Borkenkäfer

Neue Borkenkäfersaison beginnt

BLW_Borkenkäfer_StMELF
Cornelia Triebenbacher, Hannes Lemme, Andreas Hahn, Gabriela Lobinger, LWF
am Donnerstag, 25.03.2021 - 08:59

Im April werden die Borkenkäfer mit ihrem Schwärmflug starten – es ist nicht davon auszugehen, dass sie durch die starken Fröste beeinträchtigt wurden.

Befallsverlauf

Wie wird sie wohl werden, die nächste Borkenkäfersaison? Wer das abschätzen will, muss zuerst in die Vergangenheit blicken: Im letzten Jahr legten die Fichtenborkenkäfer – insbesondere der Buchdrucker – bayernweit eine zweite Generation und Geschwisterbrut an. Nur vereinzelt wurde eine erneute Eiablage zur Anlage einer dritten Generation im September beobachtet – das ist aber kein Zeichen einer Entspannung! Die Borkenkäferpopulation liegt weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Der Vergleich der Wochenanflüge von 2015 bis 2020 (Abbildung 1) zeigt, dass in der Vegetationsperiode 2020 die Anflüge je Woche auf einem sehr hohen Niveau lagen – vergleichbar mit den Anflügen der Jahre 2017 bis 2019. Im Jahr 2015 lagen die Anflüge bis zum Beginn der Trockenheit im Spätsommer auf einem niedrigen Niveau.

Es zeigen sich aber regionale Populationsunterschiede, wie die Grafiken in Abbildung 2 zeigen. Jeder Punkt stellt einen Monitoringstandort mit zwei Fallen dar. Für jeden dieser Punkte wurde die Anzahl der Leerungen mit mehr als 3000 Käfern je Falle pro Woche (Schwelle für Stehendbefall) zusammengezählt. Die höchsten Werte wurden an Monitoringstandorten in Ober- und Mittelfranken sowie in den Sturmschadflächen von „Kolle“ im südöstlichen Niederbayern gezählt.

Keine Verluste durch kalte Temperaturen erwartet

Stehendbefall

Wenn die Eiablage bis Ende August 2020 erfolgte, konnte sich in Lagen unter 600 m ü. NN die Buchdruckerbrut der zweiten Generation und Geschwisterbrut noch vor Winterbeginn bis zum Jungkäfer ohne Reifungsfraß entwickeln. In höheren Lagen erfolgte dagegen nur an besonnten Stämmen die Entwicklung zum Jungkäfer.

Wir gehen davon aus, dass die Buchdrucker daher zum Großteil als Jungkäfer unter der Rinde überwintert haben. Die Wintertemperaturen beeinträchtigen dieses Entwicklungsstadium (Jungkäfer) nicht. Im Gegenteil: je kühler die Witterung im Winter, desto stärker fahren die Käfer ihren Stoffwechsel herunter und umso weniger Energiereserven verbrauchen sie. Bei einer Überwinterung als Jungkäfer ist zudem damit zu rechnen, dass kaum weitere Entwicklungszeit vor dem Schwärmflug im Frühjahr notwendig ist.

Schwärmflug ab 14 Stunden Tageslicht

Die Fichtenborkenkäfer fliegen im Frühjahr in der Regel ab April aus den Überwinterungsplätzen aus. Bei warmen Spätwintertemperaturen im Februar und März können überwinternde Buchdrucker aber schon aktiv sein. Fraß unter der Rinde und auch einzelne sich ausbohrende Käfer sind solche Aktivitätszeiger.

Für einen ersten synchronen Schwärmflug benötigt der Buchdrucker bestimmte Mindestwerte bezüglich der Tageslichtlänge und der Tagestemperatur. Die Tageslichtlänge muss etwa 14 Stunden betragen. Des Weiteren benötigt der Buchdrucker bestimmte Temperatursummen. Wenn Tageslichtlänge und Temperatursummen zusammenpassen, fliegen die Buchdrucker bei einer Lufttemperaturschwelle von ca. 16,5 °C und trockener Witterung aus.

Ein erster synchroner Schwärmflug ist daher – selbst bei hohen Spätwintertemperaturen – frühestens Ende März bis Anfang April zu erwarten. Fällt im März an befallenen Fichten aus dem Vorjahr die Rinde ab, ziehen sich die Käfer nicht mehr in den Boden zurück, sondern bohren sich in umliegende Stämme ein. Sie schaffen es jedoch noch nicht, eine Fichte erfolgreich zu befallen.

Was jetzt im Wald besonders wichtig ist

Was bedeutet das nun für die Praxis? Im Vorjahr befallene Fichten sollten noch vor Beginn des Schwärmfluges – also in den kommenden Tagen – vollständig aufgearbeitet und möglichst aus dem Wald abtransportiert werden. Aufgrund der zeitweise bereits sehr warmen Witterung Ende Februar bzw. Anfang März haben die Fichtenborkenkäfer bereits unter der Rinde zu fressen begonnen. Dadurch kann die Rinde recht locker sitzen und jederzeit abfallen. Dies ist auch an den Holzlagerplätzen zu beachten, wenn das Holz abtransportiert wird. Gegebenenfalls lohnt es sich, größere Rindenstücke einzusammeln.

Weitere hilfreiche Hinweise zum Borkenkäfer finden Sie in den Antworten zu den „Häufigsten Fragen zu den Fichtenborkenkäfern“ unter www.lwf.bayern.de/borkenkaefer-faq.