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Moorwasserhaushalt

Bei Trockenheit: Bäume können Mooren helfen

Torfmoosreicher Fichtenhorst als „Luftfeuchte-Rettungsinsel“ für Moorarten wie die Moor-Köcherfliege im Trockensommer 2022, in einem nordbayerischen Moor.
LWF
am Freitag, 25.11.2022 - 10:17

„Hitzeflüchter“ finden Schutz und Schatten in den Wäldern

Wie sehr Moore vom Wasser abhängig sind, zeigt sich besonders, wenn das kostbare Nass fehlt. Die sehr niederschlagsarmen und heißen Sommermonate 2022 in Kombination mit erhöhter Verdunstung und sinkenden Grundwasserständen aus den Vorjahren ergaben vielerorts ein eklatantes Mangeljahr, auch für die Moore. Maßnahmen zur Stabilisierung des Moorwasserhaushalts werden dem LWF zufolge dadurch noch wichtiger, aber auch noch anspruchsvoller.

Wichtigster Ansatz ist weiterhin der Verschluss von Entwässerungsgräben im Moorkörper. Zunehmend muss jedoch auch das Einzugsgebiet im Umfeld, also auch die umliegenden Mineralböden, betrachtet werden: Verlaufen dort Straßen, die den Wasserzufluss in das Moor durch Dammwirkung oder Seitengräben abschneiden? Wird Wasser von benachbarten Wiesen oder Feldern aktiv weggeleitet in einen Vorfluter? Finden sich dort dichte Fichtenbestände mit vergleichsweise hohem Wasserverbrauch?

Trockenheit begünstigt Borkenkäfer

Trockenjahre bringen auch die Wälder auf Torfböden vielerorts in Bedrängnis. Das betrifft sowohl natürlichen Moorwald als auch Bestände auf entwässerten Torfböden. Die oftmals nicht sehr tief wurzelnden Bäume sind anfällig für oberflächliche Austrocknung und in der Folge für Borkenkäfer-Befall, bis hin zum Absterben.

Andererseits können Nadelwaldbestände auf Torfböden für austrocknungsempfindliche Moorbewohner Refugien darstellen. „Hitzeflüchter“ wie z. B. die Moor-Köcherfliege finden in den luftfeuchteren Waldbeständen mit ihren Torfmoospolstern Zuflucht vor der sengenden Sonne und der „Backofen-Hitze“ des offenen Moores. Durch Beschattung und Windruhe tragen solche Waldbestände unter Umständen mehr zur Wassereinsparung im Moor bei als sie für sich selbst verbrauchen.

Die Fichte nicht verteufeln

Auch ein aktuelles Gutachten für das Schwarze Moor in der Rhön von Prof. Succow und Prof Kaule bestätigt die Einschätzung, dass grundsätzlich der Moorwasserstand das Baumwachstum steuert und nicht umgekehrt. Bäume pauschal als „Wasserverbraucher“ abzustempeln und zu beseitigen, greift daher viel zu kurz. Moore sollten daher als vielfältige Lebensräume wahrgenommen und auch Moorrandwälder mit führender Fichte nicht verteufelt werden. Gerade hier hat die Fichte ja in vielen Regionen der tieferen Lagen ihre ursprünglichen natürlichen Vorkommen.