Insektenschutz

Wald: Mehr Totholz, weniger Insekten

Waldinventur
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Montag, 04.11.2019 - 15:31

Die Waldinventuren zeigen, dass sich die Wälder in den letzten zehn Jahren in nahezu allen ökologischen Belangen verbessert haben. Dennoch hat nun eine Studie einen deutlichen Rückgang der Insekten festgestellt.

In einer aktuellen Studie hat die Technischen Universität München einen Rückgang der Insektenbiomasse im Wald um 40 % seit 2008 festgestellt. das hat im Bundeslandwirtschaftsministerium für Überraschung gesorgt. Bundesministerin, Julia Klöckner, wies darauf hin, dass die ökologischen Daten für die Biodiversität in den deutschen Wäldern von Inventur zu Inventur besser werden. Der Wald ist vorratsreicher, älter, naturnaher und gemischter als vor zehn Jahren. Es gibt auch mehr Totholz und mehr Laubholz. "Das passt so gar nicht mit der Studie der TU München überein", sagte die Ministerin uns sie ergänzte: "Wenn es einen Rückgang von ökologisch wichtigen Insekten im Wald gegeben hat, kann die Ursache jedenfalls nicht an der Entwicklung unserer Wälder hin zu mehr Biodiversität gelegen haben."

Das Bundesministerium will deshalb die Studie sehr genau prüfen und sich anschauen, welche Insektenpopulationen rückläufig sein sollen. Außerdem wies es darauf hin, dass die Ursachen des Insektenrückgangs sehr vielfältig und komplex seien. Sie beträfen nicht nur die Landwirtschaft. Es gehe ebenso um die Siedlungsentwicklung, um Lichtverschmutzung in den Städten, die Versiegelung von Flächen, zugepflasterten Gärten vor den Haustüren sowie den Verkehr und die Verkehrsinfrastruktur.

Hintergrund zur Lage unserer Wälder:

  • 3,9 Milliarden m3 Holzvorrat stehen im Wald. Das sind 358 m³/ha und 6 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Damit ist Deutschland das holzreichste Land der Europäischen Union.
  • Das Durchschnittsalter der Bäume beträgt 77 Jahre und ist damit um viereinhalb Jahre seit der vergangenen Bundeswaldinventur (2002) gestiegen. Knapp ein Viertel ist älter als 100 Jahre.
  • Der Anteil der Laubbäume ist auf 43 Prozent angewachsen und damit um 7 Prozent gestiegen.
  • Die Fläche der Mischwälder ist um 5 Prozent gestiegen. Der Anteil von Mischwäldern an der Waldfläche beträgt insgesamt: 76 Prozent.
  • Der Anteil von Totholz ist um 18 Prozent gestiegen.
  • Und auch die Naturnähe der Wälder ist insgesamt gestiegen: Hatten wir 2002 36 % sehr naturnahe Wälder, so waren es 10 Jahre später bereits 51 Prozent.
  • Die Naturverjüngung ist mit 85 Prozent Flächenanteil an der Jungbestockung die überwiegende Verjüngungsart im deutschen Wald. Pflanzungen machen nur 13 Prozent aus.
  • Die ökologische Wertigkeit der Wälder in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Beim Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erreicht der Teilindikator für Wälder mit 87 Prozent des Zielwertes 2013 den höchsten Wert aller Teilindikatoren.