Klimaschutz

Waldeigentümer: EU-Kommission konterkariert eigene Ziele

Sonneneinstrahlung
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 02.11.2021 - 10:16

Die aktuelle EU-Waldstrategie konterkariert nach Einschätzung der Waldeigentümer die Klimaschutzziele, die sich die Kommission im Rahmen des Fit-for-55-Pakets gesetzt hat.

Waldbesitzer

Auf der gegenwärtig laufenden UN-Weltklimakonferenz in Glasgow muss sich die Bundesregierung nach Ansicht von AGDW - Die Waldeigentümer für eine nachhaltige Waldwirtschaft stark machen: „Angesichts der Umweltkatastrophen, die der Klimawandel zur Folge hat, muss sich die internationale Gemeinschaft auf gemeinsame Reduktionsziele einigen“, sagte Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der Vereinigung. Für den Wald sei dies von existenzieller Bedeutung. Die  aktuelle Krise in den Wäldern mache deutlich, dass sich die Industrienationen konsequent in Richtung Treibhausgasneutralität bewegen müssen.

Den Wäldern und dem Rohstoff Holz komme dabei global eine tragende Rolle zu. „Die Wälder mit ihrer CO2-Speicherkapazität sind der Schlüssel für den Klimaschutz“, so die Hauptgeschäftsführerin, „wir brauchen Wiederbewaldungsprogramme mit klimaresilienten und standortgerechten Baumarten, um den globalen CO2-Speicher von Wald und Holz zu vergrößern.“ Der Rohstoff Holz erlebe eine Renaissance, da er das CO2 nicht nur in langlebigen Produkten speichert, sondern auch klimaschädliche Rohstoffe wie Kohle, Öl und Gas ersetzt. Dr. Irene Seling: „Die nächste Bundesregierung muss den Einstieg in eine neues Wald- und Holzzeitalter oben auf ihre Agenda setzen.“

EU als Geisterfahrer unterwegs

Auf EU-Ebene nach Ansicht des Waldeigentümerverbandes zurzeit das Gegenteil der Fall: Die aktuelle EU-Waldstrategie konterkariert die Klimaschutzziele, die sich die Kommission im Rahmen des Fit-for-55-Pakets gesetzt hat. Nutzungsverbote im Wald und Eingriffe in die nachhaltige Waldbewirtschaftung würden die CO2-Speicherkapazitäten von Wald und Holz einschränken. Auch das deutsche Klimaschutzgesetz werde das Angebot an heimischem Holz dauerhaft senken. Laut dem Wissenschaftlichen Beirat Waldpolitik erzwingt das Gesetz, dass rund die Hälfte des jährlichen Zuwachses im Wald verbleibt. Dieses Holz steht zum Beispiel für das Bauen mit Holz nicht zur Verfügung.

„Die Umsetzung der EU-Waldstrategie führt zu überalterten instabilen Wäldern und verstärkt damit die aktuelle Krise“, sagte die Hauptgeschäftsführerin. Waldpflege, Waldumbau und die Verfügbarkeit des ökologischen Rohstoffes Holz werden dauerhaft blockiert. „Wenn die Bundesregierung beim Thema Klimaschutz eine Vorreiterrolle spielen möchte, muss sie die nachhaltige Waldbewirtschaftung und ihre Klimaschutzleistung ausbauen“, so Dr. Irene Seling.

Eine zentrale Maßnahme sei die Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes, um die Wälder in Zeiten des Klimawandels zu stabilisieren. Eine solche Maßnahme leiste einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz und zur Treibhausgasneutralität.