Waldbau

Wälder erhalten und entwickeln

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Sepp Kellerer
am Mittwoch, 29.05.2019 - 08:58

Die Frage, mit welchen Baumarten wir unsere Wälder für die Zukunft erhalten wollen, steht ernsthaft im Raum.

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In 50 Jahren einen Brusthöhendurchmesser von 50 cm erreichen und das bei durchschnittlich nur 500 mm Jahresniederschlag, im Mai starke Spätfröste ertragen, robust gegenüber Schädlingen oder Schaderregern sein und vom Wild nicht verbissen werden. Ihr Holz sollte für Dachstühle, Möbel und für Außenverkleidungen geeignet sein.

So stellen sich die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) die Baumart vor, welche die Fichte im Zuge des Klimawandels ersetzen sollte. Natürlich gibt es diese Baumart nicht und natürlich ist die Forderung auch nicht ganz ernst gemeint. Aber die Frage, mit welchen Baumarten wir unsere Wälder für die Zukunft erhalten wollen, die steht ganz ernsthaft im Raum.

Es gibt da viele Möglichkeiten, aber genau das macht die Antwort so schwer. Ziemlich sicher ist, dass man mit Reinbeständen nicht erfolgreich sein wird. Die BaySF, als größter Frostbetrieb in Mitteleuropa, setzen zum Beispiel auf mindestens vier Baumarten in einem Bestand.

Erstrebenswert ist, dass dabei die heimischen Baumarten, die bisher vielleicht eher ein Schattendasein führen, in den Vordergrund rücken. Wenn sie jetzt auf eine bestimmte Nadelbaumart kommen, dann ist das durchaus beabsichtigt.

Überlegenswert ist, wie auch die derzeit führenden Baumarten an künftigen Beständen in erklecklichen Anteilen beteiligt werden können. Vielleicht lässt sich das durch ein intensives Augenmerk auf deren Herkunft bewerkstelligen.

Wünschenswert ist, dass auch neue Baumarten gefunden werden, die mit unserem künftigen Klima und unseren Standorten zurecht kommen und dabei entsprechende Leistungen erbringen.

Wie diese Verhältnisse aussehen könnten und welche Baumarten darauf passen könnten, daran wird intensiv geforscht. Und es werden auch Anbauversuche gefahren. Bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse bald so belastbar sind, dass dem einzelnen Waldbesitzer bei seinen Entscheidungen und Versuchen der Irrtum erspart bleibt.

Bevor wir aber die Wälder für die Zukunft gestalten können, müssen wir sie in der Gegenwart erhalten. Lassen wir uns vom bisherigen Wetterverlauf nicht täuschen, der Käfer fliegt! Und er bohrt sich ein! Bohrmehlsuche und Entnahme der befallenen Stämme sind jetzt das Gebot der Stunde. Die Karte zum Borkenkäfermonitoring in Bayern färbt sich schon bedenklich vom Grün zum Rot. Das gleiche Spiel draußen in den Beständen zu verhindern, dazu besteht jetzt noch die reelle Chance. Ich wünsche mir, dass es gelingt, sie zu nutzen.