Kalamitäten

Wald - es ist kurz vor 12!

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Hans Ludwig Körner, Bayerischer Waldbesitzerverband
am Donnerstag, 25.10.2018 - 08:57

Waldbesitzer und Forstwirtschaft wissen hingegen weder ein noch aus: Dürre, Unwetter, Käfer setzen unserem Wald zu.

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Die Landtagswahl ist gelaufen und die Koalitionäre von CSU und Freien Wählern beraten über ihr gemeinsames politisches Handeln in den kommenden fünf Jahren. Als Waldbesitzerverband und damit Vertreter Ihres Waldes haben wir uns in diese Verhandlungen eingebracht. Bereits im Vorfeld der Wahlen hatten wir forstpolitische Forderungen formuliert und in den politischen Raum gestellt. Diese haben wir für die aktuellen Gespräche präzisiert. Das ist unsere Kernaufgabe als politische Interessenvertretung des Waldes.

Die aktuelle Situation ist geradezu abenteuerlich: Wirtschaft, Bau und Export boomen. Waldbesitzer und Forstwirtschaft wissen hingegen weder ein noch aus: Dürre, Unwetter, Käfer setzen unserem Wald zu. Neue Schädlinge, wie der Ips duplicatus, bedrohen zusätzlich die Bestände. Handeln ist gefragt. Dazu braucht es nur etwas guten Willen und die Anwendung bestehender Gesetze – und kurzfristig maßgeschneiderte Verordnungen. Der Käfer kennt keine Vorschriften und Grenzen. Er setzt sein Werk fort.

Aber in der Politik werden nur wieder neue Arbeitsgruppen geschaffen. Wir fordern jetzt und gleich: Tut was! Neben Soforthilfen für Aufarbeitung, Polterschutz und Transport müssen phytosanitäre Maßnahmen, also z.B. Einfuhr von nur entrindetem Holz, getroffen werden. Die Zulassung von wirksamen Forstschutzmitteln ist zu verlängern. Selbstverständlich sind in einer solchen Situation die Anerkennung des Viertel-Steuersatzes auf den ersten Festmeter Kalamitätsholz und pauschaler Aufarbeitungssätze für nicht-buchführungspflichtige Betriebe. Das Schadholz unterliegt einem enormen Preisverfall und musste zur Unzeit geschlagen werden. Es ist nur angemessen, für diese verlustreichen Zwangshiebe steuerliche Nachlässe anzuerkennen und die Waldbesitzer nicht noch mit regulären Steuern auf diese ungeplanten (Verlust-) Einkünfte zu bestrafen.

Unterstützt der Staat hier nicht, werden viele Waldbesitzer das Interesse an ihrem Wald verlieren. Traurig, aber wahr. Es ist also Zeit, für ein aktives Bekenntnis zum Wald und den Waldbesitzern: Politiker, Koalitionäre, Verwaltungen – schafft die Bedingungen, damit sich die Waldbesitzer nicht resigniert abwenden! Es ist kurz vor zwölf.