Aus der Politik

Schulze fordert Mitsprache beim Waldumbau

Wald
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Karola Meeder
am Dienstag, 20.08.2019 - 14:55

Nicht nur beim Bundeslandwirtschaftsministerium sorgt das für Kopfschütteln. „Wir brauchen keine Besserwisser, sondern besser Wissende“, sagt dazu die Europaabgeordnete Marlene Mortler.

Wie Deutschlands Wälder künftig geführt werden sollten, das hat das Bundesministerium für Umwelt (BMU) in seinen „Leitlinien für die Wiederbewaldung in Deutschland“ zusammengefasst. Das Wiederbewaldungsprogramm, wie es das Bundeslandwirtschaftsministerium mit dem „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ fordert, sei in der aktuellen Lage richtig, heißt es im Vorwort der Leitlinien. Schon im nächsten Satz setzt man aber zum Angriff an: Ein solches Programm müsse aber Vorbildcharakter für den Waldumbau in der breiten Fläche haben. Mit den erheblichen öffentlichen Mitteln dürfte man das Problem nicht „noch einmal um eine Waldgeneration verlängern“. Anfällige Fichtenwälder dürften nicht durch anfällige Fichtenwälder ersetzt werden, heißt es weiter – Respekt! Danke für diese Erkenntnis liebes BMU. Irritation auch beim BMEL: Diejenigen, die davon sprechen, die Politik hätte vor, „monokulturelle Nadelholzplantagen“ anzulegen, seien entweder nicht auf der Höhe des Informationsstandes oder im Kampagnenmodus, sagte ein Sprecher des BMEL dazu.

Leitlinien zur Wiederbewaldung verfasst

Begleitend zur Veröffentlichung der Leitlinien, hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze einen Brief an Julia Klöckner geschrieben – die Berliner Morgenpost betitelte ihn sogar als Brandbrief. Demnach habe Schulze darin verdeutlicht, dass die Fachleute des Umweltministeriums am besten wüssten, wie die öffentlichen Mittel am sinnvollsten für die Wiederbewaldung eingesetzt werden sollten. Außerdem gehe aus dem Brief hervor, dass Frau Schulze an dem Waldgipfel teilnehmen möchte, der am 25. September stattfinden soll.

Wie deutlich Svenja Schulze ihren Wunsch auf Mitsprache in dem Brief tatsächlich ausgedrückt hat, bleibt fraglich – den „Brandbrief“ wollte das BMU nicht an die die Wochenblatt-Redaktion herausgeben. Dass Frau Schulze gerne am Waldgipfel teilnehmen würde, wurde uns aber bestätigt.

Kritik von Marlene Mortler

Die Forderungen nach Mitsprache beim Waldumbau kritisierte die Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises Landwirtschaft und Europaabgeordnete, Marlene Mortler, als respektlos gegenüber den Försterinnen und Förstern in Deutschland.

Der Privat-, Kommunal- und Staatswald sei in guten Händen. "Wir brauchen daher keine Besserwisser, sondern besser Wissende, also echte Lösungen statt Schuldzuweisungen“, so Mortler an die Adresse des Bundesumweltministeriums. Die Zuständigkeit auf Bundesebene für den Waldumbau liege zurecht im Bundeslandwirtschaftsministerium, wo die erforderliche Kompetenz vorhanden sei. Am Waldumbau und an klimatoleranten Zukunftswäldern werde seit vielen Jahren geforscht und gearbeitet.

Anteil unbewirtschafteter Wälder erhöhen

Während in erster Linie der Brief an Frau Klöckner und das Vorwort der Leitlinen für Aufregung sorgen, gibt es auch in den Leitlinien selbst Formulierungen, die aufhorchen lassen. So sieht man zwar den Wald als „Klimaschützer“ – nicht aber, indem man Holz nutzt und dadurch in langlebigen Holzprodukten CO2 speichert, sowie die Verwendung fossiler Rohstoffe reduziert. Nein, im Fokus des BMU steht es, die Wälder insgesamt älter werden zu lassen und mehr Totholz anzureichern – als Referenz werden Buchenurwälder in den ukrainischen Karpaten genannt.

Auch der Anteil unbewirtschafteter Wälder soll erhöht werden. Das BMU verweist dazu auf die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“. 2007 wurde darin das Ziel formuliert, dass der Anteil der Naturwälder bis 2020 5 % betragen soll. Derzeit liegt der Anteil laut BMU bei 2,8 % – der Anteil der unbewirtschafteten Wälder müsste also fast verdoppelt werden.

Mit Material von BMU, BMEL, AgE