/Tannenvorbau etc.) oder kann mit einer solchen noch gerechnet werden? Sind extensive Verjüngungsverfahren ausreichend? Genügt eine Bepflanzung von Teilflächen (Nester-/Truppflanzungen/Weitverband)? Reichen Ergänzungspflanzungen aus?
  4. Konkurrenzvegetation/Hemmnisse: Mit welchen Gefahren für die zu begründende Kultur muss gerechnet werden? Konkurrenzflora wie Brombeere, Rüsselkäfer, Mäuse, Frostschäden, Wildverbiss und Fegeschäden sind nur ein paar Beispiele dafür.
  5. Vorgaben: Müssen Vorgaben aus fachlichen Plänen (z. B. Naturschutzgesetz, FFH) mit berücksichtigt werden ?
  6. Baumartenauswahl treffen: Welche der standortgerechten Baumarten entsprechen dem Betriebsziel des Waldbesitzers? Z. B. vor dem Hintergrund der Eigennutzung des Holzes?
  7. Verjüngungsverfahren planen und umsetzen: Ein der Pflanzengröße angepasstes Pflanzverfahren wählen oder eine Saat planen. Kultur gegebenenfalls schützen und pflegen.

Standortkarten nutzen

Bei all diesen Überlegungen steht eine genaue Analyse des forstlichen Standorts im Vordergrund. Der Verein für Forstliche Standortserkundung hat bayernweit in den letzten 30 Jahren für viele Flächen Privat- und Kommunalwald forstliche Standortskarten erstellt. Diese liegen bei den staatlichen Beratungsrevieren der ÄELF und bei den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen vor.

Die Beratungsförster verfügen außerdem über sogenannte Klimarisikokarten für die Anbaueignung von zahlreichen Baumarten als Beratungshilfe. Um in der künftigen Waldgeneration eine größere Bandbreite an Baumarten zu haben, ist die Begründung von Mischbeständen das Mittel der Wahl.

Neben dem klassischen Dreiklang im Bergwald von Fichte, Buche und Tanne werden künftig auch die Douglasie, die Lärche, die Vogelkirsche und die Eichen eine wichtige rolle spielen – ebenso als Pionierbestockungen Birke, Aspe und Vogelbeere. Auch alternative Baumarten wie Esskastanie, Baumhasel, Schwarznuss oder Zeder werden an Bedeutung gewinnen.

Nach der Pflanzung und Saat steht vor allem die frühzeitige und zielgerichtete Pflege zwingend im Mittelpunkt. Damit lassen sich die Einzelbaum- und Bestandesstabilität erhöhen, die Strukturvielfalt der Bestände verbessern und die Produktionszeiträume verkürzen. Speziell zu diesem Thema bietet die Waldbauernschule den Kurs „Zukunftswald gestalten“ (5./6. 8. 2020) an.

Kurse an der Waldbauernschule

  • Grundkurs Baustein 2 Waldverjüngung und Holzvermarktung, 9.3. – 13.3.2020
  • Arbeiten mit der Seilwinde, 11.3. – 12.0.2020
  • Grundkurs Baustein 3 Ergänzung, 16.3. – 20.3.2020
  • Der Eichenprozessionsspinner – die „neue“ Gefahr, 31.3.2020
  • Waldbestände pflegen und durchforsten (Grundmodul), 1.4. – 3.4.2020
  • Selbstmanagement – Zeitmanagement – Stressbewältigung, 2.4. – 3.4.2020
  • Waldbestände begründen und verjüngen, 6.4. – 7.4.2020
  • Grundsätze der Nadelholzbewirtschaftung, 14.4.2020
  • Grundsätze der Laubholzbewirtschaftung, 15.4.2020

Anmeldung unter 09441-6833-0 und online unter: www.waldbauernschule.de.