Bayerische Staatsforsten

Die Staatsforsten machen erstmals Minus

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Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Freitag, 23.10.2020 - 08:57

Der massive Borkenkäferbefall und der Zusammenbruch des Holzmarktes haben auch den Staatswald getroffen.

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) schreiben in ihrem 15-jährigen Bestehen erstmals rote Zahlen. Das operative Geschäft weist ein Minus von 36 Mio. € aus. Der komplette Jahresfehlbetrag beläuft sich auf 80 Mio. €. Mit langfristigen Krediten in sechsstelliger Höhe soll das Defizit nun aufgefangen werden.

Gewinne eingefahren

In den vergangenen Jahren haben die Staatsforsten teils hohe Gewinne eingefahren. 850 Mio. € konnten in den ersten 14 Jahren insgesamt erwirtschaftet werden. 650 Mio. € flossen in den Staatshaushalt ab, 200 Mio. € wurden für Pensionsrückstellungen für die Mitarbeiter hinterlegt.
„Der Borkenkäfer hat uns im Griff“, erklärte Bayerns Agrarministerin und BaySF-Aufsichtsratsvorsitzende Michaela Kaniber auf der Bilanzpressekonferenz in München. Jetzt gehe es darum, „die richtigen Weichen zu stellen“. Zu Kanibers Maßnahmen gehört die Stärkung der Führungsebene. Gemeint ist damit der neue Finanzvorstand Manfred Kröninger. Zudem sollen die Staatsforsten strukturell neu ausgerichtet, neue Absatzmöglichkeiten erschlossen und Optimierungen im Bereich Personal vollzogen werden.

Gute Arbeit gegen Käfer

In Sachen Borkenkäferbekämpfung leisten die Mitarbeiter der BaySF ganze Arbeit. 200 000 Arbeitsstunden wurden in die Käfersuche investiert. Laut Kaniber weist der Staatswald so wenig Schadholz auf wie seit 2017 nicht mehr. „Eine herausragende Leistung der Mitarbeiter“, so die Ministerin.
Mit 5,1 Mio. Festmeter „konnte das Einschlagen im Korridor gehalten werden“, erklärte der Vorstandvorsitzende Martin Neumeyer. Die Devise lautet: „Nicht mehr Holz als notwendig auf einen schlechten Markt bringen.“ In den Verkauf gingen nur 4,2 Mio. Festmeter. Das ist weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre.
Laut Neumeyer werden auch die privaten Waldbesitzer Geduld brauchen, bis sich der Markt wieder erholt. Es gebe aber jetzt schon Anzeichen für eine Preiserholung, „die Nachfrage nach hochwertigem Holz wird steigen“. Neumeyers Kampfansage: „Wir geben keinen Quadratmeter Staatswald auf.“
Die derzeitige Lage der Staatsforsten ist durchaus ernst. „Alles zusammen kann man als kritisch bezeichnen“, meinte der Finanzvorstand Kröninger. Bei Sonderausgaben soll gespart werden, für das bereits begonnene neue Wirtschaftsjahr wird das Defizit laut Kröninger „wohl noch etwas höher“ ausfallen.
Dass der Staatswald vergleichsweise gut da steht, liegt an der „konsequenten Käferbekämpfung“. Nach den Zahlen von Vorstand Reinhardt Neft fielen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 300 000 Festmeter weniger an Schadholz an. Indes geht der Waldumbau zu mehr Klimaneutralität weiter. Das können Tannen, Eichen oder Buchen, oder auch alte Sorten wie die Flatterulme sein. Um den Staatswald weiter gesund zu halten, plädiert Neft, ins Personal zu investieren und Fachkräfte an die BaySF zu binden. Er sieht keinen großen Personalabbau, sondern die Lenkung der Arbeitskräfte in die Waldarbeit.

Niemand hängen lassen

Dem stimmte die Aufsichtsratsvorsitzende auf gewisse Weise zu. Sie wolle den Strukturprozess mit dem Namen „Projekt Forstbetrieb 2030“ langsam angehen lassen. „Die Staatsforsten waren in den letzten 15 Jahren mehr als erfolgreich“, sagte Kaniber. Man müsse hier über die Abgabementalität nachdenken. Fest steht auch: Hätte man den Staatsforsten erlaubt Rücklagen zu bilden, müssten jetzt keine Kredite aufgenommen werden. Unterstützung sagte die Ministerin den privaten Waldbesitzern zu: „Wir lassen da niemand alleine.“