Waldumbau

Startschuss für die 30 Millionen

Eichenlaub in der Herbstsonne
K. M.
am Donnerstag, 08.10.2020 - 16:12

Auf los gehts los: In diesen Tagen werden die ersten Bäumchen des 30-Millionen-Bäume-Programms im bayerischen Staatswald gepflanzt.

Ein gutes Jahr, nachdem das 30-Millionen-Bäume-Programm angekündigt wurde, soll es jetzt in die praktische Umsetzung gehen: „Die Bayerischen Staatsforsten starten pünktlich zur Pflanzsaison mit dem 30-Millionen-Bäume-Programm für mehr Klimaschutz“, haben die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) Anfang der Woche in einer Pressemitteilung erklärt. Offensichtlich eine Reaktion auf die Berichte verschiedener Zeitungen vom Wochenende, so wählte beispielsweise die Passauer Neue Presse folgende Überschrift: „Noch kein Baum in 30-Millionen-Bäume-Programm gepflanzt“. Die Kritik ist nicht ganz unbegründet, denn eigentlich wollte man bis Ende des vergangenen Frühjahres schon die ersten 500 000 Bäumchen im Boden haben.

Deshalb ist noch kein Baum gepflanzt

Die Erklärung, warum noch keiner der versprochenen 30 Millionen Bäume im bayerischen Staatswald steht, findet sich natürlich auch in der Pressemitteilung: Aufgrund der notwendigen beihilferechtlichen Prüfung durch die EU und günstigerer Pflanzbedingungen im Herbst erfolgt der Start der Klimawald-Pflanzungen erst jetzt.

Über eine Million zusätzliche Klimawald-Bäume sollen laut BaySF noch in diesem Herbst und Winter auf 380 ha gepflanzt und gesät werden, davon 86 % Laub- und 14 % Nadelbäume. Ziel ist es, den Umbau der bayerischen Wälder hin zu klimatoleranten und stabilen Mischwäldern zu beschleunigen. Die BaySF wollen insgesamt rund 6 Mio. junge Bäume jährlich für den Zukunftswald von morgen pflanzen. „Bis Ende 2024 werden wir 30 Millionen neue Bäume im Staatswald pflanzen“, erklärt Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der BaySF.

Bis 2030 soll der Umbau erfolgt sein

Bis 2030 will man im Bayerischen Staatswald den Waldumbau geschafft haben. „Über die Hälfte des Waldumbaus ist schon erreicht. Jetzt müssen wir in den nächsten zehn Jahren mit Hochdruck noch circa 85 000 ha schaffen. Dabei hilft uns das Klimawald-Programm sehr“, so Staatsforsten-Chef Neumeyer weiter.

Schwerpunkt Eiche

Bleibt noch die Frage, auf welche Bäume man für einen klimastabilen und zukunftsfähigen Wald setzen soll. Laut BaySF bleiben die heimischen Baumarten weiterhin die tragende Basis eines klimagerechten Waldbaus. Es werde allerdings eine Verschiebung in der Artenzusammensetzung geben. „Wir müssen auf bewährte Baum- arten setzen wie Tanne, Eiche, Douglasie, Buche – aber auch auf ältere, oft in Vergessenheit geratene wie Elsbeere, Flatterulme, Esskastanie, Kirsche, Eibe, Feldahorn sowie Sommer- oder Winterlinde“, erklärt BaySF-Waldbau-Vorstand Reinhardt Neft. Daher will man im Staatswald künftig mindestens vier verschiedene Baumarten auf einer Fläche haben.

Schwerpunkt liegt auf der Eiche

Absoluter Schwerpunkt wird in diesem Herbst auf der Pflanzung und der Saat von Eichen liegen (rd. 850 000 Stk.), die als tiefwurzelnde heimische Art in ganz Bayern eine sehr günstige Klimaprognose hat. Auch können die Förster in diesem Jahr eine natürliche Eichenmast – also eine starke Ausbildung von Eicheln – als Saatgut für den Zukunftswald nutzen. Auch Weißtannen (rd. 100 000 Stk.), Buchen (rd. 100 000 Stk.) und Douglasien (50 000 Stk.) spielen eine wichtige Rolle beim Waldumbau. Der Rest verteilt sich auf Edelkastanie, Elsbeere, Kirsche, Spitzahorn, Eibe, Ulme und Wildobst.

Regionale Unterschiede

Der Klimawandel wirkt sich in Bayern regional unterschiedlich aus. Das muss bei der Baumartenwahl berücksichtigt werden. Besonders hart getroffen haben Trockenheit, Hitze und Borkenkäfer in den letzten beiden Jahren den Frankenwald sowie Teile Ober-, Unter- und Mittelfrankens. Um die Schadflächen im Frankenwald aufzuforsten und die dort schwer geschädigten Fichtenbestände umzubauen, werden hier hauptsächlich Eichen und Tannen gepflanzt.

Regional sehr unterschiedliche Anforderungen

Auch in anderen fränkischen Landesteilen haben Trockenheit und Hitze zu Schäden an Fichten, Buchen und Kiefern geführt. Neben der Eiche, Tanne und Douglasie werden hier auch seltene heimische Baumarten wie Elsbeere, Kirsche und Edelkastanie Teil der neuen Klimawald-Kulturen sein.

In Südbayern werden die Staatswälder rund um den Forstbetrieb Berchtesgaden am stärksten durch die zusätzlichen Klimawald-Kulturen unterstützt. Auf einer Fläche von insgesamt knapp 30 ha pflanzen die Forstwirte der Staatsforsten in den kommenden Wochen vor allem Tanne, Buche und Eibe, um den Bergwäldern zu helfen. Aber auch seltene, trockenheitstolerante Edellaubhölzer wie Ulme, Sommer- und Winterlinde werden verstärkt eingebracht. Hier werden Baumarten benötigt, die an das alpine Klima angepasst sind. Im durch den Februarsturm Sabine schwer getroffenen Forstbetrieb Sonthofen spielen zudem auch die Douglasie sowie Eiche und Kirsche eine wichtige Rolle.