Waldbericht

Waldschäden: Alle Baumarten betroffen

Sonneneinstrahlung
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 14.07.2021 - 14:58

Starke Stürme, Trockenphasen und Hitzewellen sowie die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers haben in Deutschland zu massiven Waldschäden geführt.

Bundesregierung

Alle vier Jahre legt die Bundesregierung ihren Waldbericht vor. In ihrer heutigen Kabinettsitzung (14. Juli 2021) hat sie den Waldbericht 2021 beschlossen.

Aus ihm geht hervor, dass die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre und Hitzewellen in den Jahren 2018 bis 2020 sowie die massenhafte Vermehrung des Borkenkäferns in den Wäldern in Deutschland zu Störungen und massiven Waldschäden geführt haben

Nahezu alle Hauptbaumarten weisen Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf. Mit Stand 31. Dezember 2020 ist von einer geschädigten Waldfläche von insgesamt 277.000 Hektar auszugehen, die wieder zu bewalden ist. 

Preise nicht mehr kostendeckend

Holzpreis

Die Preise für Kalamitätsholz waren für viele Waldbesitzende nicht mehr kostendeckend. Betroffene Forstbetriebe stießen zudem an ihre personellen Kapazitäts- und logistischen Grenzen, um befallene Bäume zeitnah einzuschlagen und für einen Abtransport des Holzes und somit eine gewisse Eindämmung der Schäden zu sorgen. Dazu verweist Landwirtschaftsministerin Klöckner auf die vom Staat bereitgestellten Mittel. Insgesamt seien zur Bewältigung der aktuellen Waldschäden für den Sektor Forst und Holz Unterstützungsmaßnahmen in Höhe von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt worden.

Insbesondere durch die Bundeswaldprämie sei ein nachhaltiger Effekt erzielt werden. Nachdem die Mittelgewährung an eine Zertifizierung gebunden war, seien innerhalb kurzer Zeit über 865.000 Hektar Wald erstmalig zertifiziert worden.

Waldfläche hat um 200.000 ha zugenommen

Waldschäden
  • Mit einem Waldflächenanteil von rund 32 Prozent (11,4 Millionen Hektar) ist Deutschland eines der waldreichsten Länder Europas. Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden.
  • Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald und 19 Prozent im Eigentum der Kommunen. Die übrigen Wälder sind im Eigentum der Länder (29 Prozent) und des Bundes (vier Prozent).
  • In Deutschland gibt es ca. zwei Millionen private Waldeigentümer. Die meisten davon sind sogenannte Kleinst-Privatwaldbesitzer mit einer durchschnittlichen Waldfläche von rund 2,5 Hektar.
  • Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche wachsen Nadelbäume (Fichte 25 Prozent und Kiefer 23 Prozent). Laubbaumarten finden sich auf 45 Prozent der Waldfläche (Buche 16 Prozent und Eiche zehn Prozent).
  • Mischwälder prägen mit einem Flächenanteil von 76 Prozent den deutschen Wald.
  • Die jüngeren Wälder (bis 20 Jahre alt) sind zu 85 Prozent aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen.
  • Knapp ein Viertel des Waldes (24 Prozent der Fläche) ist älter als 100 Jahre.
  • Der Holzvorrat in den Wäldern Deutschlands hatte 2017 mit 3,9 Milliarden Kubikmetern oder 358 Kubikmetern pro Hektar einen neuen historischen Höchststand erreicht. Der Totholzvorrat ist zwischen 2012 und 2017 um 14 Prozent auf 22,4 Kubikmeter pro Hektar angestiegen.

Hohe Artenvielfalft und vielfältige Ökosystemleistungen

Klimawandel
  • In Bezug auf die Artenvielfalt weisen die Wälder in Deutschland eine hohe Vielfalt von waldtypischen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten auf. Fast 2.900 Pflanzenarten kommen im Wald vor.
  • Die Bedeutung verschiedener Ökosystemleistungen des Waldes für die Gesellschaft verdeutlichen folgende Kennzahlen: In den Wäldern Deutschlands sind gegenwärtig 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in lebender Biomasse, Totholz und Boden gebunden. Die jährliche Kohlenstoffspeicherwirkung des Waldes beläuft sich aktuell auf 57 Millionen Tonnen CO2 und die der stofflich genutzten Holzprodukte auf 4,2 Millionen Tonnen CO2. Zudem kann Holz andere Materialen ersetzen, die unter Nutzung fossiler oder mineralischer Rohstoffe erzeugt werden und damit Emissionen vermeiden.
  • Ohne Druckerei- und Verlagsgewerbe waren 2018 im Cluster Forst und Holz rund 735.000 Menschen beschäftigt, die einen Umsatz von rund 135 Milliarden Euro erwirtschafteten.
  • Über 55 Millionen Menschen bzw. 70 Prozent der Bevölkerung nutzen den Wald für Erholung mindestens einmal im Jahr aktiv. Im Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich rund 28 Besuche pro Person und Jahr; jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 2,3 Milliarden Waldbesuche. Wälder tragen maßgeblich zur physischen und psychischen Gesundheit der Bevölkerung bei.
  • Trinkwasser: Über 40 Prozent der Fläche aller Wasserschutzgebiete liegen im Wald, das sind rund 2,1 Millionen Hektar Waldfläche (18 Prozent Flächenanteil).