Großer Brauner Rüsselkäfer

Nadelholz durch weiteren Schädling bedroht

Rüsselkäfer
Cornelia Triebenbacher, Karin Bork, LWF Freising
am Donnerstag, 25.07.2019 - 14:08

Der Große Braune Rüsselkäfer setzt dem Nadelholz auf wiederaufgeforsteten Flächen zu.

Fraßbild

Auf Wiederaufforstungsflächen nach Sturmwurf oder Borkenkäferbefall treten an frisch gepflanzten Douglasien, Tannen, Lärchen und Fichten zunehmend starke Schäden durch den Großen Braunen Rüsselkäfer auf. Er zählt zu den gefährlichsten Schädlingen in Forstkulturen und frisst an allen Nadelholzarten.

Besonders gefährdet sind Kulturen von Fichte, Douglasie, Kiefer, Tanne, Lärche und Strobe bis zum Alter von 5–6 Jahren. Da sich die Larven in den Wurzeln absterbender Nadelholzstöcke entwickeln, sind ein- und mehrjährige Kulturen in naher Umgebung vorjähriger Kahlschlagflächen besonders gefährdet. Fallen wiederholt frische Wurzelstöcke an – beispielsweise durch andauernden Borkenkäferbefall – ist fortlaufend brutfähiges Material für den Rüsselkäfer vorhanden. Im Schnitt bleiben die Stöcke etwa drei Jahre für den Rüsselkäfer bruttauglich.

Bestände kontrollieren

Die Fraßzeit der Käfer erstreckt sich über die gesamte Vegetationsperiode. Die Schwerpunkte sind jedoch im Frühjahr (April/Mai), wenn die Altkäfer ihre Winterquartiere verlassen und im Spätsommer (Reifungsfraß der Jungkäfer). Dieser Reifungsfraß kann, ebenso wie der Frühjahrsfraß der Altkäfer, einen sogenannten „Pockennarbenfraß“ verursachen, der die Bäumchen zum Absterben bringen kann. Darum sollten gefährdete Bestände kontrolliert werden:
  • Besonders gefährdet sind Fichte, Douglasie, Kiefer, Tanne, Lärche und Strobe bis zum Alter von 5–6 Jahren.
  • Kontrollieren Sie auch Pflanzen mit Schutzkrempen sowie Pflanzungen mit „gewachsten“ Pflanzen und Wuchshüllen. Der untere Rand der Wuchshüllen sollte außerdem direkten Bodenkontakt haben.
  • Werden an 10 % der Kontrollpflanzen starke Fraßschäden (Ringelungsfraß oder mehrere sich überlappende Fraßstellen) festgestellt, sind Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich. Zur Abgrenzung des Fraßherdes sollten im Umfeld weitere Pflanzen untersucht werden.

Bekämpfen und vorbeugen

Und wie lässt sich der Rüsselkäfer bekämpfen? Ergibt die Kontrolle starke Fraßschäden und lässt die Prognose weitere Ausfälle erwarten, kann eine auf das Minimum beschränkte Pflanzenschutzmittelanwendung in Erwägung gezogen werden. Derzeit sind drei Mittel zur Tauchbehandlung und fünf Mittel zur Spritzbehandlung zugelassen (Onlinedatenbank unter www.bvl.bund.de).
Bei der Spritzbehandlung werden die Einzelbäume vom Wurzelhals aufwärts auf ca. 30 cm besprüht. Ist schon beim Pflanzen klar, dass die Befallsgefahr sehr hoch ist, können die Bäumchen auch direkt vor der Pflanzung in eine Pflanzenschutzlösung getaucht werden. Anschließend müssen sie auf einem Abtropfgitter gelagert werden, bis sie trocken sind.
Alternativ kann auch das Ausbringen von Fangrinden und Fangknüppeln einen Teil der Population abschöpfen und so den Befallsdruck mindern (Blickpunkt Waldschutz 5/2010 unter www.lwf.bayern.de).
Eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme ist es, mit der Aufforstung zu warten, bis keine bruttauglichen Stöcke mehr vorhanden sind – also mindestens drei Jahre. Ebenso verringert ein Vorwald die Gefahr durch den Rüsselkäfer, da er besonnte Freiflächen bevorzugt. Bevorzugen Sie außerdem beim Waldumbau das Laubholz – daran frisst der Rüsselkäfer nicht.