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Trocken- und Hitzestress

Laubbäume: Zwischen Hunger und Durst

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 12.09.2022 - 12:41

Der vorzeitige Blattabwurf ist eine Schutzfunktion der Laubbäume gegen das akute Verdursten - führt aber auf der anderen Seite zum Hungern der Bäume.

Schon im Sommer haben viele Laubbäume ihre Blätter verfärbt oder abgeworfen. Zum Teil sind die Blätter auch matt grün an den Bäumen verdorrt. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen im trocken-heißen Unterfranken, aber auch in vielen anderen Gebieten hat der Herbst schon im Mitte Juli begonnen.

Zu wenig Nährstoffe eingelagert

Vielerorts haben sich die Blätter gar nicht mehr verfärbt und die Bäume haben die grünen Blätter abgeworfen, wie Dr. Lothar Zimmermann von der LWF berichtet. Der Grund dafür ist, dass dieses Jahr die Trockenheit relativ schnell und heftig eingesetzt hat. "Um die weitere Verdunstung sofort zu beenden und nicht komplett zu vertrocknen, haben die Bäume ihre transpirierenden Blätter schnellstmöglich abgeworfen", erklärt Zimmermann. Das Handicap dabei ist aber, dass die Bäume in diesem Jahr dabei keine Zeit mehr hatten, ihre Nährstoffe und wertvollen Mineralstoffe aus den Blättern zurückzuziehen. Dem Baum fehlen diese Nährstoffe im folgenden Jahr. Er hungert also.

Besonders betroffen davon sind Phosphor und Kalium, aber auch Stickstoff und Magnesium, die in Normaljahren in Rinde und Wurzeln gespeichert werden.

Eiche noch am stabilsten

Doch auch die Energiereserven der Bäume werden bei einem verfrühten Laubfall geringer, weiß der LWF-Mitarbeiter. Weniger Blätter bedeutet auch eine geringere Leistung bei der Photosynthese und somit auch weniger Energie und Wachstum für den Baum. Beim Austrieb im nächsten Jahr und möglicherweise sogar in den Folgejahren werden die Bäume das noch spüren.

Übrigens ist die Eiche, der die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft eine größere Stabilität im Klimawandel vorhersagt, auch in Trockengebieten wesentlich weniger von diesem Phänomen betroffen als andere Laubbäume. Offensichtlich kommt die Eiche mit dem Klimawandel tatsächlich besser zurecht als Ahorn, Birke, Linde und Buche.

Mit Material von Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft