Biodiversität

Nachhaltige Waldbewirtschaftung fördert die Artenvielfalt

Herbst
aiz
am Dienstag, 19.10.2021 - 15:35

"Würde der Wald nicht bewirtschaftet, wäre die Artenvielfalt wesentlich geringer", sagt der Experte Kurt Ramskogler, Präsident BIOSA.

Seine Einschätzung legte er auf der kürzlich zu Ende gegangene Biodiversitätskonferenz in Kunming (China) dar.

BIOSA steht für Biosphäre Austria, Verein für dynamischen Naturschutz. Klar sei, dass Mitteleuropa eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft habe. "Ihre ganz besondere Artenvielfalt ist von einer aktiven Bewirtschaftung der zumeist als natürlich empfundenen Lebensräume abhängig", unterstreicht Ramskogler.

Tagfalter und viele Vogelarten brauchen lichte Wälder

So brauchen etwa Mitteleuropas Tagfalter und viele Vogelarten lichte Wälder, um darin die geeignete Nahrung und Brutmöglichkeiten zu finden. "Die Bedrohung für diese lichtbedürftigen Arten entsteht dann, wenn die Wälder immer dunkler werden und sich das Kronendach der Wälder zunehmend schließt. Dies erfolgt beispielsweise dadurch, dass Wälder großflächig aus Gründen des vermeintlichen Klima- und Biodiversitätsschutzes außer Nutzung gestellt werden, weil der in den Bäumen gebundene Kohlenstoff im Wald verbleiben soll", berichtet Ramskogler von einem Zielkonflikt in der EU-Politik.

In Österreich gebe es etwa von Natur aus seltene Waldlebensräume, die zum Beispiel von den Besitzern freiwillig in das Naturwaldreservate-Programm des Bundes und in private Initiativen, wie bei BIOSA, eingebracht werden. Dabei seien zahlreiche Waldbewohner, wie Pilze, Insekten, Vögel und Fledermäuse, häufig an Totholz und spezielle Kleinstlebensräume gebunden.

Wieder mehr "Veteranen" im Wald

Dass sich in Richtung einer ökologischen Bewirtschaftung des Waldes sehr viel getan hat, beweisen die Daten der Österreichischen Waldinventur. "Der Anteil an totem Holz, das aus ökologischen Gründen im Wald verbleibt, ist seit 1960 um das Dreifache gestiegen und liegt bei beachtlichen 30 Vorratsfestmetern je ha.

Der Anteil an Veteranenbäumen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Der diesbezügliche Teilindikator im Rahmen des Biodiversitätsindex Wald hat seit 2007 um beachtliche 8 Prozentpunkte zugenommen", erklärt der Experte.