Bayern

Unsere Wälder leiden weiter

Baumschaden
Karola Meeder
Karola Meeder
am Freitag, 13.11.2020 - 09:48

Der Waldbericht 2020 zeigt, dass die Nadel- und Blattverluste weiter zugelegt haben.

Nicht wirklich überraschend, aber dennoch erschreckend – so fasst Forstministerin Michaela Kaniber die Ergebnisse des aktuellen Waldberichtes zusammen. „Der Klimawandel schreitet unerbittlich voran“, sagte sie, als sie den Bericht im Landtag vorstellte. Der Zustand der Wälder habe sich infolge von drei heiß-trockenen Sommern, wie befürchtet, weiter verschlechtert.

Blattverlust

Verglichen mit dem Vorjahr ist der mittlere Nadel-/Blattverlust aller Baumarten um 3,3 Punkte auf 28 % gestiegen – dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede: Im trockenen Norden Bayerns sind die Schäden am größten, hier liegt der Nadel-/Blattverlust mit 32,1 % (2019: 28,5 %) deutlich über dem bayerischen Mittel. Der Mittelwert für Südbayern liegt bei 22,2 % (2019: 19,1 %).

11.500 Waldbäume begutachtet

Für die Waldzustandserhebung 2020 wurden von Anfang Juli bis Mitte August an 314 Inventurpunkten rund 11.500 Waldbäume begutachtet. Hier einige Ergebnisse:

  • Die Fichte ist mit 41,8 % Flächenanteil nach der letzten Bundeswaldinventur (BWI³) die häufigste Baumart in Bayern. Sie weist 2020 mit einem mittleren Nadelverlust von 24,9 % schlechtere Werte als 2019 auf – vor allem in Ober- und Mittelfranken. Der Anteil der Fichten mit deutlich sichtbarer Verlichtung (Schadstufen 2 bis 4) nahm um 9,2 Prozentpunkte auf 36,9 % zu.
  • Die Kiefer ist mit einem Flächenanteil von 17,1 % die zweithäufigste Baumart in Bayern. Sie weist im Jahr 2020 einen hohen mittleren Nadelverlust von 35,1 % auf (2019: 31,6 %). Der Anteil deutlicher Verlichtungen stieg auf 59,8 % (2019: 51,5 %) – aber mit deutlichen regionalen Unterschieden: Während sich der Kronenzustand in Nordbayern weiter verschlechterte, verbesserte er sich in Südbayern um 5,2 Prozentpunkte.
  • Die Tanne nimmt einen Flächenanteil von 2,4 % ein, Hauptverbreitungsgebiete sind der Alpenraum und ostbayerische Grenzgebirge. Im Jahr 2020 weist die Baumart einen mittleren Nadelverlust von 21,3 % (2019: 19,9 %) auf.
  • Mit 13,9 % Flächenanteil ist die Buche die häufigste Laubbaumart Bayerns. Es zeigen sich in allen Regionen außerhalb der Alpen starke Blattverluste – in Nordbayern stärker als in Südbayern. Der Anteil stärkerer Verlichtungen stieg um 18,6 Prozentpunkte auf 48,4 %.
  • Der Eichenanteil beträgt in Bayern 6,8 %. Nach einem starken Anstieg der großteils durch Insektenfraß und Mehltau verursachten Blattverluste im Jahr 2010 setzte sich die Tendenz zur Entspannung fort. Die Blattverluste bei den Eichen gingen gegenüber 2019 zurück. Dabei sank das mittlere Blattverlustprozent um 1,1 Prozentpunkte. Der Anteil der deutlichen Schäden verringerte sich um 9,1 Prozentpunkte auf 37,4 %.

Kleiner Lichtblick durch die Eiche

Die positiven Entwicklungen bei der Eiche wertete die Ministerin als „kleinen Lichtblick“ und als Bestätigung, beim Waldumbau unter anderem auf die Eiche zu setzen. Sie betonte, dass der Freistaat seinen Waldbesitzern bei der Mammutaufgabe Waldumbau unterstützt. Allein 2020 stünden 80 Mio. € an Landes- und Bundesmitteln zur Verfügung – so viel wie nie zuvor.

Aber nicht nur der Fördertopf, sondern vor allem die Herausforderungen sind groß: Bis 2030 sollen insgesamt 200.000 ha Wald klimafest sein – bisher sind es 76 000 ha. Damit der Waldumbau auf der Fläche auch gelinge, sei der Schulterschluss von Waldbesitzern und Jägern unumgänglich, betonte Kaniber. An dieser Stelle hakte Hans Urban, Bündnis 90/Die Grünen, ein. Nach lobenden Worten für den Einsatz der Ministerin fragte er, wie lange man denn noch die Wildbestände anpassen wolle. „Auf achtzig Prozent der Fläche ist das Wald-Wild-Verhältnis immer noch nicht angepasst“, sagte er. Es müsse endlich auf ganzer Fläche restriktiv durchgegriffen werden.

Bauen mit Holz

Länger als über das Wald-Wild-Thema wurde im Landtag über das Bauen mit Holz geredet. Nicht nur wegen des Beitrags zum Klimaschutz, sondern auch, um die Liquidität der Waldbesitzer wieder herzustellen, sei es wichtig, den Holzbau weiter zu fördern, sagte Urban. Martina Fehlner (SPD) blickte auf Baden-Württemberg, wo die Holzbauquote bei 32 % liegt; in Bayern beträgt sie 23 %. Fehlner forderte daher einen „Holzbau-Turbo“. Die Ministerin versicherte, dass man die Zeichen der Zeit erkannt habe und bereits an entsprechenden Maßnahmen arbeite.

Personalmangel in der Fläche trotz der hohen Herausforderungen wurde von den Grünen und der SPD bemängelt. „Unsere Mitarbeiter im Forstbereich sind oft am Limit“, sagte Fehlner. Der Waldbumbau werde nicht allein durch Fördermittel gelingen – die Waldbesitzer bräuchten auch entsprechende Beratung. Dem sei man sich selbstverständlich bewusst, sagte die Ministerin. Darum habe man im Zuge der Waldumbauoffensive bereits 54 neue Stellen geschaffen. In den Jahren 2021/22 werden laut Kaniber pro Jahr 30 weitere Stellen folgen. Bleibt also zu hoffen, dass bis zum nächsten Waldbericht die Stellen steigen und die Blatt-/Nadelverluste sinken.