Waldschutz

Wald: Erste Karte von Kronendachöffnungen erstellt

Schweden
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Externer Autor
am Freitag, 02.10.2020 - 15:02

Das Kronendach der europäischen Wälder hat sich in den letzten 30 Jahren teilweise deutlich gelichtet.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam der Technischen Universität München (TUM) und der Universität für Bodenkultur Wien, das mit Hilfe von über 30 000 Satellitenbildern die erste hochaufgelöste Karte von Kronendachöffnungen in Europas Wäldern erstellt hat.

Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften an der TUM, und sein Mitarbeiter Cornelius Senf, Erstautor der Studie, haben tausende Satellitenbilder analysiert und darin über 36 Mio. Flächen identifiziert, auf denen große Bäume einer Freifläche oder jungen Bäumen gewichen sind. Zusammen sind das rund 39 Mio. ha – das entspricht einem Verlust des Kronendaches auf 17 % der europäischen Waldfläche in 30 Jahren.Die Gründe dafür reichen von geregelter Holznutzung bis hin zu Windwurf oder Waldbrand.

Schweden mit der größten Öffnung im Kronendach

Wie die Wissenschaftler herausfanden, war die Größe und Form der Öffnungen im Kronendach sehr unterschiedlich. So hat zum Beispiel Schweden die größten Öffnungen im Kronendach vorzuweisen (im Durchschnitt knapp zwei Hektar), wohingegen in Portugal die höchste Anzahl an Öffnungen des Kronendaches zu verzeichnen war. Die im Schnitt kleinsten Öffnungen gibt es in der Schweiz. Sie sind mit 0,6 ha kleiner als ein Fußballfeld, während die durchschnittliche Flächengröße in Deutschland bei 0,7 ha und in Italien bei 0,75 ha lag. Die größte von den Forschern dokumentierte Öffnung im Kronendach trat in Spanien auf. Hier hat ein Feuer im Jahr 2012 ganze 17 000 ha auf einmal verbrannt.

Die neuartige Karte ermöglicht es, Änderungen im Waldzustand zu beschreiben. So fanden die Forscher unter anderem heraus, dass Öffnungen des Kronendaches in ganz Europa zugenommen haben. Das bedeutet, dass Europas Wälder offener und häufiger durch Freiflächen unterbrochen werden. Zudem wurden die Öffnungen im Schnitt größer.

Jungbestände wachsen nach

Trotz der starken Änderungen sehen die Forscher auch eine positive Entwicklung: „In den meisten Fällen wachsen nach einem Verlust des Altbestands junge Bäume nach“, sagt Cornelius Senf und fügt hinzu: „Um aber zu verstehen, wo Wälder gegebenenfalls Gefahr laufen, irreversibel geschädigt zu werden, brauchen wir eine Basislinie als Referenz. Diese zeigt die neu erstellte Karte auf.“

Seidl fügt hinzu: „Die neuen Karten helfen uns zu verstehen, wie sich Europas Wälder wandeln. Denn zunehmende Öffnungen im Kronendach sind ein Risiko für den Wald, bieten aber auch die Chance, dass sich eine neue, besser an den Klimawandel angepasste Baumgeneration etablieren kann.“ Die Karten können zum Beispiel helfen, Flächen zu identifizieren wo gezielt gepflanzt werden muss und wo der Wald sich selbst verjüngen kann.