Rohstoffe aus dem Wald

Selbst Papier wird knapp

Zellstoff
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 03.11.2021 - 07:51

Für die Papierherstellung notwendige Rohstoffe wie Altpapier oder Zellstoff haben sich überdurchschnittlich verteuert.

Die Papierindustrie in Deutschland ist eine der größten der Welt. Im Jahr 2019 erwirtschafteten die Unternehmen der Branche mit 160.000 Beschäftigten einen Umsatz von 45,41 Milliarden Euro.  

Ein großer Teil der benötigten Rohstoffe zur Papierherstellung wird nach Deutschland importiert. Von Januar bis August 2021 wurden insgesamt 3,41 Millionen Tonnen Papier und Pappe zur Wiederverwertung importiert, das war fast ein Viertel (22,1 %) mehr als im Vorjahreszeitraum.

Brasilien ist wichtigster Zellstofflieferant

Die Importe von Holz- und Zellstoff legten im Vergleichszeitraum zwar ebenfalls zu: um 7,7 % auf insgesamt 2,97 Millionen Tonnen in den ersten acht Monaten dieses Jahres. Allerdings dürfte sich die ebenfalls große globale Nachfrage nach dem Rohstoff Holz, aus dem Zellstoff gewonnen wird, hier dämpfend ausgewirkt haben.

Ein großer Teil des nach Deutschland eingeführten Zellstoffs kam zuletzt aus Schweden (18,3 %) und Finnland (14,2 %), die auch zu den weltweit wichtigsten Holzexport-Staaten zählen. Wichtigstes Herkunftsland war allerdings Brasilien mit einem Anteil von 22,9 %.

Erzeugerpreise für einzelne Papierprodukte deutlich gestiegen

Steigende Rohstoffpreise und eine gewachsene Nachfrage vor allem nach Verpackungen und Kartonagen aus Papier und Pappe haben auch die Erzeugerpreise für bestimmte Papierprodukte deutlich steigen lassen. Besonders das sogenannte Wellenpapier, das aus Altpapier hergestellt und zur Polsterung von Verpackungen und Kartons genutzt wird, hat sich deutlich verteuert: +78,5 % im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat. Für sogenannte Testliner – aus Altpapier hergestelltes Deckpapier für Wellpappe – erzielten die Hersteller im September 2021 um 56,5 % höhere Preise als ein Jahr zuvor. Dagegen fiel die Preissteigerung für grafisches Papier mit +5,3 % gegenüber dem September 2020 sowie für Zeitungspapier mit +13,3 % vergleichsweise gering aus.

Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sind die deutlichen Preissteigerungen auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen bisher erst in vergleichsweise geringem Umfang angekommen. Papierprodukte wie Druckerpapier oder Schulhefte waren im September 2021 um 4,5 % teurer als im Vorjahresmonat. Die Verbraucherpreise insgesamt legten im selben Zeitraum um 4,1 % zu. 

Mehr als 99 % des hierzulande eingesammelten Altpapiers werden stofflich verwertet

Inzwischen werden 99,3 % der Papier-, Pappe- und Kartonage-Abfälle, die bei den privaten Haushalten und im Gewerbe getrennt eingesammelt werden, stofflich wiederverwertet – beispielsweise für die Herstellung von neuem Papier. Insgesamt 6,98 Millionen Tonnen Altpapier-Abfälle fielen im Jahr 2019 in Deutschland aus diesen Bereichen an, das waren 13,7 % weniger als zehn Jahre zuvor.