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Waldbau

Wald: Juristischer Rüffel für vermeintliche Waldschützer

Waldbau
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 17.01.2022 - 13:34

"Unreflektiert und blauäugig", so urteilt die Staatsanwaltschaft Koblenz über eine Klage von Peter Wohlleben und Dr. Pierre Ibisch.

Am 15. November vergangenen Jahres erreichte die Staatsanwaltschaft Koblenz eine Anzeige. Darin wurden unter anderem Angestellte des Forstamtes Neuhäusel, der hiesigen Forstverwaltung und des Umweltministeriums beschuldigt, massive ökologische Schäden durch Sanitärhiebe auf der Montabaurer Höhe verursacht zu haben.

Laut Angaben der Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. v. (agr) handelte es sich bei den Klägern Peter Wohlleben (Wohllebens Waldakademie) und Dr. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde.

Räumung eines Fichtenbestandes in einem FFH-Gebiet

Der Vorwurf von Peter Wohlleben und Dr. Pierre Ibisch , die Verantwortlichen haben nach § 329 Abs. 4 StGB dem betreffenden Lebensraum erheblichen Schaden zugefügt, sei in mehreren Punkten nicht haltbar, beschied die Staatsanwaltschaft Koblenz in ihrer Antwort vom 09.12.2021.

Wohlleben und Ibisch klagten aufgrund der Räumung eines Fichtenbestandes in dem rheinland-pfälzischen FFH-Gebiet. Dieser war aufgrund der Hitzesommer der letzten Jahre, mehrerer Stürme und einem starken Borkenkäferbefall im Begriff zusammenzubrechen und so auch umliegende Waldflächen zu schädigen, wie die agr berichtet. Wohlleben und Ibisch argumentierten darüber, dass eine Entnahme des Totholzes, wie sie durchgeführt wurde, einen erheblichen Schaden für das Ökosystem bedeute und gemäß den FFH-Richtlinien vorab hätte geprüft werden müssen.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass ein Management der besprochenen Fläche nur im Einklang mit den Erhaltungszielen eines Natura-2000-Gebiets umzusetzen sei. Die Räumung sei aber notwendig und verhältnismäßig gewesen. Bezüglich der Schadflächen sei eine aktive „Aufforstung mit anderen hitze- und auch sturmresistenteren Lebensraumtypen (…) vielmehr auch geboten und erforderlich“.

Die Argumentation der Anzeigenden für negative Effekte auf Randgebiete sei eine „einseitige und unvollständige Betrachtungsweise, die mehr als unreflektiert und blauäugig erscheint und der nicht gefolgt werden kann“, so die Staatsanwaltschaft Koblenz.