Klimawandel

Prämie für die Kohlenstoffsenke Wald

Wald
Karola Meeder Portrait 2019
Karola Meeder
am Donnerstag, 19.12.2019 - 16:06

Aus dem Preis für den Ausstoß einer Tonne CO2 lässt sich die Prämie pro Hektar Wald ableiten.

Vor dem Hintergrund des in der Bund-Länder-Runde verhandelten höheren CO2-Preises, hat der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst, Max von Elverfeldt, seine Forderung nach einer Prämie für die CO2-Speicherung des Waldes erneuert. Wenn der Einstieg für die Tonne CO2 bei nunmehr 25 statt 10 € liegt und schrittweise auf 55 € erhöht werden soll, darf die Honorierung der Ökosystemleistung „CO2-Speicherung“ des Waldes keine Frage mehr sein, fasste er zusammen. So habe NRW diesen Vorschlag zu Recht auf die bundespolitische Ebene gehoben. Bei dem aktuellen Preis eines Zertifikats im Emissionshandel von 25 €/t CO2 ergebe sich eine Honorierung dieser Ökosystemleistung von 125 € pro Jahr und Hektar.

Jetzt gelte es, rasch ein verlässliches Modell zu verabschieden, um die Waldbauern für ihren wichtigen gesellschaftlichen Beitrag mit einer CO2-Prämie kontinuierlich zu unterstützen.

Wald bindet rund 14 % des jährlichen CO2-Ausstoßes

Elverfeldt nannte einige Zahlen, um die Bedeutung der Kohlenstoffsenke Wald zu verdeutlichen: In den Bäumen und Böden der deutschen Wälder sind 2,5 Mrd. t Kohlenstoff gebunden. Zu dieser gespeicherten Menge an Kohlenstoff kommen jedes Jahr im Zuge des Waldwachstums rund 60 Mio. t CO2 hinzu. Darüber hinaus spart die Verwendung von Holz jährlich rund 66 Mio. t CO2 und bindet jedes Jahr rund 3 Mio. t CO2 in Holzprodukten. Damit sei das Cluster Forst & Holz ein bedeutender Klimaschützer, der mehr als 127 Mio. t CO2 und damit rund 14 % des jährlichen CO2-Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft bindet.

Auch das Internetportal Pflanzenforschung.de wies kürzlich auf die Bedeutung des Waldes beim Thema CO2-Speicherung hin. Dabei ging es speziell um die Waldböden, die deutlich mehr Kohlenstoff als Ackerböden binden – und maßgeblich daran beteiligt sind ganz bestimmte Mykorrhizapilze, wie eine Studie nun gezeigt hat. Die Rede ist von Ektomykorrhizapilzen, zu ihnen zählen unter anderem Steinpilz und Pfifferling sowie Morcheln oder Trüffeln – sie kommen vornehmlich ihn Wäldern vor und bilden ein dichtes Netz um die Wurzeln von Bäumen und Sträucher.

Die Studie zeigte folgendes: Je mehr Pflanzen mit sogenannten arbuskulären Mykorrhizapilzen assoziiert sind, desto weniger Kohlenstoff ist im Boden gespeichert. Umgekehrt erhöht sich die Speicherkapazität der Böden mit dem Anteil der Ektomykorrhizapilze. Die Erklärung ist relativ einfach: Ektomykorrhizapilze produzieren vergleichsweise viel langlebiges Mycel – und können damit auch viel Kohlenstoff binden.

Das zeige, welchen Einfluss der Mensch durch Landnutzungsänderungen auf die Kohlenstoffkreisläufe hat, folgern die Wissenschaftler. Wird Wald in Ackerland umgewandelt, gehen Flächen mit Ektomykorrhizapilzen verloren und die Kohlenstoffspeicherkapazität reduziert sich. Etwa 50 bis 75 % der terrestrischen Erdoberfläche habe der Menschen bereits umgewandelt – meist durch Abholzung von Wäldern und Umwandlung in Ackerland. Das lasse die enorme CO2-Freisetzung erahnen, die dadurch ausgelöst wurden und den Klimawandel befeuert haben – zeige aber auch einen Lösungsweg: Aufforstung.