Kalamitäten

Wälder leiden unter Dürre, Sturm und Borkenkäfer

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Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 12.09.2018 - 10:29

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schätzt die Schäden in den deutschen Wäldern bereits jetzt auf rund zwei Milliarden Euro.

Wetterextreme und Klimawandel setzen dem Wald zu. „Die Stürme im vergangenen Jahr, der extrem trockene und heiße Sommer 2018 und der Borkenkäferbefall verursachen enorme Schäden“, sagt Josef Wutz, Waldpräsident des Bayerischen Bauernverbandes.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schätzt die Schäden in den deutschen Wäldern bereits jetzt auf rund zwei Milliarden Euro. „Die Auswirkungen werden über viele Jahre spürbar und für alle sichtbar sein. Die außergewöhnliche Schadenssituation auch in den bayerischen Wäldern und die Verwerfungen auf dem Holzmarkt machen umfangreiche Hilfsmaßnahmen nötig. Denn wir brauchen klimastabilere Waldbestände und zusätzliche Waldschutzmaßnahmen.“ In einem Positionspapier fordert die Präsidentenkonferenz des Bayerischen Bauernverbandes schnelle Hilfe bei der Aufarbeitung der Schäden – damit neue Schäden verhindert und der Waldumbau vorangetrieben werden können.

Nötig sei finanzielle und unbürokratische Unterstützung:

  • Zum Beispiel für den umgehenden Aufbau von Lagerkapazitäten, um Holz qualitätserhaltend einlagern zu können und so dem Borkenkäfer Brutraum zu entziehen.
  • Dazu zählt aber auch die Unterstützung beim Einsatz von Schutznetzen und Pflanzenschutzmitteln bei lagerndem Holz gegen rindenbrütende Insekten.
  • Der Bauernverband fordert außerdem, dass durch phytosanitäre Maßnahmen verhindert wird, dass über Rundholzimporte aus Tschechien neue, schädliche Käferarten nach Bayern eingeschleppt werden.

Struktur- und Liquiditätshilfen für Waldbesitzer nötig

Da auch in den kommenden Jahren große Schadholzmengen erwartet werden, die den bayerischen Holzmarkt belasten, sind Struktur- und Liquiditätshilfen für Waldbesitzer nötig. „Auf diesem Weg kann sichergestellt werden, dass die betroffenen Waldbesitzer weiterhin gegen Borkenkäfer vorgehen und Forstunternehmer bezahlen können, die die Aufarbeitung unterstützen“, sagt Wutz.

„Für diese Hilfen sollte als erster und schnell umsetzbarer Schritt der Rückgriff auf noch nicht abgerufene Mittel aus den Unterstützungsleistungen nach Sturm ‚Kolle‘ geprüft werden.“ Zudem sollten aus Sicht des Bauernverbandes die bestehenden Spielräume genutzt werden, um Waldbesitzer steuerlich zu entlasten.

Im Wege von Billigkeitsmaßnahmen gilt es die im Forstschädenausgleichsgesetz vorgesehenen Maßnahmen für die betroffenen Betriebe nutzbar zu machen, so wie es sich in der Vergangenheit bei Großkalmitäten bewährt hat. Dazu zählen die Anhebung der Betriebsausgabenpauschale, ein Absehen von der Aktivierung des eingeschlagenen und unverkauften Kalamitätsholzes und die Anwendung des Viertel-Steuersatzes ab dem ersten Festmeter.

Langfristig werden eine Reform des Forstschädenausgleichsgesetzes, ein bayernweites Netz an Holzlagerplätzen, langfristige Rücklagen für Katastrophen, Zuschüsse für Sturm- und Waldbrandversicherungen gefordert.