Waldbau

Massive Anflugzahlen beim Buchdrucker

Borkenkäfer
Hannes Lemme und Ralf Petercord
am Dienstag, 18.06.2019 - 14:10

Die ansteigenden Temperaturen seit Ende Mai führen nun wieder zu starker Aktivität beider Borkenkäferarten.

Borkenkäfer

Die kühlen Temperaturen in der 19. (6. Mai bis 12. Mai) und 20. KW (13. Mai bis 19. Mai) haben den Schwärmflug des Buchdruckers und Kupferstechers kurzfristig fast zum Erliegen gebracht. Die ansteigenden Temperaturen seit Ende Mai führen nun wieder zu starker Aktivität beider Borkenkäferarten und damit zu sehr hohen Anflugzahlen in fast allen Regionen Bayerns.

Bereits mehrmals wurde an mehreren Monitoringstandorten in Niederbayern und in den nordöstlichen Teilen von Oberbayern der Schwellenwert für Stehendbefall von 3.000 Buchdruckern pro Woche überschritten (Abbildung 4). In der interaktiven Risikogebietskarte auf der Webseite borkenkaefer.org liegen für viele Regionen Gefährdungseinschätzungen für beide Borkenkäfer im roten Bereich.

Auch in Regionen von Nordbayern gilt die Gefährdungseinschätzung „rot“ der Ämter beim Buchdrucker und Kupferstecher. Die Anflugzahlen des Buchdruckers und Kupferstechers in den Fallen in Nordbayern sind derzeit jedoch nur an wenigen Standorten sehr hoch. Wenn attraktives Brutmaterial im Bestand vorhanden ist, fliegen suchende Borkenkäfer nicht im Verhältnis zur tatsächlichen Dichte im Bestand in die Fallen am Bestandesrand.

In Regionen, in denen über die Ostertage starker Schwärmflug beobachtet wurde, erfolgt derzeit der Ausflug der Altkäfer zur Anlage der Geschwisterbrut. In Regionen (Alpenvorland, südwestliche Regionen Bayerns), in denen erst in der vergangenen Woche hohe Anflugzahlen beobachtet wurden, ist das Befallsgeschehen deutlich verzögert. Hier wird erst jetzt die erste Brut angelegt. Grundsätzlich ist in Abnhängigkeit vom Brutraumangebot in allen Regionen Stehendbefall möglich.

Aktuell sind in den ausgelegten Bruthölzern überwiegend Larven zu finden. Puppen wurden erst in dieser Woche in einem (Zusmarshausen) von 12 Bruthölzern gefunden. Im Gegensatz zum Vorjahr erfolgte die Besiedlung dieses Jahr witterungsbedingt schleppend und verspätet. Der Ausflug der ersten Generation, die nach Ostern angelegt wurde, erfolgt in den tieferen und mittleren Lagen frühestens Mitte bis Ende Juni bei weiterhin hohen Temperaturen.

Diese Brut- und Entwicklungsverzögerung bedeutet jedoch keine Entwarnung für das weitere Borkenkäferjahr. Die aktuellen Anflugzahlen weisen auf einen massiven Befallsdruck hin. Trotz der beobachteten Entwicklungsverzögerung muss auch dieses Jahr bei weiter warmen Temperaturen mit der Anlage einer 3. Generation gerechnet werden.

Handlungsempfehlungen

Borkenkäfer

Nutzen Sie jeden Tag zum Auffinden und Aufarbeiten des befallenen Holzes! Um in den Regionen mit gemeldeten Stehendbefall ein erneutes Ausfliegen der Altkäfer zu verhindern, ist der unverzügliche Einschlag und Abtransport des befallenen Holzes unerlässlich!

  • Kontrolle von Randbäumen auf frischen Stehendbefall: an letztjährigen Käfernestern, insbesondere wo noch immer letztjährige Käferbäume stehen, an aufgerissenen, süd- und südwestlichen Waldrändern, um befallenes liegendes Holz bzw. Holzpolter.
  • Befallskontrolle von liegenden bruttauglichen Fichtenkronen und Resthölzern u. a. auch aus den Sturm- und Schneebruchschäden des Winters auf Kupferstecher- und Buchdruckerbefall und unverzügliche Aufarbeitung (Hacken). Bei bereits befallenem Material ist Kleinschneiden keine Alternative. Die Brut entwickelt sich auch in kurzen Abschnitten von 20 cm fertig. Auch kleingeschnittenes, unbefallenes Material trocknet im Bestand nicht rechtzeitig genügend ab.
Borkenkäfer
  • Einschlag von frischem Stehendbefall und unverzügliche Abfuhr aller befallenen, liegenden Hölzer mindestens 500 m zum nächsten Nadelholzbestand!
  • Bei stockendem Holzabfluss zeitnahe Behandlung befallener Holzpolter mit zugelassenen Insektiziden! zugelassene Mittel finden Sie in der Online-Datenbank unter www.bvl.bund.de in der Rubrik Pflanzenschutzmittel.
Borkenkäfer

Die schnelle Reaktion auf Käferbefall und gründliche Aufarbeitung in der ersten Schwärmwelle sind besonders wirkungsvoll für eine erfolgreiche Eindämmung der Befallsausbreitung und Abschöpfung der Käferpopulation!

Interaktive Borkenkäferbefallskarte für Bayern: www.fovgis.bayern.de/borki/