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Sturmschäden

Wald: Sturmholz bis April aufarbeiten

Sturmholz
Karin Bork, Dr. Hannes Lemme, LWF
am Dienstag, 08.03.2022 - 10:18

Februarstürme haben zahlreiche einzelne Fichten geworfen, die im April beste Brutmöglichkeiten für Borkenkäfer bieten.

Die Winterstürme Ylenia, Zeynep, und Antonia fegten Mitte Februar mit orkanartigen Böen und Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h über Deutschland hinweg. Sie verursachten in Bayern leichte bis mittlere Schäden, wobei Wälder in allen Teilen Bayerns betroffen sind. Schadenschwerpunkte liegen im Norden Bayerns in der Rhön und in den Landkreisen Kronach, Wunsiedel, Hof und Tirschenreuth.

Es wurden zahlreiche Bäume vor allem einzeln und mitunter nesterweise umgeworfen oder gebrochen. Kleine Flächenwürfe wurden nur in den Schadschwerpunkten beobachtet.

Vor allem an aufgerissenen Waldrändern, die durch Borkenkäferbefall der vergangenen Jahre entstanden sind, fielen nun weitere Bäume, vor allem Fichten, um.

Bislang halten sich Schäden in Grenzen

Auf den ersten Blick scheint es, dass der Wald die Saison der Winterstürme 2022 mit nur leichten Blessuren überstanden hat. Aber auch Einzelwürfe über viele Waldflächen verteilt werden bei nicht rechtzeitiger Aufarbeitung zu massiven Borkenkäferschäden im Frühjahr und Sommer führen.

Daher sind nun Anstrengungen aller Waldbesitzer nötig, die einzelnen Windwürfe in den kommenden 5 Wochen bis zum Beginn der Borkenkäferschwärmsaison aufzuarbeiten.

Die aktuelle Situation birgt einige Risiken:

Einzelwürfe, angeschobene oder gebrochene Fichten von Februar sind im April erst wenig ausgetrocknet und damit für einen Befall für Borkenkäfer besonders attraktiv.

Das Sturmholz bietet den ab Mitte April schwärmenden Fichtenborkenkäfern einen idealen Brutraum. Nicht aufgearbeitete Einzel- und Nesterwürfe können sehr leicht Stehendbefall im angrenzenden Bestand verursachen. Da der Brutraum in den einzeln geworfenen Fichten schnell von Borkenkäfern besetzt ist, konzentrieren sich weiter anfliegende Käfer auf angrenzende, stehende Fichten. Deshalb ist eine rasche und konsequente Aufarbeitung des Sturmholzes erforderlich.

Sicherheit geht vor!

Die Aufarbeitung von Sturmholz ist gefährlich. Waldbesitzer, die keine Erfahrung mit der Aufarbeitung von Sturmholz haben, sollten auf die Hilfe von professionellen Forstunternehmern zurückgreifen. Wenden Sie sich an Ihre WBV oder FBG und das zuständige AELF, hier bekommen Sie Hilfe und Unterstützung. Beachten Sie die Unfallverhütungsvorschriften, tragen Sie Ihre persönliche Schutzausrüstung, prüfen Sie Ihre Geräte und gehen Sie nicht allein in den Wald.

Unfallverhütungsvorschrift Forsten (VSG 4.3)

Von Klein zu Groß!

Die Aufarbeitung muss bei den Einzelwürfen/-brüchen und kleineren Schadflächen beginnen. Sie sind aus Waldschutzsicht die kritischsten Schadflächen. Werden diese einzelnen Fichten nicht aufgearbeitet, besteht die Gefahr von großflächig im Bestand verteiltem Befall, der im Frühjahr unmittelbar auf weitere benachbarte Fichten übergeht. Kontrollieren Sie Ihren Wald also genau, um die Einzelwürfe zu finden! Erst wenn diese aufgearbeitet sind, arbeiten Sie Fichten der flächigen Sturmwürfe auf.

Überwinterungsbäume finden!

Wenn Sie Ihre Wälder auf Sturmschäden kontrollieren, können Sie zeitgleich auf die Suche nach Überwinterungsbäumen von Buchdrucker und Kupferstecher gehen. In den ausgehenden Wintermonaten erkennen Sie diese Bäume an:

  • abfallender Rinde, oft auch durch Spechte verursacht auf der Suche nach Larven und Käfern,
  • grünem Nadelteppich auf dem Boden,
  • Harzfluss am Stamm und
  • bei näherem Blick Ein- und Ausbohrlöchern auf der Rinde.

Wenn Sie sich unsicher sind, schauen Sie unter die Rinde!

Ziehen Sie ein Stück Rinde vom verdächtigen Baum mit einem Ziehmesser oder einer Axt ab. Bei Befall werden Sie auf der Rindeninnenseite Fraßspuren erkennen. Brechen Sie auch die Rinde auf! Oftmals sitzen Käfer in den inneren Schichten der Borke. Haben Sie Überwinterungsbäume gefunden, müssen diese zeitnah, jedoch spätestens vor April aus dem Wald.

Behandlung von Baumkronen/Resthölzern:

Baumkronen und Resthölzer aus der Aufarbeitung müssen aus dem Wald gebracht oder zeitnah gehackt werden, um sie den Borkenkäfern - insbesondere dem Kupferstecher- als Brutmaterial zu entziehen. Beim Verbrennen von Restmaterial besteht erhöhte Waldbrandgefahr, so dass diese Maßnahme nur bei entsprechender Witterung und intensiver Überwachung möglich ist. Eine Pflanzenschutzmittelanwendung bei Resthölzern ist nicht erlaubt.

Weitere Vorschriften zum Verbrennen von Restmaterial:

Merkblatt zur Borkenkäferbekämpfung durch Verbrennen des befallenen Materials 73 KB