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Waldschutz

Mammutaufgabe Waldumbau

Sturmschaden_B
Eva-Maria Genser, Doris Timm, StMELF
am Donnerstag, 28.07.2022 - 17:00

Umbauoffensive 2030: In Bayern sollen 200.000 ha labile Nadelholzbestände in klimatolerante Mischbestände umgebaut werden. Um diesen Kraftakt schneller und besser zu meistern, wurde die Initiative Zukunftswald gegründet.

Eichenpflanze_B

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Unser Wald ist davon nicht erst seit gestern besonders betroffen, bekommen doch zunehmend auch bewährte Baumarten Probleme mit wachsender Hitze, häufigeren und längeren Dürreperioden, Extremwetterereignissen oder aggressiven Schädlingen.

Gleichzeitig können Wälder als natürliche Kohlenstoffspeicher den Klimawandel zumindest in Teilen abfedern. Vor allem aber sind Wälder Teil unserer Lebensgrundlage. Sie filtern die Luft, gleichen örtlich das Klima aus, verhindern Hochwasser, Bodenabtrag oder Steinschlag und schützen so die Gesellschaft.

Unsere Wälder sind zudem zentraler Rohstofflieferant. Heimisches Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung ist wichtiger denn je. Für viele Waldbauernfamilien ist Wald wertvolles Eigentum und wichtiger Bestandteil des Einkommens.

Ziel: Zukunftsfähige Mischbestände

Uns allen muss es also gelingen, die bestehenden Wälder bestmöglich zu erhalten und möglichst schnell und effizient in widerstandsfähigere Bestände zu überführen.

Im Rahmen der Waldumbauoffensive 2030 sollen deshalb im bayerischen Privat- und Körperschaftswald 200 000 ha labile Nadelholzbestände in zukunftsfähige, klimatolerante Mischbestände umgebaut werden. Um die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei dieser Mammutaufgabe zu unterstützen, hat die Bayerische Forstverwaltung bereits 2015 die Initiative Zukunftswald Bayern (IZW) ins Leben gerufen.

Aber was genau steckt hinter dieser Idee? Bayerns Privatwaldfläche verteilt sich auf rund 700 000 Waldbesitzende. Die mittlere Betriebsgröße beträgt rund drei Hektar. Diese kleinteilige Besitzstruktur macht einen schnellen, großflächigen Waldumbau nicht gerade einfach. Aus dieser Ausgangslage heraus entstand die Idee zu regionalen Waldumbauprojekten: Alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in einem bestimmten Projektgebiet werden zum Waldumbau eingeladen und dabei unterstützt, in gemeinsamen Aktionen mit ihren Waldnachbarn ihre Wälder zukunftsfähig zu gestalten.

Die Themenpalette der Projekte ist genauso vielfältig wie Bayerns Wälder. Am Anfang steht in aller Regel die Kontaktaufnahme mit den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern aus dem Projektgebiet und häufig die Überwindung von strukturellen Hindernissen, wie beispielsweise Grenzfindungen oder bei Bedarf auch der Bau von Wegen.

Bei vielen Projekten werden gefährdete Bestände aktiv - also ohne vorangegangenes Schadereignis - an den Klimawandel angepasst. Oft ist es sinnvoll, die Altbestände zu durchforsten und so auf die nächste Waldgeneration vorzubereiten, bevor die jungen Bäumchen unter dem Schutz der Altbäume gepflanzt werden. Das Gemeinschaftsprojekt ermöglicht dann zum Beispiel besitzübergreifende Harvestereinsätze und gemeinsame Pflanzaktionen, die für einen einzelnen Kleinprivatwaldbesitzer nicht möglich oder unrentabel wären.

Oft sind Kalamitäten schneller als Waldbesitzer

Weil der Klimawandel so schnell voranschreitet, bleibt für den vorbeugenden Waldumbau oft keine Zeit. Borkenkäferbefall und Stürme hinterlassen nicht selten große Kahlflächen und stellen die Waldbesitzenden vor vollendete Tatsachen. Die Wiederaufforstung der Flächen ist häufig eine besonders große Herausforderung. Auch hier können IZW-Projekte mit gemeinsam organisierten Aktionen helfen.

Pflegeoffensiven bilden einen weiteren Schwerpunkt der IZW. Sorgsame Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen sichern wertvolle Mischbaumarten und schaffen Stabilität. Sie sind ein sehr wichtiger Baustein, um den aufwachsenden Wald fit zu machen für die Zukunft.

Neben den Waldumbauprojekten auf der Fläche ist auch Ziel der IZW, die Notwendigkeit des Waldumbaus noch stärker in den Blick der Gesellschaft zu rücken. Deshalb gibt es eine Vielzahl von begleitenden Maßnahmen, wie beispielsweise Pflanzungen mit Schulklassen, Lehrpfade oder Führungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Gemäß dem Motto „Gemeinsam geht’s leichter“ tragen bei einem IZW-Projekt alle Akteure auf der Fläche zum Gelingen bei. Waldbesitzende, forstliche Zusammenschlüsse, Jäger – und je nach Projekt verschiedene weitere Engagierte – sowie die Forstverwaltung ziehen an einem Strang. Die notwendigen Arbeitsschritte werden bestmöglich aufeinander abgestimmt und Fördermöglichkeiten miteinbezogen.

Ein weiterer Vorteil der IZW ist es, dass die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bei Bedarf Projektpersonal einstellen können. Diese Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um die ihnen anvertrauten IZW-Projekte. Aber selbstverständlich sind auch die örtlich zuständigen Revierleiterinnen und Revierleiter eng in die Projekte eingebunden. So haben die Waldbesitzenden auch über die Projektlaufzeit hinaus einen festen Ansprechpartner.

Jeder kann mitmachen, auch ohne Projekt vor Ort

Keiner kennt die Rahmenbedingungen im Wald so gut wie die Försterinnen und Förster vor Ort. Die Projekte werden deshalb von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten konzipiert. Die Laufzeit eines Projektes beträgt in der Regel maximal zwei Jahre. Anschlussprojekte sind bei Bedarf aber möglich und gern gesehen.

Seit 2015 wurden rund 150 Projekte erfolgreich abgeschlossen. Aktuell gibt es bayernweit rund 50 Projektinitiativen. In Kürze startet an den Ämtern die neue IZW-Periode 2022 bis 2024. Erkundigen Sie sich gerne bei Ihrem zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ob momentan in Ihrer Region ein IZW-Projekt läuft. Oder vielleicht haben Sie eine gute Idee für ein neues Projekt?

Und auch ohne IZW-Projekt vor Ort können Sie als Waldbesitzerin oder Waldbesitzer jederzeit in den Waldumbau einsteigen. Fragen Sie einfach nach! Ihre Försterin oder Ihren Förster und weitere Informationen zum Wald finden Sie im Waldbesitzerportal (www.waldbesitzer-portal.bayern.de).

Bayerns Wälder sind für das Allgemeinwohl wichtiger denn je. Aber auch für den einzelnen Waldbesitzenden und unsere kommenden Generationen werden jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt. Packen wir es also gemeinsam an!