Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Update

NABU-Kampagne gegen Heizen mit Holz erntet fachliche Kritik

Holzstapel
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 21.09.2022 - 12:10

Der NABU ruft dazu auf, eine Petition gegen das Heizen mit Holz zu unterzeichen. Die Argumentation steht aber auf tönernen Füssen, wie Thomas Grebenstein, Geschäftsführer des WBV Ammer-Loisach, findet. Er hat dazu die Argumentation auf der Internetseite des NABU unter die Lupe genommen.

Update 21.09.2022: NABU hat Korrekturen auf seiner Internetseite vorgenommen

Zwei Kritikpunkte von Thomas Grebenstein wurden auf der NABU-Seite geändert. Zum einen wird als bessere Bezugsbasis für den CO2-Ausstoß die Energieeinheit kWh und damit der spezifische Ausstoß angegeben. Zu anderen der Anteil der Holzverbrennung in der Form korrigiert, dass die Angabe sich auf den Holzanfall bezieht, alos die Kaskadennutzung einschließt und nicht mehr auf den Holzeinschlag.

Artikel vom 19.09.2022

Natur- und Umweltschutzverbände kritisieren das Heizen mit Holz. Doch an dieser Kritik sind Zweifel angebracht. Hier werde durchaus mit unlauteren Mitteln gearbeitet, so lautet die Erfahrung von Thomas Grebenstein vom WBV Ammer Loisach. Als Beispiel nennt er die Homepage des NABU. Auf ihr wird aufgerufen, eine Petition an Bundeskanzler Olaf Scholz, Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck, Umweltministerin Steffi Lemke und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir zu unterzeichnen.

Kreislaufprozess von CO2-Fixierung und -Freisetzung bei Holz

Der NABU kritisiert auf seiner Hompage, dass die europäische Union Energie aus Waldholz als klimaneutral einstufe, obwohl Holz beim Verbrennen mehr CO2 freisetze als Kohle. Ein Vorwurf den Grebenstein so pauschal nicht stehen lassen will. Zwar setze Holz tatsächlich je Energieeinheit mehr CO2 frei als Kohle, dabei falle aber unter den Tisch, dass der Kohlenstoff aus der Holzverbrennung einem Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauernden Kreislauf entstamme, dem es praktisch kaum entzogen werden kann. So hat Holz während seines Wachstums das CO2 aus der Atmosphäre entnommen, bevor es dieses beim Verbrennenn wieder freisetzt. Und auch im Wald verbliebene Bäume sterben und setzen beim Vermodern das fixierte CO2 zu großen Teilen wieder frei. Bei der Verbrennung läuft der Prozess nur eben schneller ab.

Bei Kohle dagegen könne man nicht wirklich von einem Kreislauf sprechen. Der Kohlenstoff aus der Kohle ist in den Lagerstätten und Flözen dem Kreislauf entzogen und wird nur durch Verbrennung durch den Menschen wieder der Atmosphäre zugeführt.

Kaskadennutzung wird unterschlagen

Und noch eins stört Grebenstein: Die Mehrfachnutzung des Holzes bleibt unberücksichtigt. So stehe auf der NABU-Homepage, dass bereits die Hälfte der deutschen Holzernte verbrannt werde, Tendenz steigend. Dass das Holz aber vorher lange in anderer Form genutzt wurde, beispielsweise als Bretter, Balken oder Möbel und am Ende - wie andere, weniger klimafreundliche Produkte - in einer Verbrennungsanlage landet, blende diese Aussage aus.

Das Holz wandert also nicht zur Hälfte aus den Wald direkt in die Verbrennung, sondern hat bereits eine Vornutzung. "Es wird nicht die Hälfte der deutschen Holzernte verbrannt, sondern halb so viel Holz wie in Deutschland geerntet wird, wird jährlich verbrannt", lautet seine Richtigstellung. Und er ergänzt,  dass der Volumenanteil des Energieholzes am Holzeinschlag in Deutschland bei nur bei 14% liegt.

Wo bleibt der Sachverstand?

Beim Durchfosten des NABU-Auftritts im Internet hat Grebenstein dann noch eine Beobachtung gemacht, die er als symptomatisch für das Fachwissen des Verbandes betrachtet. Ein Hintergrundbild der Anti-Brennholz-Kampagne war komplett falsch verwendet worden, denn es hat große Mengen Stammholz auf dem Rundholz-Lagerplatz in einem holzverarbeitenden Betrieb in Brilon gezeigt. Die Firma Egger betreibt hier ein Sägewerk, eine Produktion von Spanplatten und mitteldichten Faserplatten (MDF) und ein Biomassekraftwerk. Die  Information über die fachlich falsche bildliche Untermalung hat Grebenstein an den NABU übermittelt. Stand 19. September, 17 Uhr befindet sich nun ein neues Bild auf der Seite.

Aus dem Holz der Firma Egger in Brillon werden in erster Linie Bretter und Balken, also langlebige Holzprodukte hergestellt. Was für Bretter und Balken nicht geeignet ist, sowie die beim Zersägen (und Zerspanen) von Holz entstehenden Späne, wird zu Spanplatten und MDF verarbeitet. Nur Reststoffe wie z.B. die Rinde, die vor dem Einschnitt von den Stämmen entfernt wird, wird im Biomassekraftwerk in Strom und Wärme verwandelt, die die Firma für ihre Produktionsprozesse nutzt.

Eigentlich wird das Holz dort genau so verwendet, wie der NABU möchte, eben in möglichst langlebigen Produkten, wie Möbeln oder zum Hausbau eingesetzt, findet Grebenstein. Und seine Schlussfolgerung lautet: Der NABU dürfte mit dem ursprünglichen Bild nicht nur seine Anhänger und Unterstützer verwirrt haben, sondern er hat auch gezeigt, wie verwirrt er selbst in der Frage der Holznutzung und der Holzenergie ist. Das ändert sich auch durch den nachträglichen Austausch des Bildes nicht.