Unfallvermeidung

Schadholz aufarbeiten – aber sicher

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Fritz AllingerChristian MüllerSVLFG
am Mittwoch, 29.05.2019 - 10:44

Wir befinden uns noch im ersten Halbjahr 2019 und schon 14 Menschen haben in Bayerns Wäldern ihr Leben verloren. Was sind die Ursachen für diese erschreckenden Zahlen?

Die aktuelle Lage in den bayerischen Wäldern ist äußerst angespannt. Seit Jahren schädigt der Borkenkäfer unsere Wälder als Folge mehrerer, sehr trockener und heißer Sommer. Die Sägewerke sind überfüllt, der Holzabsatz ist schleppend und die Preise sind im Keller. Dazu kommen zahlreiche, lokal unterschiedlich stark ausgeprägte Sturmtiefs, die seit letztem Herbst über Bayern gezogen sind und zusätzlich enorme Schäden im Wald verursachten. Erschwerend kommen heuer in vielen Regionen Bayerns noch große Schäden durch Schneebruch hinzu. Insbesondere in Höhenlagen zwischen 600 und 900 m konnten die Bäume der Last der Schneemassen nicht trotzen und brachen unter dem Gewicht des nassen Schnees zusammen. Das gebrochene Holz sowie am Boden liegende Gipfelstücke oder stehende Baumteile sind wiederum ein optimaler Brutplatz für Borkenkäfer.
Um die Gefahr von weiteren Schäden durch Borkenkäfer zu verringern, sind sämtliche Waldbesitzer angehalten, ihr Schadholz möglichst rasch aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen. Die Berufsgenossenschaft für Landwirtschaft und Forsten möchte die Waldbesitzer dabei unterstützen, trotz der schwierigen Ausgangslage möglichst unfallfrei und gesund durch das Jahr 2019 zu kommen.
Darum gibt die SVLFG den Waldbesitzern folgende Tipps:
  • Maschineneinsatz: Grundsätzlich ist es immer sicherer, die Aufarbeitung von Schadholz mithilfe von Maschinen (Harvestern) durchführen zu lassen. Ist die betroffene Waldfläche zu klein oder der Holzanfall zu gering, kann man sich mit Nachbarn zusammenschließen. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft empfiehlt, sich unbedingt an die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (Waldbesitzervereinigungen, Forstbetriebsgemeinschaften) oder den Holzhändler vor Ort zu wenden. Diese können Maschineneinsätze bündeln und koordinieren.
  • Hilfe durch Forstunternehmer – immer mit schriftlichem Auftrag: Eine weitere Möglichkeit, Unfälle zu vermeiden, ist die Übergabe der Arbeiten an geeignete Forstunternehmer – in Zeiten hohen Arbeitsanfalls sind diese allerdings Mangelware. Die SVLFG empfiehlt, sich vor Auftragserteilung von den Fähigkeiten des Auftragnehmers zu überzeugen. Ein zweitägiger Motorsägenkurs stellt keine Qualifikation als Forstunternehmer dar. Auch ist zu beachten, dass die Auftragserteilung an einen Unternehmer immer schriftlich erfolgt, da ohne Auftrag der Waldbesitzer für die Arbeiten des Unternehmers haftet.
  • Selbstüberschätzung kann das Leben kosten: Wer selbst aufarbeiten will oder muss, der muss auch die nötigen Fähigkeiten besitzen (z. B. richtige Baumansprache) und die Technik beherrschen. Stellen Sie sich folgende Fragen: Beherrsche ich die erforderlichen Schneidetechniken? Habe ich die nötige Erfahrung? Habe ich die nötige Ausrüstung (Seilwinde, Spillwinde) dabei? Die Schadholzaufarbeitung darf nur mithilfe einer Seilwinde erfolgen. Denn nur damit können auch besonders gefährliche Bäume mit abgestorbenen Kronenteilen oder Ästen sicher gefällt werden.
Die Erfahrung zeigt, dass viele Waldunfälle vermeidbar sind. Die meisten Waldbesitzer sind schon mit der regulären Waldarbeit schlichtweg überfordert. Sie haben weder die nötige Ausbildung noch die entsprechende Erfahrung (Auch durch jahrzehntelange Brennholzaufarbeitung erwirbt man kaum Erfahrung in der Holzernte). Ebenso wenig verfügen sie über die notwendige Technik. In Jahren mit extrem hohem Schadholzanfall wie 2019 ist es verständlich, dass sämtliche Personen, die sich dem Wald verbunden fühlen, mithelfen möchten, das Holz so schnell wie möglich aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, sich selbst zu überschätzen und einen schweren oder gar tödlichen Waldunfall zu erleiden. Die Folgen eines solchen Unfalls für die Betroffenen, die Angehörigen oder den Betrieb sind dann oft erheblich und nicht auszudenken. Der wirtschaftliche Wert eines Käferbaumes rückt unter diesem Gesichtspunkt schnell in den Hintergrund.

Schützen Sie sich und andere. Holen Sie sich Hilfe von echten Profis – die finden Sie in der Unternehmer- datenbank unter: udb.bayern.de.