Biodiversität

Wald: Weniger Baumarten bei Nichtnutzung

Fichte und Buche
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Montag, 15.06.2020 - 14:48

Die biologische Vielfalt in Wäldern ist nach Einschätzung von DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt das Ergebnis nachhaltiger Forstwirtschaft. Diese bewährte Praxis grundsätzlich in Frage zu stellen, hält er für hochriskant.

Die Absicht des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weitere Naturwälder im Freistaat auszuweisen, hält die deutsche Holzindustrie für einen wenig zielführenden Weg. Pauschale Nutzungseinschränkungen sind aus ihrer Sicht das falsche Instrument. „Die biologische Vielfalt in diesen Wäldern ist das Ergebnis nachhaltiger Forstwirtschaft. Diese bewährte Praxis grundsätzlich in Frage zu stellen, halte ich für hochriskant", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) Lars Schmidt.

Der studierte Forstwirt verweist unter anderem auf eine Studie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena. Nach dieser gehen in nicht mehr nachhaltig bewirtschafteten Waldgebieten 50 bis 60 Prozent der Baumarten verloren – und mit ihnen zahlreiche Arten, insbesondere Insekten.

Holznutzung unersetzlich im Klimaschutz

Waldflächen pauschal von der Nutzung auszunehmen sei nicht nur ökologisch zweifelhaft, sondern gefährde die Klimaschutzziele von Bund und Ländern. „Holz ist CO2-neutral und vielseitig als Bau- und Werkstoff sowie als Energieträger einsetzbar. Es gibt keinen anderen nachwachsenden Rohstoff, der diese Rolle so einnehmen kann", sagt Lars Schmidt, .

Gemäß bayerischen Klimaschutzkonzept sollen die CO2-Emissionen um 55 Prozent gesenkt und der Freistaat bis 2050 das erste klimaneutrale Bundesland werden. Durch Wald und Holz können bereits heute in Deutschland jährlich 14 Prozent der Ausstöße eingespart werden.

Gebiete im Steigerwald, auf der Fränkischen Platte und der Frankenalb bei Kelheim sowie weite Teile der Isar-Auwälder zwischen München und Landshut sollen nach Wunsch der zuständigen Staatsministerin Michaela Kaniber nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Die insgesamt 5.000 Hektar sollen Teil eines bayernweiten Netzwerks von Naturwäldern werden.

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) sieht die ausgewählten Regionen als Ansatz für einen Mittelweg zwischen Naturschutz, Klimaschutz und regionaler Wirtschaft.

Multifunktionialität des Waldes funktioniert

Der Freistaat will die Naturwaldgebiete verstärkt zu Bildungszwecken rund um die Themen Artenvielfalt und Wildnis genutzt werden. Die Holzwirtschaft plädiert indes für ein ganzheitliches Waldverständnis: „Der Wald vereint verschiedene gesellschaftliche Interessen: Naturschutz, Bewirtschaftung, Erholung. In Deutschland funktioniert das integrative Konzept, das sollte den Bürgerinnen und Bürgern auch so vermittelt werden.“

Nicht Größe und Fläche seien für effektiven Schutz entscheidend, sondern das Wissen um komplexe örtliche Zusammenhänge von Flora und Fauna. „Der Schutz der Biodiversität und Klimaschutz sollten daher nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es ist wichtig, dass es ökologische Trittsteine wie die Auwälder gibt, aber ebenso, dass Holz aus bayerischen Wäldern zur Schaffung von klimafreundlichem und nachhaltigem Wohnraum eingesetzt wird", sagt Schmidt. Erst jüngst hat die Staatsregierung eine entsprechende Holzbau-Offensive aufgelegt. Rohstofflieferant sollen die heimischen Wälder sein.