Schädlinge

Neuer Eichen-Schädling bestätigt

Eichennetzwanze_FVA_Wonsack
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am Donnerstag, 04.11.2021 - 16:50

Die Eichennetzwanze hat Baden-Württemberg erreicht. Es handelt sich um den ersten Fund in Deutschland.

Eier an der Blattunterseite_FVA_Wonsack

Anfang August war es noch ein Verdacht, nun hat ihn die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) offiziell bestätigt: Die Eichennetzwanze hat Baden-Württemberg erreicht. Eine Privatperson hat den im Schwetzinger Hardt entdeckten Eichen-Schädling zur Untersuchung eingereicht. Es handelt sich um den ersten bekannten Fund in Deutschland.

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg hat die FVA vor Ort ein erstes Monitoring durchgeführt – das Ergebnis: „Die Eichennetzwanze kommt entlang der ICE-Bahnstrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe bereits an weiteren Eichen vor“, erklärt Dr. Lisa Thomas aus der Abteilung „Waldschutz“ der FVA. Das bisher dokumentierte Ausbreitungsgebiet erstrecke sich nach ersten Ergebnissen auf mindestens 20 Kilometer Luftlinie.

Auswirkungen sind noch unbekannt

Befallenes Eichenblatt_FVA_Wonsack

Was bedeutet das nun konkret? Eichennetzwanzen saugen an der Unterseite der Blätter. Ab dem Frühjahr kann so ein Befall anhand von hellgelb gesprenkelten Bereichen auf den Blättern erkannt werden. Je größer der Befall ist, desto intensiver und großflächiger wird die Verfärbung. Im Hochsommer kommt es bei starkem Befall zur Vertrocknung und zu vorzeitigem Blattfall an der Eiche – bis zu Absterbeerscheinungen einzelner Äste.

„Dass ganze Bäume aufgrund des Befalls sterben, ist aber zurzeit nicht bekannt“, sagt Thomas. „Doch wenn Eichen durch den Befall mit Eichennetzwanzen bereits geschwächt sind, werden sie anfälliger für weitere Schadorganismen.“ Noch müsse bewertet werden, inwiefern dieser neue Schädling in Kombination mit bereits vorhandenen Schadorganismen die Gefährdung der Eichen erhöht.

Die Eichennetzwanze ist in Nordamerika und Kanada beheimatet. 2000 wurde sie erstmals in Europa nachgewiesen – damals in Italien. Sie breitete sich zunächst rasant in den Norden und Osten aus. Heute kommt die Netzwanze unter anderem in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Griechenland und der Türkei vor. In ihrer Heimat ist die Eichennetzwanze für die Wälder in der Regel kein Problem, da sie ausreichend Fraßfeinde hat.

Etablierung vermutlich nicht zu verhindern

„Die Ausbreitungswege und die Geschwindigkeit, mit der sich die Netzwanze ausbreitet, lassen den Schluss zu, dass eine Etablierung und weitere Ausbreitung nicht verhindert werden kann“, schätzt Thomas.
Die Eiche sei gerade im Hinblick auf den Klimawandel von großer Bedeutung. „Darum ist es umso wichtiger herauszufinden, ob und welche Probleme der Schädling für unsere Wälder mit sich bringt.“ Ähnlich schätzt man das auch in Bayern ein, wie die LWF mitteilt. Demnach gibt es derzeit keine Hinweise auf ein Vorkommen der Eichennetzwanze in Bayern. Man nehme die Sache aber ernst, weil man in Süd- und Osteuropa gesehen hat, wie schnell sich die Eichennetzwanze verbreiten konnte. Wegen ihrer bereits weiten Verbreitung und weil sich ihre Ausbreitung laut Julius Kühn Institut nicht mit phytosanitären Maßnahmen aufhalten lässt, gilt sie auch nicht mehr als Quarantäneschädling.