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Forst

Waldbesitzer wissen Bescheid

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Dienstag, 22.03.2022 - 18:22

Eine ganz persönliche Bilanz zum Tag des Waldes.

Wald

Es gibt zwar inzwischen für jeden Tag ein besonderes Motto - heute glaube ich, ist der Tag des Faulenzens – aber der Tag des Waldes gestern hat doch eine längere Tradition. Seit 1971 wird er begangen. Sicher ist viel Wahres an der Aussage, dass das einzig Gute an der guten alten Zeit ist, dass sie vorbei ist. Aber manchmal wünscht man sich doch das eine oder andere zurück.

So herrschte einmal Einigkeit darüber, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird. Die Nachhaltigkeit wurde sogar in der Waldwirtschaft geprägt. Rund 300 Jahre ist inzwischen die Erkenntnis – zugegeben aus der Not heraus entstanden – alt, dass man nicht mehr Holz nutzen darf als nachwächst.

Einig war man sich auch lange Zeit, dass es im Wald gelingt, die drei Säulen der Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen. Der Waldbesitzer konnte seinen Wald nutzen und daraus Ertrag erwirtschaften. Gleichzeitig erfüllte der Wald die Schutzfunktionen, zum Beispiel vor Lärm oder vor Lawinen, und er war Erholungsraum für die Menschen. Das gehört in die soziale Säule der Nachhaltigkeit. Und schließlich lieferte er den umweltfreundlichen nachwachsenden Rohstoff Holz und bot zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Auch die Ökologie kam also zu ihrem Recht.

 

Jeder pickt sich seinen Teil heraus

Ich frage mich gerade, warum ich das alles in der Vergangenheit formuliert habe. Stimmt das alles nicht mehr? Aus der Sicht eines Menschen, der sich mit dem Wald beschäftigt stimmt es noch. Es wächst immer noch mehr Holz nach als genutzt wird – trotz aller Kalamitäten. Der Umbau zu Mischwäldern ist seit den 1990er Jahren in vollem Gange, was der Artenvielfalt zugute kommt, und die Menschen strömen mehr denn je in den Wald, sie baden inzwischen sogar darin und umarmen Bäume. Das Soziale ist also auch gewährleistet, die Sozialpflichtigkeit des Eigentums wird gar nicht so selten bis an die Grenze strapaziert.

Und dennoch passt die Vergangenheit im vorletzten Absatz, weil jeder sich seinen Teil der Nachhaltigkeit herauspickt. Weil jeder seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt und die Gesamtschau in den Hintergrund rückt. Widersprüche in der eigenen Argumentation spielen dabei keine Rolle.

Waldbesitzer geben gerne Auskunft

So wird zum Beispiel beklagt, dass die Rehe zu viele junge Bäume fressen. Die gleiche Organisation hat aber kein Problem damit, dass der Wolf sich ungehindert ausbreiten darf und Weidetiere reißt, die von ihren Eigentümern mit viel Hingabe gepflegt werden. Andererseits akzeptiert und befürwortet diese Organisation, dass der Lebensraum des Rotwildes auf einen geringen Teil der Landesfläche beschränkt ist und jedes Stück, dass darüber seinen Kopf hinausstreckt sofort geschossen werden muss. Andererseits wird wiederum dem Begriff Wildnis das Wort geredet. Darunter wird verstanden, dass der Mensch sich von heute auf morgen aus einer Region raushält, egal was dort dann mit Tieren und Pflanzen passiert.

Bevor ich mich jetzt völlig in der Verwirrung verliere und Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieselbige stürze, meine persönliche Botschaft im Nachgang zum Tag des Waldes: Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer wissen, wie nachhaltige Waldwirtschaft geht. Und sie geben dazu gerne Auskunft.