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Waldbau

Waldbau: 32.000 Förderanträge allein im letzten Jahr

Frank Rehm
am Donnerstag, 24.02.2022 - 15:27

Dass das Interesse an der attraktiven Waldbauförderung groß sein würde, war im Frühjahr 2020 allen klar. Aber was dann geschah, hat viele überrascht. Doch die dreistellige Millionensumme ist gut angelegt – es geht um die Zukunft im Wald.

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Als im Frühjahr 2020 die neue waldbauliche Förderrichtlinie der Bayerischen Forstverwaltung (FoV) mit deutlich attraktiveren Fördersätzen dank zusätzlicher Fördermittel des Bundes anlief, war mit einer steigender Nachfrage zu rechnen. Eine so überwältigende Nachfrage des Waldbesitzes wie in den Jahren 2020 und 2021 hatte jedoch niemand erwartet.

Im vergangenen Jahr hat die FoV rund 32.000 Förderanträge mit 103 Mio. € Fördermitteln abgewickelt – davon knapp 24.000 Anträge auf finanzielle Unterstützung waldbaulicher Maßnahmen. Mehr als 48 Mio. € hat der Freistaat zum Aufbau zukunftsfähiger Wälder ausbezahlt, weitere 36 Mio. € für die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung. Diese Unterstützung ist in Zeiten des Klimawandels weiterhin dringend nötig.

Die Zeiten ändern sich, Extreme nehmen zu

Die meisten Waldbesitzer haben die Auswirkungen des Klimawandels schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. Hitze und lange Trockenperioden schwächen alte Bestände und bieten Insekten wie dem Borkenkäfer gute Vermehrungsbedingungen. Die absterbenden Bäume und die Bekämpfung der Schädlinge erfordern zügige Aufarbeitung. Auch lokale Stürme bringen das lang gepflegte Erbe zu Boden.

Langfristige geplante Naturverjüngungsverfahren oder Vorbaumaßnahmen sind nur noch bedingt möglich – die Reaktion auf Schäden wird die Regel und langfristig vorbeugen immer schwieriger. Damit ändern sich auch die Baumarten und Verjüngungsverfahren. Wiederaufforstungsflächen nach Schäden werden immer größer und Konkurrenzvegetation wie die Brombeere besiedelt die Flächen schneller, als man mit der Aufforstung nachkommt.

Umgang mit Kahlflächen: Ruhe bewahren

Große unbestockte Waldflächen sind eigentlich nichts Neues. So mussten nach dem zweiten Weltkrieg tausende Hektar Kahlflächen wieder aufgeforstet werden. Das geschah überwiegend mit Fichte oder Kiefer, die mit den damaligen Voraussetzungen am besten zurechtkamen. Diese beiden Baumarten entfallen heute als Option aufgrund der Klimaänderung aber auf den meisten Flächen. Was also tun? Viele Waldbesitzende neigen dazu, Schadflächen möglichst rasch und vollständig wieder in Bestockung bringen zu wollen. Dagegen ist insbesondere aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit nichts zu sagen, bringt jedoch unter manchen Rahmenbedingungen wesentliche Nachteile mit sich. Oft stehen die geeigneten Baumarten oder Herkünfte entweder gar nicht, nicht in ausreichender Menge oder nicht in der gewünschten Größe zur Verfügung. Stöcke von frisch gefällten Nadelbäumen ziehen Rüsselkäfer „magisch“ an und erschweren damit den Schutz der Nachfolgekultur. Zudem sind stammzahlreiche Kulturen sehr teuer.
Hinzu kommt der verstärkter Pflegebedarf, insbesondere auf größeren, gut belichteten Flächen. Und wenn man nach zehn Jahren die Fläche betrachtet, stellt man – bei einem angepassten Wildbestand – fest, dass die Natur selbst ganz wesentlich für den Jungwald von Morgen gesorgt hat. Im Rahmen von Pflegemaßnahmen muss dann die bestmögliche, klimastabilste Baumartenmischung erreicht werden.

Viele Maßnahmen sind förderfähig

Bevor Sie sich in arbeitsaufwendige und teure Wiederaufforstungen stürzen, erkundigen Sie sich unbedingt zuerst nach möglichen Alternativen und lassen Sie sich z. B. von einer Försterin oder einem Förster der Bayerischen Forstverwaltung beraten. Oft ist bereits die erste Verjüngung erkennbar und man kann sich bei der Pflanzung auf eine Ergänzung mit klimatoleranten, stabilen Baumarten beschränken. Oder Sie beschränken sich gleich auf einige Pflanzkerne auf der Schadfläche – sogenannte Anreicherungskulturen – und warten ab, was die Natur Ihnen in den Zwischenräumen bringt. Die lange Zeit unterschätzte Birke ist dabei eine unverzichtbare Baumart.
Die WALDFÖPR 2020 unterstützt Sie bei allen derartigen Maßnahmen – und wenn sich ausreichend Naturverjüngung einstellt, die gepflegt werden soll, dann auch bei diesen Maßnahmen.
Referat Privat- und Körperschaftwald, StMELF