Preise für Rundholz

Stammholzpreise: Es geht endlich aufwärts

Fichtenwald
Barbara Weindler, Bayerischer Waldbesitzerverband
am Freitag, 07.05.2021 - 09:40

Die Preise für Fichtenstammholz ziehen wieder an. Die Waldbauern sind angesichts der jahrelangen Preismisere weiterhin skeptisch.

Der Fichtenstammholz markt hat sich in kürzester Zeit vom Angebots- zum Nachfragemarkt gedreht. Der Privatwald hält sich im Einschlag aber zurück. Zu hoch ist der Vertrauensverlust aus dem letzten Jahr. Die anhaltend gute Baukonjunktur in Deutschland, die verbesserten Rahmenbedingungen beim Holzbau und die gute Nachfragesituation aus dem In- und Ausland führen dazu, dass die Wirtschaftssituation im Holzgewerbe weiter positiv ist.

Insbesondere die Nadelsägeindustrie verzeichnet eine hohe Nachfrage, mit weiteren noch nie dagewesenen Preissteigerungen in den Hauptsortimenten wird gerechnet. Trotz hoher Produktionsraten können wichtige Nachfragemärkte, insbesondere im Bereich der Spanplatte und der Palettenproduktion nicht ausreichend bedient werden, sodass es in diesen Sektoren zu Produktionseinschränkungen kommt. Auch beim Holzbau kommt es aufgrund des begrenzten Angebotes bei einer gleichzeitig hohen Nachfrage teilweise zu verlängerten Lieferfristen. Auch über die Spotmärkte kann nicht ausreichend Rohstoff generiert werden. Zuletzt zeigte sich ebenfalls auf den Laubschnittholzmärkten eine verbesserte Nachfrage.

Frisches Fichtenholz ist wieder gefragt

Frisches Fichtenrundholz wird anhaltend gut nachgefragt. Seit Jahresbeginn konnten flächendeckend in Bayern Preissteigerungen bei frischer Ware umgesetzt werden, die aber, trotz weiterer Steigerungen zum zweiten Quartal noch nicht mit der Schnittholzpreisentwicklung mithalten können. Derzeit liegt das Preisniveau für frische Fichtenabschnitte in Nordbayern bei FL B/C 2b im Schnitt bei 70 bis 85 €/fm und in Ost- und Südbayern bei 82 bis 95 €/fm.

Auch die Nachfrage nach Fichtenlangholz ist gut. Das Preisniveau liegt in Südbayern bei 85 bis 95 €, bis zu 100 €/fm können auf Spotmärkten für ST B 2b erzielt werden. Auch Abschläge für schwächeres und stärkeres Holz wurden seit Jahresbeginn reduziert, und die Aushaltung schwächerer Dimensionen ist wieder möglich. Hier gilt es weiter, mit den Kunden über eine Verbesserung der Aushaltungsbedingungen hinsichtlich Zopf- und Stockdurchmesser zu arbeiten.

Aufgrund der anhaltend guten Nachfrage auf den Absatzmärkten versucht die Nadelschnittholzindustrie aus dem In- und teilweise auch aus dem Ausland verstärkt Kontingente in den Hauptschadregionen in Nordbayern und Mitteldeutschland längerfristig zu sichern.

Trotz der Preissteigerungen und guten Nachfragesituation hält sich vielerorts der Kleinprivatwald mit Frischholzeinschlägen zurück. Das Verhalten der Holzindustrie über den vorigen Sommer hinweg führte bei zahlreichen Waldbesitzern zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust.

Entwicklung hängt auch an den Kalamitäten

Selten hat sich der Nadelstammholzmarkt innerhalb einer so kurzen Periode von einem Überangebotsmarkt zu einem Nachfragemarkt entwickelt. Die über den Sommer aufgebauten Holzlager konnten vielerorts bereits aufgelöst werden. Ob es sich um eine grundsätzliche, andauernde Trendumkehr handelt, wird die diesjährige Kalamitätssituation zeigen.

Prognosen gehen für Bayern von rund 5 Millionen Festmeter Kalamitätsholz, mit einem Schwerpunkt bei der Fichte, aus. Im letzten Jahr lag der bayernweite Kalamitätsholzanfall bei 8 Mio. fm. Das tatsächliche Ausmaß wird letztendlich auch von der Niederschlagssituation im Frühjahr und Sommer abhängig sein. Zwischen den Tiefstpreisen im späten Sommer 2020 von durchschnittlich 30 bis 40 €/fm im Privatwald und aktuellen Durchschnittspreisen von 70 bis 80 €/fm bei der Fichte zeigt sich die derzeitige Volatilität des Marktes. Schwierig bleibt aber weiter die Vermarktung von Koppelprodukten, insbesondere von Nadelindustrie- und Papierholz. In diesen Sortimenten sind weiterhin die Abnahmemengen begrenzt und das Preisniveau ist keineswegs zufriedenstellend. Auch für die Kiefer zeigt sich noch keine grundsätzliche Entspannung mit einer anziehenden Nachfrage und besseren Preisen.

Die Einschlagssaison für Laubstammholz geht saisonbedingt zu Ende. Die laufenden Laubholzverträge werden zu den bestehenden Konditionen bedient. Die Wintereinschläge haben gezeigt, dass die Qualität vorgeschädigter Buche insgesamt schlechter und nicht immer für die Schnittholzerzeugung geeignet ist. Beim Laubindustrieholz ist die Nachfrage stabil und regional hat sich das Preisniveau wieder etwas verbessert.

Keine Trendwende beim Energieholz

Keine grundsätzliche Trendwende zeigt jedoch der Energieholzmarkt. Zwar war insbesondere in Südbayern über die Wintermonate hinweg eine zunehmende Hackschnitzelnachfrage zu verzeichnen, die erzielten Preise liegen aber immer noch auf einem nicht zufriedenstellenden Niveau. Dagegen ist sowohl die Nachfrage- als auch die Preissituation beim Brennholz innerhalb und außerhalb der Hauptschadregionen anhaltend stabil.

Auch 2021 wird in Deutschland wieder mit hohen Kalamitätsanfällen gerechnet, Schwerpunkte bleiben die bekannten Schadregionen in Nordbayern und Mitteldeutschland. Der Waldschutz muss deshalb weiterhin Priorität haben.

Aktuelle Konditionen können Sie bei den Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften vor Ort erfragen. Der Ständige Ausschuss der Plattform Forst und Holz zur RVR-Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland hat für die Nadelholzarten Fichte und Kiefer einen bebilderten Sortierkatalog erarbeitet. Darin sind die in der RVR definierten Qualitätsklassen anschaulich dargestellt.