Forstpolitik

So wird die Waldprämie bewertet

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 17.11.2020 - 17:18

Ab Freitag können Waldbauern die Hektarprämie beantragen. Die Hilfe löst Lob und Kritik aus.

Von der Marwitz, Hans-Georg

Unter den Waldbauern findet die neue Flächenprämie von 100 €/ha überwiegend positive Resonanz. Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, begrüßt diese Hilfen. Diese Unterstützung gebe uns Rückenwind. Denn die Waldeigentümer befinden sich laut von der Marwitz in einer doppelten Krise: Sie leiden sowohl unter Trockenheit und Schädlingsbefall als auch unter den Folgen der Pandemie. „Beide Krisen haben den Holzmarkt destabilisiert und die Holzpreise teils ins Bodenlose fallen lassen“, sagte der Präsident.

Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst freut sich, dass die im Sommer zugesagten Mittel nun endlich abgerufen werden können. „Das ist eine wichtige Hilfestellung für den Wald und die Forstwirtschaft in der aktuellen Krise“, erklärte er. Allerdings biete die Einmalförderung keine Zukunftsperspektive. „Um unsere Wälder langfristig zu stabilisieren, müssen wir in eine Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes einsteigen. Dies ist ein logischer Schritt, wenn Deutschland in 2021 in eine CO2-Bepreisung einsteigt“, verlangt Elverfeldt.

Der Bundestag hat bereits am 5. November die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, damit die 500 Millionen Euro umfassenden Waldhilfen aus dem Corona-Konjunkturprogramm möglichst schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden können, so CSU-Agrarsprecher Artur Auernhammer.

So darf die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), die für die Abwicklung zuständig ist, auf die Daten der Beitragsbescheide der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zugreifen.

„Die Waldprämie bietet unseren Waldbauern die dringend benötigte finanzielle Unterstützung, die dem notwendigen Umbau zu einem klimastabilen Wald zu Gute kommt,“ meint der CSU-Abgeordnete.

Kritik reicht von Gießkanne bis Weihnachtsgeschenk

Der WWF Deutschland sieht die Waldprämie indes als Weihnachtsgeschenk und nicht als Nachhaltigkeitsprämie. „Das, was Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine „Nachhaltigkeitsprämie“ nennt, ist tatsächlich eine pauschale Flächenprämie. Je mehr Wald, desto mehr Geld gibt es“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz bei WWF Deutschland. Die Organisation fordert stattdessen, dass Fördermittel aus Steuergeldern nur die Forstbetriebe erhalten sollen, die tatsächlich auch erhebliche Waldschäden haben. Immerhin habe der Bund die Forderung des WWF aufgegriffen, dass FSC-zertifizierte Wälder mehr Unterstützung erhalten als PEFC-zertifizierte Wälder. Damit habe sie die unterschiedlichen ökologische Maßstäbe von Zertifizierungssystemen anerkannt.

Eine höhere Honorierung für die FSC- und Naturland-Zertifizierung sei absolut gerechtfertigt, findet NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. PEFC habe hingegen kaum zusätzliche Anforderungen im Vergleich mit den Waldgesetzen. Zudem stelle PEFC nicht sicher, ob die zertifizierten Waldbesitzer jemals bezüglich der Einhaltung der Standards überprüft werden, bemängelt Krüger.

Da das Geld nun mit der Gießkanne verteilt werde, sei es ein Tropfen auf dem heißen Stein und werde die Situation für den Wald nicht verbessern, ist der NABU-Präsident überzeugt.

Seiner Meinung müsse die sogenannte Nachhaltigkeitsprämie ein Fall für den Bundesrechnungshof werden. Dieser müsse prüfen, ob der Bund durch die nicht vorhandenen Kriterien für nachhaltiges Wirtschaften Steuermittel verschwende.

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