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Waldnutzung

Wald der Zukunft: Wissenschaftler geben Empfehlungen

Sonneneinstrahlung
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 09.02.2022 - 15:31

Statt einer Honorierung individueller Ökosystemleistungen wie beispielsweise des Klimaschutzes empfehlen die Wissenschaftler die Honorierung eines resilienten und anpassungsfähigen Waldzustandes. Holzbau betrachten sie als effizienten Beitrag zur CO2-Einsparung.

Bereits im Herbst letzten Jahres hat der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik (WBW) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sein 150-seitiges Gutachten „Die Anpassung von Wäldern und Waldwirtschaft an den Klimawandel“ vorgelegt. Die Empfehlungen sind darauf ausgerichtet, die Leistungen des Ökosystems Wald langfristig für die Gesellschaft zu sichern. Gestern (8.2.2022) hat der Beirat die Ergebnisse öffentlich diskutiert.

 

Biodiversität erhöhen

Neben Mischbeständen mit standorttauglichen, genetisch diversen Baumarten und Risikoreduktion durch Vielfalt in der Landschaft, den Waldbeständen und der Waldstruktur zur Entwicklung anpassungsfähiger Wälder sieht der Beirat einen Schwerpunkt in der Erhöhung der Biodiversität. Mit Verbindungen und Austauschmöglichkeiten zwischen Habitaten und Biotopen innerhalb der Wälder sowie zwischen Wäldern und Waldfragmenten müssen Möglichkeiten für die Ausbreitung von Arten geschaffen und gegebenenfalls ihre Wieder- und Neuansiedelung unterstützt werden.

Zum Schutz des Bodens und zur Verbesserung der Wasserspeicherung solle unter anderem Bodenverdichtung bei der Holzernte vermindert und organische Bodensubstanz durch Belassen von Schlagabraum und Totholz angereichert werden.

Holzbau speichert CO2 in nennenswertem Umfang

Der Beirat empfiehlt außerdem die Förderung nachhaltiger Holzverwendung durch Anreizsysteme, etwa einen CO2-Bonus für die Kohlenstoffspeicherung im Holzbau und für recyclinggerechte Holzkonstruktionen. Primäres Ziel sei die langfristige stoffliche Nutzung von Holz vor der finalen thermischen Nutzung.

Den Holzbau sehen die Wissenschaftler als derzeit einzige anwendungsreife Technologie, Kohlenstoff in nennenswertem Umfang außerhalb des Ökosystems zu speichern.
Den risikoarmen Anbau klimaangepasster Nadelholzbaumarten, neue Verwendungsoptionen für Alternativbaumarten und die stoffliche Nutzung von Laubholz und Kalamitätsholz sieht der Beirat neben der Generierung von Gebraucht- und Altholz zur Rohstoffgewinnung als wichtige Maßnahmen zur Anpassung der Wertschöpfungsketten an ein verändertes Holzangebot.

Honorierung eines resilienten und anpassungsfähigen Waldzustandes

Statt einer Honorierung individueller Ökosystemleistungen wie beispielsweise des Klimaschutzes empfiehlt der Beirat die Honorierung eines resilienten und anpassungsfähigen Waldzustandes – er ist Grundvoraussetzung für die Bereitstellung aller Ökosystemleistungen – durch regelmäßige Zahlungen an Waldbesitzer. Zur Erfassung dieses Zustandes bedarf es noch der Entwicklung allgemein akzeptierter, wissenschaftlicher Kriterien.

Um die Aussagekraft des Waldmonitorings zu stärken und zu einem transparenten Instrument der Risikoanalyse weiterzuentwickeln, sollen flächenbezogene Aussagen ermöglicht, die Vernetzung möglichst vieler Elemente des forstlichen Monitorings gewährleistet und die Bereitstellung von Informationen z. B. infolge von Waldschäden beschleunigt werden.

Forschungskapazitäten neu auszurichten

Weiterhin empfiehlt der wissenschaftliche Beirat, die Forschungskapazitäten neu auszurichten und besser zu vernetzen. Dazu gehören die Förderung langfristiger Forschungsvorhaben, koordinierte Experimente und Modellentwicklungen über Bundesländer und Einrichtungen hinweg sowie ein besserer Austausch von Daten und deren gemeinsame Analyse. Der rasch voranschreitende Klimawandel erfordere Forschungsansätze, die auf eine schnelle Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis ausgelegt sind, so die Gutachter.

Zudem spricht sich der Beirat für Änderungen in der Aus- und Weiterbildung und in den Kommunikationsstrategien sowie für die Beseitigung von Anpassungshemmnissen und -konflikten in diesen Bereichen aus, um den umfassenden Transformationsprozess zu befördern.