Forstflächen

Wald: Kalamitäten auch 2020 befürchtet

Baumschaden
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Freitag, 22.05.2020 - 10:21

Trotz Regen Anfang Mai: die Niederschläge reichen nicht aus um die Wasserspeicher der Wälder nach einem viel zu trockenen April 2020 und den vergangenen Dürrejahren 2018/2019 aufzufüllen.

Berlin - Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) erreichte die Niederschlagshöhe im April 2020 im gesamten Bundesgebiet mit 16 mm nur rund ein Drittel des vieljährigen Durchschnittswertes. Damit ordnet sich der April in die Rangfolge extrem trockener Monate ein. Nach Regen und kühleren Tagen in der ersten Mai Hälfte sollen die Temperaturen jetzt wieder ansteigen: bereits für Ende Mai sagt der Waldbrandgefahrenindex (WBI) des DWD für den Nord-Osten Deutschlands wieder Waldbrandstufe 4 voraus.

Trockenstress und Borkenkäfer

Neben Waldbrandgefahr und Trockenstress bedroht auch der Borkenkäfer erneut die vorgeschädigten Bestände. „Wir müssen auch dieses Jahr wieder mit großen Mengen Kalamitätsholz rechnen. Eine vom Borkenkäfer befallene Fichte, die nicht rasch gefällt und abtransportiert wird, kann bis zu 20 gesunde Bäume infizieren.“ kommentiert Leonhard Nossol, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Rohholz.

Die Arbeitsgemeischaft Rohholz erwartet deshalb, dass die Branche auch in diesem Jahr vor den großen Herausforderungen stehe, die Schadholzmengen aus den Wäldern abzutransportieren, aufzuarbeiten und gleichzeitig die Wälder auf kommende Klimaextreme vorzubereiten. Dafür sei es unbedingt notwendig, dass die zugesagten Hilfen der Bundesregierung schnell und unbürokratisch dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden.

"Außerdem benötigen wir politische Anreize, um die Verarbeitung von Holz in der Industrie anzukurbeln, die derzeit oft das Nadelöhr für den Abtransport des Schadholzes und damit den Waldschutz darstellt. Zielführend wären vor allem Maßnahmen zur Steigerung der inländischen Holzverwendung, etwa im Baubereich.“ so Lukas Freise, Geschäftsführer der AGR.