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Forst

Schadholz aufarbeiten – Frischholz stehen lassen

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Barbara Weindler, Bayerischer Waldbesitzerverband
am Montag, 04.07.2022 - 12:20

Aufgrund der Marktsituation sollten Frischholzeinschläge derzeit zurückgestellt werden. Die Aufarbeitung von Sturm- und Käferholz muss dagegen zügig laufen und absolute Priorität haben.

Inflation, Energie- und Rohstoffkrise, Ukrainekrieg und Coronavirus: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird zunehmend von Sorgen geprägt. Die Unsicherheit zeigt sich auch beim Holzgewerbe. Hohe Energiepreise und die drohende Gasknappheit, erste Auftragsstornierungen am Bau – bei einer aber anhaltend hohen Auslastung der Unternehmen – und Materialknappheit anderer Baustoffe sowie eine weiterhin ausreichende Versorgungssituation beim Handel und Handwerk senkt die Stimmung in der Holzwirtschaft.

Die Märkte sind schwer einzuschätzen

Der Aufwärtstrend wurde heuer früher gebrochen als im Vorjahr. Werden die Unternehmen nach ihrer Einschätzung für die nächste Zeit gefragt, wissen viele Abnehmer nicht, wo es genau hingeht und möchten sich ungern langfristig festlegen. Zusätzlich führen die in einigen Bundesländern gestarteten Ferien zu weiterer Zurückhaltung. Von dieser Situation werden auch aktuell anstehende Verhandlungen geprägt.

Gleichzeitig erzeugen Trockenheit und Hitze, aber auch örtlich begrenzte Folgen einzelner Sturmereignisse bei Gewittern Sorgen im Wald. Die Waldbesitzer rechnen innerhalb der Hauptschadgebiete wieder mit Käferschäden. In Bayern hat der Hauptschwärmflug begonnen. Befallsschwerpunkt ist nach den Erhebungen der LWF weiterhin der Frankenwald, aber auch Bereiche Unter- und Mittelfrankens sowie Niederbayerns zeigen hohe Fangzahlen auf. Nun ist es wichtig, die Wälder auf Käferbefall zu kontrollieren und befallene Bäume sowie Sturmhölzer umgehend aus den Wäldern zu entfernen. Die Sturmschäden aus dem Februar sind in Bayern überwiegend aufgearbeitet, die Gewitter haben bisher nur punktuell sehr überschaubare Schäden verursacht, deren Aufarbeitung und Vermarktung läuft. Betroffen waren bisher vor allem Teile Ober- und Niederbayerns.

Mit der WBV oder FBG absprechen

Während die Laubholzsäger mit Frühlieferprämien sich dringend benötigte Mengen sichern wollen, ist die Nadelholzsägeindustrie überwiegend gut versorgt. Auf planbare Frischholzeinschläge sollte aktuell verzichtet bzw. nur nach enger Abstimmung mit den Forstzusammenschlüssen und Abnehmern und bei funktionierender Logistik vor Ort durchgeführt werden. Hauptaugenmerk muss die Kontrolle und Aufarbeitung von Käferholz sowie anderem Kalamitätsholz haben.

Industrieholz wird weiterhin gut nachgefragt. Der Waldbesitz rechnet bei Neuabschlüssen mit Preissteigerungen. Insbesondere beim Papierholz wird sich aber in nächster Zeit zeigen, inwieweit drohende Gaskürzungen Realität werden. Die Nachfrage nach Energieholz ist je nach Sortiment und Region zu steigenden Preisen hoch und kann teilweise nicht vollständig befriedigt werden. Viele Haushalte setzen wieder auf eine regionale Energieversorgung bzw. wollen mit Holz in Ergänzung zu fossilen Energieträgern heizen. Gleichzeitig wächst aber der politische Widerstand gegen die primäre Holzenergienutzung.

Positiv schaut der Waldbesitz auf die kommende Laubholzsaison. Erste Verhandlungen für Eichen- und Buchenstammholz werden wohl in den kommenden Wochen starten.